Under the Skin

Jonathan Glazer ist ein Phänomen, das wächst und wächst. 2000 kam quasi aus dem Nichts sein Regiedebut Sexy Beast – unangenehm, sonderbar, bizarr und Ben Kingsley in einer Paraderolle. Vier Jahre später folgte Birth, der einen handfesten Eklat auslöste und eine 9-Jährige Pause Glazers einläutete. Ihr Ende findet sie mit Under the Skin, ein Film, der bestätigt, was sich bereits ahnen ließ: Zwischen den langen Pausen reiften das ästhetische Bewusstsein und die handwerkliche Versiertheit des Briten ungehindert weiter und weiter.

I’m dreamng.
Yes, we are.

Story


Etwas bildet sich. Im Anschluss trägt ein maskierter Motorradfahrer einen leblosen Frauenkörper in das Innere eines Lieferwagens, das ganz und gar nicht wie das Innere eines Lieferwagens aussieht. Eine andere Frau, nackt, eignet sich die Kleidung der Frau an. Dann steigt sie in einen Wagen, fährt nach Glasgow und überredet Männer, sie nach Hause zu begleiten. Doch in dem Heim der Namenlosen erwartet die Verführten kein Sex, sondern ein spiegelglatter schwarzer See, umgeben von Nichts. Sie tauchen ein und es ist das letzte, was sie sehen.

Kritik

Schwarz, dann ein Punkt und wunde Geräusche. Eine Übergangscollage von Bilderfolgen mit hypnotischen Anleihen, meist Kreise, die zu Halbmondformen zusammengleiten. Stammeln, abgehackte Töne, die immer mehr Struktur entwickeln. Wir sehen ein Auge, es blickt zurück. Dann ein kalter, klarer Strom, der einen Berg hinabrauscht. Ist Under the Skind angenehm, optimistisch? Ist Under the Skin beunruhigend, furchteinflößend? Ja. Ja zu beidem. Vor allem aber ist Jonathan Glazers Werk ein psychedelischer Reigen ungenormter, aber streng durchdachter Bilder. Aufgesetzt oder unerträglich verkünstelt wirkt das Geschehen trotzdem nie. Das Gegenteil ist der Fall – viele Aufnahmen fanden mit versteckter Kamera statt, manche Gespräche sind improvisiert. Dieser naturalistische Anstrich stellt ein passendes Gegengewicht zum durchkomponierten Montagemeisterwerk dar, das der Film formal ist. So fühlt er sich nie kühl und künstlich an, sondern wabert stattdessen in der Mitte vieler Extreme, die er allesamt simultan beinhaltet.
Das klingt anstrengend, tatsächlich ist es das aber nicht. Dafür ist es zu sehr aus einem Guss, stilistisch viel zu sehr fesselnd, als Gesamterfahrung zu faszinierend, um durch die strenge Verschwiegenheit abzustoßen, die Under the Skin an den Tag legt. Denn erzählt wird hier nur indirekt, was wieder einmal vor Augen führt, wie sehr klassisches Kino darauf geeicht ist, alles ausführlich und direkt zu erzählen, anstatt darauf zu vertrauen, dass ein Zeigen und Andeuten ebenso funktionell sein kann. Gerade deswegen kann man Under the Skin natürlich anstrengend finden, das zu entscheiden liegt wie immer in letzter Instanz bei jedem Zuschauer selbst. Unorthodox ist der Science-Fiction-Film auf jeden Fall.
Die Idee, das Alien als erstes direkt in ein Shopingcenter zu schicken, welches nicht minder fremdartig wirkt als die bisherigen Schauplätze, lässt der Ahnung Raum, dass wir der Protagonistin nicht nur zuschauen, sondern die Welt durch ihre Augen wahrnehmen. Ein entlarvender Blick, (unabhängig davon, dass Filme über Frauen, die ihre Verführungskünste gegen Männer einsetzen grundsätzlich entlarvend sind) vermittelt durch eine Kamera, der man vielleicht nicht immer trauen kann, deren Bilder kühl, aber schön sind. Das völlig unverständliche Englisch mit dem kruden schottischen Dialekt trägt sein Übriges zum Eindruck völliger Fremde bei. Nicht nur die Geschichte wird indirekt vermittelt, auch unsere alltägliche Welt ist eine, die automatengleich abläuft, von Außen betrachtet aber gewiss nicht durchweg schlüssig wirkt.

Das ist das absolut Bemerkenswerte an dem Film – wie das Fremdartige dargestellt und vermittelt wird. Alles ist mysteriös, auf eine bescheidene, unaufdringliche und doch unleugbare Weise, die das Zentrum des Filmes darstellt, fremd. Und als Fremde erst einmal potenziell alles zwischen hinreißend und furchtbar. Scarlett Johanssons (Lucy, Her) undurchschaubare Figur ist ein stahlharter, eisdünner Stachel im alltäglichen Trott Glasgows. Was ihre direkten Beweggründe sind, das bleibt vorerst unerklärt und ist nur anhand von Andeutungen schätzbar.

Zu sehen ist eine Welt, in der die Männer einsam und die meisten Menschen unerträglich sind, Straßen ausnahmslos ins Verderben führen und die Welt ein grauer Fehler ist. Raumsemantisch ist Under the Skin, nebenbei gesagt, ein ergiebiges Untersuchungsobjekt. Welche Orte Sicherheit versprechen, welche sie versagen, was sich vor und was sich hinter Türen befindet, das sind Fragen, die sich gewinnbringend an den Film richten lassen. Hinzu kommen die zahlreichen Momente im Innenraum eines Autos, das Verhältnis von Stadt und Land. Betrachtet man, nach welchen Regeln diese Orte funktionieren, wird die Entwicklung der Hauptfigur nachvollziehbarer und tragischer.

Als Gegengewicht zur versteckten Kamera ist Under the Skind kreativ geschnitten und ein bösartiges Spiel mit starken Licht- und Schattenkontrasten hält Händchen mit der durchkomponierten Szenenausleuchtung. Dazu liegt fast ständige Musikuntermalung auf den Bildern, die sich immer am Rand zur Dissonanz bewegt. Setzt dies aus, ist die Stille so auffällig, dass man als Zuschauer kurzzeitig leiser und langsamer atmet, bevor er registriert, dass er bereits stärker vom Sog des Filmes erfasst wurde, als er es gewahr haben wollte. Es dauert, bis die Struktur der Musik deutlich wird und analog verhält es sich mit der Geschichte. Aber es macht Spaß, diesem Prozess beizuwohnen, sich von Under the Skin täuschen, verwirren, bezirzen und auch etwas würgen zu lassen.

Fazt

Die außerirdische Venusfliegenfalle ist bekannt aus Species – die Kombination formal ausgeklügelter Töne und Bilder, die hinreißende Verknüpfung einander eigentlich antagonistisch gesonnener Punkte und die daraus resultierenden Bilder, mit denen Under the Skin seine Geschichte erzählt, entwickeln in ihrem Zusammenfall eine zur Gänze eigenständige Gravitation auf jeden Zuschauer, der offen ist für die viel zu ungewöhnliche Form indirekten Erzählens.

Extant

Seit der vollkommenen Annahme des Quality TVs warden immer häufiger Stars als Leitfiguren vielversprechender Serien gecastet, in der Hoffnung in Sachen Einspiel und Anerkennung ein neues Game of Thrones, The Walking Dead, House of Cards oder Akte X zu schaffen. In der CBS-Serie Extant ist es die Oscarpreisträgerin (aber auch zwei mal für die Goldene Himbeere nominierte) Halle Berry, die dort die Hauptrolle übernimmt.


Five dollars for the swear jar.

Story

Molly Woods verbrachte 13 Monate auf einer Raumstation. Zurück ließ sie ihren Ehemann John, der als führender Wissenschaftler auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz, vor einiger Zeit dafür sorgte, dass das Paar trotz der Unfruchtbarkeit Mollys einen Sohn haben kann. Ethan ist der Name dieses Sohnes und er ist ein Prototyp, der erste humanoide, menschenähnliche und lernfähige Roboter der Welt.
Nach der Rückkehr Mollys muss sie sich nicht nur wieder in die ungewöhnliche Familienkonstellation eingliedern, sondern auch feststellen, dass bei ihrem Arbeitgeber offenbar einiges nicht mit rechten Dingen zugeht. Viel drastischer ist aber die bald eintretende Erkenntnis, dass Molly schwanger ist. Und diese Schwangerschaft in der Zeit eingetreten sein muss, als sie sich mutterseelenallein in den Weiten des Alls befand.

Kritik

Es kann eigentlich nur ein Fluch sein, dass beinahe alle Science-Fiction-Serien am selben Problem leiden. Zu Beginn eine wahnsinnig fesselnde Inszenierung, geschickte Storyverwicklungen, eine spannende Geschichte und Charaktere mit großem Potenzial, das sich auch zügig zu entfalten scheint. Nach einer Weile wird die Story etwas dünner, die Inszenierung liebloser und die Figuren flachen ab. Denn irgendwann muss eine Erzählung, die bisher durch rätselhafte Andeutungen neugierig machte, die die Karten zeigen. Wenn sich dann herausstellt, dass sie über viele Episoden hinweg bluffte und eigentlich nur ein paar Vierten hat, fühlt man sich, anders als beim Poker, um seine Zeit und – noch schlimmer – um sein Vertrauen betrogen. Eines der besten Beispiele für einen solchen Verfall ist wohl The Event.
Und auch Extant verläuft nach diesem Muster, was aber nicht heißen soll, dass es sich nicht lohnen würde, die Serie zu schauen.
So beginnt es mehr als vielversprechend. Alle Elemente der Handlung sind zwar bereits hinlänglich vertraut, aber auf eine Weise miteinander verschaltet, die aufregend ist, zu dem es auch an allen Fronten brisant zu kriseln beginnt und wir nacheinander das Mysterium der Weltraumschwangeren erleben, um die Beziehung zu einem Androiden Bangen und eine klassische Regierungsverschwörung beobachten. Es brennt also an allen Orten des Science-Fiction-Campingplatzes. Da aber alle Stränge gut funktionieren und ebenbürtig fesselnd sind, ist diese Art von Schwerpunktvielfalt in eigentlich längst ausgeloteten Bereichen alles andere als verwerflich. Im Gegenteil, durch die diversen distinkten Merkmale aufgereihten Geschichten schafft die Serie clever arrangierte Konterpunkte für die jeweiligen Themen. Ja, es ist sogar stetig hochspannend, denn aufgrund der nebulösen Bedrohungssituation und der großen thematischen Abwechslung wirkt das sich zusammenbrauende Unheil auf sämtlichen Spielfeldern ausgesprochen gut in der ersten Handvoll Episoden.

Ganz ohne Klischees kommt die Geschichte bei solch altbekannter Themenwahl natürlich nicht aus. Gerade die tuschelnden, doppelzüngigen Regierungsbeamten aus der Chefetage entsprechen zu sehr dem Archetypen des konspirierenden Schlipsträgers. So ist die Serie interessant, weil es Geheimnisse gibt, doch nicht wegen ambivalenter Gegenspieler – diese werden von durchweg als skrupellose Widerlinge dargestellt. Und an der Plattitüde, dass Helden nur so gut und interessant wie ihre Widersacher sind, ist leider etwas dran. Auch die anderen Figuren sind kein Meisterstück in Sachen Schreibekunst, sondern alle so konstruiert, dass sie eindeutigen Lagern zugeordnet werden können. Hauptperson Molly hat es da anders, aber nicht besser getroffen. Sie ist das relativ blasse Zentrum der Geschichte. Während sich um sie herum zig übermenschliche Geheimnisse enttarnen lassen, bleibt sie eine genaugenommen sehr langweilige Person, bei der alle Vorhaben, die Initiative erfordern, entsprechend aufgesetzt wirken. Das liegt, wie gesagt, zuvorderst daran, dass die Figur einfach so konzipiert ist, aber eben auch daran, dass Frau Berry, Hand aufs Herz, einfach keine allzu begnadete Schauspielerin ist.
Neben den offensichtlichen Inhaltsmysterien lebt die Serie aber auch von der Frage, wie sich die beiden Stränge künstliche Intelligenz als Sohn, Weltraumembrio als Leibesfrucht – miteinander verbinden und ob es Extant gelingt, aus dieser Verbindung etwas Neues zu machen. Die Gefahr, dass sich die ganze Geheimniskrämerei und das lustvolle Spiel mit Verschwörungstheorien über anzugtragende Hintermänner in eine fade Staubwolke auflöst, ist natürlich gegeben, doch die Art und Weise, wie die Serie Spannung generiert und mit ihrem Personal umgeht, bewässert eine Hoffnung, die für einige Stunden hochkarätiger Unterhaltung sorgt. Skeptisch bleibt man dennoch, ist man doch von den Serien dieses Jahrzehnts oft eines Besseren belehrt worden, wenn es darum ging, große Versprechungen auf tolle Antworten zu machen. Extant hält sich aber lange sehr elegant über Wasser, auch wenn sich das Serienkonzept dazu entschließen muss, einige Wandlungen und Wendungen etwas zu abrupt darzustellen, um weiterhin ein hohes Entwicklungstempo zu garantieren.
Spätestens ab Episode 9 lässt sich ein spürbarer Regress nicht mehr übersehen und dann geht die Serie den Weg, den so viele Myster- und Science-Fiction-Serien der letzten Dekade gegangen sind. Nämlich jenen Weg, der bereits oben angekündigt wurde. Die Befürchtungen, dass sich alles nur aus faden Klischees zusammensetzt, bewahrheitet sich zusehends und in gleichem Maße sacken Potenzial und Hoffnung auf wagemutige Entwicklungen ab.
Peinliche Point-of-View-Einstellungen und generische Entwicklungen, dazu eine Überstrapazierung der alles andere als innovativen Halluzinationsevozierung des Alienbabies. Und plötzlich stellt man fest, dass die Serie, die anfangs noch so vielversprechend aussah und durch zackige Spannungskurven zur nächsten Folge drängte, in den letzten zwei Episoden qualitativ rapide abgesunken ist. Auch die anfangs noch so großzügig eingesetzten Twists lassen nach und wenn sie passieren, dann nur deshalb, weil Charaktere mit fadenscheinigen Motivationen einfach die Lager wechseln.

Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass die 1. Staffel von Extant weit mehr als über die erste Hälfte sehr gut unterhält, bis sie dann leider nachlässt. So negativ der letzte Absatz sich vielleicht auch liest, so schlimm ist es dann doch nicht. Auch in den wenig attraktiven Entwicklungen des letzten Staffeldrittels profitiert die Serie noch von ihrem vielversprechenden Anfang. Und wer weiß, vielleicht erhebt sich die Geschichte in Staffel 2 auch wieder in die Höhen, die die Serie zu Beginn noch für möglich halten lässt.

Kritik

Nach mitreißendem Start und der gekonnten Verschaltung diverser Storystränge verliert Extant in der ersten Staffel entschieden an Überzeugungskraft, weil sich viele Probleme höchst unelegant lösen, viele Fragen unbefriedigend beantwortet werden, die Figurenentwicklungen stetig unglaubwürdiger werden und die Serie – auch hinsichtlich der Inszenierung – in erschreckendem Tempo plumper wird.
Trotzdem bietet die erste Hälfte bis dahin perfekte Unterhaltung, die lediglich an der etwas zu blassen Protagonistin leidet.

Critters 2 – Sie kehren zurück

Dem Regelwerk der Filmwirtschaft folgend, erhielt auch Critters gerade mal zwei Jahre nach seinem überraschenden Erfolg ein Nachfolgewerk. Der begabte Stephen Herek wurde abgelöst von Mick Garris, dessen mittelmäßigen TV-Adaptionen von Stephen-King-Geschichten noch vor ihm lagen, welcher mit Das Wunder der 8. Straße aber schon einen wirklich großen Namen in der Vita vorweisen konnte.

Today of course is the day of Resurrection.

Story

Zwei Jahre sind vergangen, seit eine Horde Critters ein Raumschiff kaperte, Kurs auf die Erde nahm und nach kalkuliertem Absturz damit begann, die Farm von Familie Brown zu belagern. Man zog fort und das Dorf Grovers Bend weigert sich seitdem strikt, die damaligen Ereignisse anzuerkennen. Als Sohnemann Brad Brown nun zurückkehrt, um seiner Großmutter einen Besuch abzustatten, schlüpft auch die Brut der Critters aus den zurückgelassenen Eiern pünktlich zum Osterfest. Auch die außerirdischen Kopfgeldjäger eilen wieder herbei, doch dieses Mal lässt sich eine Verschonung des Dorfes nicht abwenden.

Kritik

Nach den ersten beiden, durchaus vielversprechenden Minuten, reihen folgende Dinge aneinander: Ein schlechter Witz, diverse schlechte Effekte sowie ein Alien, das aussieht, als wäre es in der Grundschule gebastelt worden. Außerdem fällt auf: Bradley Browns Haare sind roter, lockiger und schockierender frisiert als die Haarpracht seines jüngeren Alter Ego in Teil 1. Schlussfolgerung: Wir sind immer noch in den 80ern. Außerdem hat er eine Großmutter, die genau in demselben Kaff wohnt, in dem er in Critters selbst mit seiner Familie hauste, von der dort aber nie die Rede gewesen ist. Aber irgendeinen Grund muss es ja geben, dass Brad noch mal in die Heimat zurückkehrt, die man zwei Jahre zuvor offenbar erst verließ, nachdem die verbliebenen Critters-Eier in der Scheune in ein Osternest gelegt und sorgfältig mit einer Handvoll Stroh bedeckt wurden.
Zeigten sich die 80er in Critters noch von ihrer besten Sorte, hält in Critters 2 quasi ihr muffiger Schwager Einzug, der direkt aus dem Hause Flodders rüber wankt, um sich Kondensmilch zu borgen. Ganz so ungehalten ist es zwar nicht, die Diskrepanz zum ersten Teil wird aber allzu deutlich. Ging es dereinst noch darum, dass Bradley Hoffnungsträger einer neuen heranwachsenden Generation war, schlägt nun die Realität mit all ihrer Kraft ein. Er ist ein Teenager, hat mit Hoffnung gemacht, was alle Teenager mit Hoffnung machen, und wurde in gerade einmal zwei Jahren ein unerträglicher Schmierlappen, der allen Hausarrest der Welt verdient hat

Eo ipso: Critters 2 hat Probleme, und das nicht zu knapp. Trotzdem ist der Film keine Qual, sondern für die Dauer seiner Laufzeit ein durchaus kurzweiliger Spaß, bei dem zwar regelmäßig tumbe und geschmacklose Witze daran erinnern, dass das Sequel ein liebloser Abklatsch ist, bei dem zugleich aber so viel passiert, dass man sich für eine ganze Weile wenigstens nie langweilt.
Erst bei Minute 50 schleppt sich der Streifen dann spürbar, wenn das Semi-Finale einsetzt, das ebenso geschmacklos ist, wie der sonstige Ton des Filmes. Mit Schwund des Unterhaltungswertes bleibt nur noch ein marodes Sequel-Gerüst nach Schema-F inklusive wenig erfreulichem Klamauk, der auf pubertäre Weise mit Penissen und Brüsten jene zum Gackern bringen möchte, die nach 22 Uhr heimlich fernsehen.

Das Ernüchterndste ist aber, dass die Critters-Viecher, diese mitleidlosen Knäule, diese nimmersatte Plage aus den Weiten des Alls, hier genau dem restlichen Ton des Filmes entsprechen: Plötzlich sind wie Gremlins ohne Charme und Stil. Sie geben Comicgeräusche von sich, zelebrieren Essensschlachten und fabrizieren kindische One-Liner, die zum Weglaufen sind, nur um dann NOCH MEHR Comicgeräusche von sich zu geben und dann ausgelassen zu lachen. Dadurch, dass der Film mit seinen Figuren zu spielen beginnt, sie als komödiantisches Element einsetzt und ihnen teilweise sogar Individualität einflößt, werden aus dem ambivalenten Schrecken, der gerade als kollektivgewordener Appetit Respekt generierte, Witzfiguren aus dem Spielzeugregal.

Fazit

Critters 2 beginnt dumm, aber unterhaltsam, fängt 30 Minuten vor Schluss aber an, sich merklich zu ziehen, obwohl und weil er stetig abstruser wird, die Critters um zahlreiche unpassende Eigenschaften erweitert und einen unstrukturierten Verlauf aufweist, der von geschmacklosen Witzen und einigem Stumpfsinn flankiert wird. Und das trotz der übertragenen Rückkehr von John Wayne.

Critters

Knappe zwei Jahre nach Joe Dantes Gremlins – Kleine Monster fallen die nächsten ungezogenen Taschenmonster über die Erde her. Dieses Mal kommen sie aus dem All und müssen sich für ihre zerstörerische Form nicht erst verwandeln.

You have an seriuous attitude problem.

Story

Die Critters sind kindskopfgroße, fellige, gut bezahnte Kreaturen (hier schließt sich der Kreis, nuschelt man ‚Creatures‘ in betrunkenem Zustand, erhält man sowas wie ‚Critters‘) mit chronischem Heißhunger auf alles, die mit einem Gefängnisasteroiden (Eine Weiter- oder Rückentwicklung des Gefängnisplaneten, bei der nicht klar zu entscheiden ist, ob sie cool oder dusselig) ist getade durchs All transportiert werden. Bevor die Überschiffung dem Protokoll gemäß ablaufen kann, brechen die gefürchteten Biester aus, Kapern ein Raumschiff und nehmen Kurs auf die Erde.
Die Verantwortlichen, schlucken besorgt, fackeln dann aber nicht lange und rekrutieren zwei Kopfgeldjäger, die die Gefahr möglichst ohne Kollateralschäden eliminieren sollen.
Nur ein paar Kilometer vom Hof der Familie Brown landet das erbeutete Schiff und die Besatzung strömt aus.

Kritik

Nach einem kurzen Blick auf ein paar bürokratische und englischsprechende Außerirdische mit schicken Designs, von denen man eigentlich gerne viel mehr sähe, geht es prompt in die intakteste Kleinfamilienidylle des Amerikanischen Provinztraums, die an sich nur vorstellen kann. Der fleißige Handwerkermann in Latzhose erzieht seine Kinder auf altmodische aber herzliche Art, die nicht minder fleißige Hausfrau in Schürze arbeitet eifrig in ihrer mintfarbenen Küche, die sich kabbelnden, aber liebenswerten und gewieften Geschwister kratzen an den beiden Seiten der Pubertät und die Familienpackung Orangensaft steht in der Mitte von allem, während es draußen grünt.
So unerträglich das sein könnt, es funktioniert und bereitet absolut Freude, für eine Weile in diesem Mikrokosmos zu weilen. Dabei liegt im Grunde eine durch und durch klassische Struktur mit durch und durch klassischen Spannungsfeldern vor. Was die für Freude sorgt, ist die enorm liebevolle Ausstattung, eine große Liebe zu Details und die rassige Regie von Stephen Herek, der neben etlichen Disney-Hits auch für Bill & Teds verrückte Reise durch die Zeit verantwortlich war. Und so ist diese Einführung der Figuren ohne eine Länge.
Ausgerechnet Billy Zane als schüchterner Lustobjekt von April ist etwas zu kurz gekommen – auch wenn das der Rolle vollkommen angemessen ist. Lediglich die Figur des Ug ist zu verwaschen in der unverortbaren Mitte zwischen Trinker, Schussel, Paranoia, Medium und geistig Zurückgebliebenem. Die Darstellung von Terrence Mann, dessen denkwürdigste Rolle er ausfüllt, sorgt aber dafür, dass dieses ziellose Mäandern nicht weiter stört. Und so vergeht ziemlich genau ein Drittel der Laufzeit, ehe die außerirdischen Hedonisten ins Bild zotteln – und man vermisst bis dahin nichts. Den häufigsten vorwurf, den man Horrorfilmen macht, muss sich Critters also nicht gefallen lassen.
Und auch dann geht es weiter ohne Längen, ohne Unterhaltungsstopp. Die Invasion erfolgt mit der erwartbaren Steigerung, verteilt aber ausreichend viele Leckerbissen, um den Zuschauer nie vor den Kopf zu stoßen. Auch Ernsthaftigkeit und Witz geben sich stilvoll die Hand, ohne dass das eines das andere zu schlucken versucht, womit der Film auch diese brenzlige Linie ohne Blessuren hinter sich lässt. Inhaltlich hebt sich Critters von ähnlichen Werken durch die Science-Fiction-Elemente ab. Durch die wenig unauffälligen Formwandler gesellt sich zum Puppenhorror eine weitere Ebene, die sich in den meisten anderen Filmen niemals mit dem ersten Handlungsstrang vertragen hätte, sich hier aber nahtlos einfügt.
Bei alledem ist Critters in höchstem Maße 80er – dass die außerirdischen Kopfgeldjäger im Weltraum nietenbesetzte Lederjacken tragen, erübrigt sämtliche weiteren Ausführungen.

Lästern lässt sich somit nur über Kleinigkeiten.
Zum Beispiel gehen die anfangs noch häufigen Point-of-View-Einstellungen der lauernden Critter nicht auf. Denn während die Kamera in klassischen, gemächlichen Kamerabewegungen und ihrer Größe entsprechend über den Grund „schwebt“, sind die trippelnden oder rollenden Viecher, deren blick sie eigentlich wiedergeben soll, wendig und geschwind, weshalb die Plausibilität der dargestellten Welt an dieser Stelle ein paar Sprünge in Kauf nehmen muss. Das ist aber nur ein kleines Detail, das im Gesamtbild nicht weiter stört. Was etwas schwerer ins Gewicht fällt, ist das recht unglaubwürdige Verhalten so mancher Charaktere in Gefahrensituationen. So schreiten Familienmitglieder nicht ein, wen der Vater in Gefahr schwebt, einfach nur, damit die Kamera mehr Zeit hat, Spannendes einzufangen.
Ebenfalls nicht ganz korrekt sind die zeitlichen Abläufe. Denn dass ein Akt zwischen Teenagern einen ganzen Abend andauert, ist naturgemäß alles andere als der Normalfall.

Ziemlich erheiternd hingegen ist das Bild der Behörden, die viel zu leiden haben und nur in sehr beschränktem Ausmaß in der Lage sind, zu agieren. Das trifft auf die gesamte Galaxie zu, auf die irdischen Cops und die extraterrestrischen Kopfgeldjäger. Heiter ist auch der Rest. Critters gelingt es hervorragend, Witz und Schauer zu vereinen, ohne jemals plump einfallslos oder albern zu werden. Da auch die Detailfülle ihr Niveau konstant beibehält, sind all die kleinen und mittelgroßen Fehler im Grunde kaum von Bedeutung, denn der Sehgenuss wird davon nie beeinträchtigt geschmälert. Viel zu spleenig und naiv gestaltet sind die – ebenso naiven und spleenigen – Kopfgeldjäger aus dem All, viel zu dynamisch die Erzählung. Und so gelingt es dem Film tatsächlich, einem Genre gerecht zu werden, das sich Familien-Sci-Fi-Horror nennen darf, weil das Gezeigte trotz teils nicht von der Hand zu weisender Brutalität immer auch klassisch 80er-Jahre-Charmant bleibt.

Darüber hinaus spielt der Film, so konventionell er in seiner eigenen Struktur ist, mit althergebrachten Systemtraditionen, lässt sowohl John Wayne verenden als auch den Jungen das Zepter in die Hand nehmen und seinen Mann stehen, während Paps akzeptieren muss, handlungsuntauglich zu sein. Die Initiative des Kleinen geht sogar so weit, dass Critters sich problemlos auch als Appell auffassen lässt: Das Fremde dringt in unsere Welt, die etablierten Ordnungshüter versagen vollends, die heranwachsende Generation aber obsiegt auch ohne hütende Instanz. Sie betätigt sogar das Licht am Fahrrad, wenn es um Leben und Tod gibt. In gewisser Weise wird die Menschheit hier mündig.
Und damit ist Critters um Längen besser als der sehr ähnlich gestrickte Invasion vom Mars von Tobe Hooper.

Fazit

Auch heute ist Critters noch der gut aufgelegte Film mit seinen gut aufgelegten Darstellten, der mit im richtigen Maß überzeichneten Charakteren und sympathischem Witz eine formschöne Verbindung mit seinen bereichernden Science-Fiction-Elementen eingeht und jede kleinere Schwäche unwichtig erscheinen lässt, weil die Gesamterscheinung durch und durch angenehm ist.

Und dass sich ein brennender Critter ins Wasser rettet und dort später doch seinen Tod findet, darf gewiss auch als Anspielung auf die Gremlins-Vorbilder gesehen werden.
Trivia: Während die Herkunft der Gremlins im Film nicht geklärt wird, ist das Buch auskunftsfreudiger. Auch sie kommen aus dem All – ein blauäugiger Wissenschaftler schuf dort die Mogwais. Ihre Verwandlung ist ein unerwünschter Nebeneffekt.

Monsters: Dark Continent

Jemand, der quasi ausschließlich durch die Serie Misfits bekannt ist, dreht einen zweiten Teil zu Monsters, dem Film, mit dem Gareth Edwards (Godzilla) zurecht in Hollywood wie eine Bombe einschlug.
Ein Kriegsfilm als Sequel zu einem stillen Liebesfilm vor Sumpfkulisse. Mit längerer Laufzeit als das Original. Wenig verwunderlich, dass Fans und Presse Tom Greens Film gierig zerfleischen.
Was hingegen verwunderlich ist: Sie tun ihm Unrecht.

Why am I here!?

Story

10 Jahre sind vergangen, die Monster haben sich ausgebreitet, sind aber auch zum Teil des menschlichen Alltags voller Feindbilder geworden.
Vier Freunde ziehen zum ersten Mal in den Nahen Osten in den Einsatz, wo die außerirdischen Riesen genaugenommen nur ein Nebenproblem darstellen. Zusammen mit den Offizieren Forrest und Frater werden sie auf eine Rettungsmission geschickt, die sie direkt ins Herzen des pulsierenden Nahost-Konflikts bringt. Immer im Schatten der durch die Wüste wogenden Ungetüme.

Kritik

Monsters – Dark Continent ist ein Kriegsfilm; und damit nicht unbedingt die logische Fortsetzung zu Edwards Indie-Perle, die auf eine Handvoll Personen und viel Grün setzte. Und irgendwie doch. Zum einen ist dem Film zu danken, dass er das Rezept des ersten Teils nicht einfach noch einmal kocht und damit schon Vorhandenes in schlecht aufgewärmt abliefert. Zum anderen sind sich die Filme, auf das Wesentliche reduziert, beim näheren Hinsehen keineswegs so unähnlich wie behauptet. Erneut befinden wir uns in einer lebensfeindlichen aber brisanten Umgebung, die Herd eines Konflikts ist. Wieder sind die Monster eigentlich nur die bedeutungsschwangere Kulisse dafür, dass sich vor ihr etwas dezidiert Menschliches abspielen kann. Nur dass dieses in Monsters – Dark Continent der Krieg ist.

Anfangs lernen wir Michael kennen, der von seiner fadenscheinigen Motivation berichtet, gegen die Aliens in den Krieg zu ziehen. Was er dabei zwangsläufig auch erzählt, ist, wie der Zustand der dargestellten Welt ist.
Viel Zeit vergeht nicht, bis klar wird: Die Hauptperson ist genau wie alle anderen seines Trupps ein dümmlicher Widerling Wir folgen keinem Helden und stetig tritt stärker hervor, dass Michael ein reichlich verblendeter Fan seines Arbeitgebers ist. Die Idee, in der Armee zu sein, ist für ihn ohne Konkurrenz.
Und an diesem Punkt nimmt der Film sich die Zeit für Orientierung – etwas, das er ebenso vom Zuschauer einfordert. Denn nach einer Weile kann man skeptisch werden.
Wieso werden die so kritisch anmutenden Szenen blindwütiger Soldaten mit fetziger Rockmusik unterlegt? Wieso bekommt die Harte-Männer-Sind-Freunde-Romantik, die zum Militär als Tempel der Jungenfreundschaften gehört, keinen einzigen richtigen Riss? Werden hier vielleicht doch auf die dreisteste Art und Weise die weißen Soldaten als Friedensengel und Philanthropen inszeniert; handelt es sich um einen eigentlich gar nicht getarnten Propogandafilm?
Wäre dem so, dann wäre dies das Perverseste, was man aus der Prämisse von Monsters machen konnte.

Was irritiert, ist, dass immer wieder klingen Zwischentöne anklingen. Soldaten sind dann plötzlich doch arme Würstchen und nervliche Wracks, außer Kontrolle geratene, aber auch alleingelassene Kinder. Die Selbstsicherheit, Weltpolizei zu sein, eine gefährliche Droge, Krieg kein keimfreies Zuckerschlecken. Entsprechende, teils sehr schockierende Szenen gibt es als Beweis in erschreckend effizienter Inszenierung, die eine markerschütternde Eindringlichkeit an den Tag legen kann. Tom Greens Händchen für intensive Atmosphäre ist ohne Zweifel bemerkenswert, auch abseits von drastischen Schockszenen.
Orientalische Gesänge, zwischen von Sand zerriebenen Häusern huschen in einer Welt der Braun- und Orangetöne durch körniges Bild finster blickende, dunkelhäutige Männer mit Turbanen. Tonnenschwere Ungetüme aus dem All stampfen über die Erdoberfläche, aber die wahren Kernprobleme zwischen den Menschen sind eigentlich unverändert, als wäre der ewige Zank und Symbole etwas untilgbar Athropologisches. Die Bilder sind staubig, die Gesichter ängstlich, das Gefühl von Fremde und Verlorenheit wächst schnell. Monsters: Dark Continent ist ein stimmungsvoller Streifen, der viel aus seinem Nahost-Setting holt und damit ein stark trauriges Bild zeichnet. Dass man, wenn man es konnte, gut sichtbar auf handwerkliche Effekte setzte, macht die Sache außerdem angenehm anzusehen.
Bedient wurde sich an einer großen Tugend, die Gareth Edwards Monsters ausmachte: Die außerirdischen Besucher sind meist nur kurz und verschwommen im Hintergrund, mal aus großer Höhe, mal knapp in Miniaturversionen zu sehen, bleiben sie aber immer seltene Gäste. Nicht nur von dem Soldatenteam, auch vom Film wird die Tatsache, dass es überhaupt eine Alienbedrohung gibt, zeitweise kaum noch bemerkt. Trotzdem bleibt sie präsent – allem voran das macht den Film zu einem letzten Endes irgendwie doch sehr außergewöhnlichen. Dadurch, dass die fremdartigen Titanen nicht ständig das Bild dominieren, stellen sie stets eine Besonderheit dar und teilen etwas von der geheimnisvollen Aura ihrer Verwandten aus dem Erstling.
In solchen Momenten meint man zu wissen, wieso gerade solch ein Film den Indie-Hit Monsters fortsetzt. Die Titelgebenden Monster sind mehr denn je die Menschen, unfähig, aus ihrem Käfig zu kommen, sich in ihm selbst zugrunde richtend und selbst in Gefahrensituationen, die die gesamte Spezies betreffen, bleiben sie kleben an ihren belanglosen, aufgesetzten Konflikten, als bräuchten sie sie, um sich selbst zu erkennen. Kommt mal ein Alien vor, wird es verhöhnt, verachtet, überfahren. Road Kill! Auf eine Weise, die gänzlich unerwartet ist, hat Monsters: Dark Kontinent eine subtile Seite, ein starkes Konzept das dem Vorgänger auf sehr aufrichtige Weise treu bleibt, obwohl doch bis über das Genre hinaus so viel verändert wurde.
Lange Zeit ist unklar, ob der Film sich für die extraterrestrischen Einwanderer mit der fremdartigen, unangenehmen, aber auch seltsam anmutigen Anatomie mehr als nur als exotische Bedrohungskulisse schätzt. Schließlich wurde spätestens im Finale von Monsters überdeutlich, dass in den Wesen durchaus Potenzial steckt.
Das bedeutet aber nicht, dass es bei Monsters: Dark Continent keine Schauwerte gäbe. Der Film ist durchweg superb geschossen und liefert vor allem in der zweiten Hälfte einige fast schon poetische Shots.

Dennoch setzen immer wieder auch befremdliche Zeitlupenmomente ein, während fast schon würdigende Rockmusik so manche Aufbruchs- und Konfliktsituation untermalt. Fast wirkt es so, als hätte man die Army als Sponsor gehabt und sich dadurch verpflichtet, ein gewisses Werbeniveau zu gewährleisten. Spätestens dann, wenn das Feindbild zwar bestätigt wurde, unsere Soldaten aber mit keinem Deut Heldenhaftigkeit, sondern in einer Drastik reagieren, die der der Gegner in gar nichts nachsteht, nimmt die Situation in ihrem schizoid anmutenden Darstellungskontext verstörende Ausmaße an.

Monsters: Dark Continent profitiert sehr von seinem Vorgänger. Von der Welt und dem Hintergrund, die aufgebaut wurden. Gleichzeitig tut es dem Film gut, wenn er nicht mit Teil 1 verglichen wird. Gemein ist den Filmen nicht ihr Setting, nicht ihr Genre, sondern einzig der Wille, etwas über den Menschen auszusagen. Dies, so könnte man argumentieren, war ja seit Anbeginn des Genres das Bestreben von Science-Fiction, doch drangen die eigentlichen Sci-Fi-Elemente selten so weit in den Hintergrund wie hier. So könnte man Monsters: Dark Continent einen Etikettenschwindel vorwerfen. Doch würde man dann eine flirrende Mischung aus Jarhead, Starship Troopers, Black Hawk Down, The Hurtlocker und sogar ein wenig Apocalypse Now versäumen, die Krieg auf eine ehrliche, irritierende, schlimme Weise darstellt, ohne je prätentiös zu wirken – einen Film, der eine durchaus beachtliche Reflektion auf das Thema Krieg liefert.

Fazit

Dass ausgerechnet dieser Film den Wahnsinn des Krieges mit solcher Nachdrücklichkeit offenlegt, war kaum zu erwarten. Zwar irritieren patriotisch anmutende Ausflüge, doch ist auch gerade diese Irritation, diese verstörende Ambivalenz von Monsters: Dark Continent, die die Kraft des Filmes ausmacht.
Mit außerirdischen Störenfrieden aber hat Tom Greens Sequel noch weitaus weniger zu tun als schon der sehr aufs Zwischenmenschliche konzentrierte Vorgänger. Hier dienen sie tatsächlich nur noch als Metapher und einnehmende Kulisse.

Invasion vom Mars (1986)

Der visionäre Regisseur William Cameron Menzies (Things to Come) drehte 1953 einen sehr modernen Sci-Fi-Jugend-Film. Dass ausgerechnet Tobe Hooper (The Texas Chain Saw Massacre, Poltergeist) sich 33 Jahre später am Höhepunkt seiner Karriere an einer Neuverfilmung versuchte, wirkte nur auf den ersten Blick sonderbar.

Well, maybe a penny will do it!

Story

Als David eines Nachts aus dem Fenster seines Kinderzimmers sieht, traut er seinen Augen nicht. Nicht weit entfernt landet ein UFO hinter einer Anhöhe. Natürlich schenkt der Geschichte des aufgebrachten Jungen niemand so richtig Glauben. Bereits am nächste morgen aber fällt sein Vater durch ausgesprochen merkwürdiges Verhalten auf.
Auch in der Schule agieren viele Menschen plötzlich auffallend. Sie sind emotionslos und führen Alltagstätigkeiten auf teils recht affektierte Weise aus. David entdeckt, dass ihnen ein Implantat in den Nacken gesetzt wurde, ihr Willen ist gebrochen von Aliens.
Ihm bleibt nichts anderes übrig, als auf eigene Faust zu handeln, während sein Umfeld unaufhaltsam von den Außerirdischen infiltriert wird.

Kritik

Wenn schon der Vorspann auditiv und grafisch mit einer hauchend-rauschenden Wucht die Credits in großem Bogen durch das Bild sausen lässt, dies weiße Streifen hinter sich herziehen, welche mehr an Spinnenweben als an Space-High-Speed erinnern, sodass die eigentlich mitzuteilenden Namen mit dieser Verzierung absolut gar nicht mehr lesbar sind, wird klar, dass Hoopers kulissen- und farbverliebter Stil hier wie die Faust aufs Auge passt. Hier wird all das, was seinen grandiosen Eaten Alive ausmachte, dafür genutzt, eine Jugendfantasie zu bebildern.
Erst einmal geht es um eine rissfreie Familienidylle der 80er vor kaum versteckter Kulisse, als hätte Spielberg persönlich Pate gestanden. Was er mit E.T. – Der Außerirdische zweifelsohne auch getan hat.
Prompt fällt die Hooper-typische Wunderlichkeit in den Film ein. Die Musik und auch die immer bewegte und ihre Objekte fast schon zärtlich umschmiegende Kamera bewahren zwar den Anschein von Vorstadtheimeligkeit und Familienfreuden, spooky Soundeffekte, schräge Figuren und andere beunruhigende Kleinigkeiten lassen nicht nur keinen Zweifel daran, dass etwas Fremdes eindringen wird, sondern kreieren vor allem einen rigorosen Kontrast.

Nach nachvollziehbaren Handlungen darf und soll man nicht suchen. Invasion vom Mars geht es im Grunde um den Effekt. Die Wirkung von Sonderbarem, Fremden, von unerwarteten Taten und überzogenen Entwicklungen, um Einstellungen, Sounds und Schreckeffekte. Im Gegensatz zu heutigen Filmen mit dieser Ausrichtung ist hier vor allem aber auch Seele anzutreffen. Vieles davon kennt man z.B. aus Eaten Alive, nur geschieht es hier eben im Schatten jugendfreundlicher Abenteuerfilme. Absolut sehenswert und ebenso eklig sind die Spezialeffekte. Das Getier vom Mars ist so herrlich widerlich deformiert, voller Zähne, Drüsen und Fleisch, dass man sich gar nicht daran sattsehen kann und mag. Insbesondere der Anführer mit seiner optischen Mischung aus Kobra, Gehirn und Klitoris kann einige Szenen für sich beanspruchen.
Neben den sorgfältig platzierten, dafür aber umso fantastischeren Effekten ist die Kamera zweifelsfrei das Highlight des Filmes. Verspielt und zügellos reiht sich eine ausgelassene Fahrt an die andere. Dass die Geschichte aus der Sicht eines Kindes erlebt wird, gewinnt hier eine ganz neue Bedeutung hinzu. Daniel Pearl, der auch schon Hoopers The Texas Chain Saw Massacre filmte, war hier am Werk und lieferte nach diesem Film nie wieder eine so markante Leistung ab.

Später gibt es einen schrägen Dreh, der den Horror erst einmal verschwinden lässt und Grundschüler David Gardener quasi zum Kommandeur der Armee werden lässt und eine ganz eigenartige Wandlung der Stimmung bedingt. Es ist schwer zu sagen – und wohl nur von jedem selbst zu entscheiden -, ob das dem Film gut tut, außer Frage steht hingegen, dass es auf eine merkwürdige Weise unterhaltsam, in dieser letzten Phase aber zu lange verharrt. Spätestens hier verliert der Film aber jede klare Zielgruppe. Für Kinder erst zu unheimlich und brutal, für Erwachsene zu kindlich und so richtet sich dieses wunderliche Produkt vorrangig an Liebhaber des Merkwürdigen und vieler Überraschungen, während Logik vom Drehbuch völlig bewusst gänzlich auf der Strecke gelassen wird. Anspielungen auf andere Perlen des Genres, allem voran natürlich Ed Woods Kreationen, bleiben natürlich nicht aus.

Zu lesen ist Hoopers Version von Invasion vom Mars ebenso wie Menzies Originalstoff am besten als die Fantasie eines Jungen, der sich abends im Bett ein Abenteuer mit sich als Helden ausmalt. Sich höchst eigenartig verhaltene Erwachsene, die alle ein großes Geheimnis zu teilen scheinen, während man als Kind doch eigentlich besser weiß, wo es lang geht, einem aber keiner Glauben schenken will. Im Alleingang Klettereien bestehen und geheime Nachforschungen anstellen. Und Mut. Jede Menge Mut, den all die Bewährungsproben einfordern. So wie wir Jungen eben sind, ausdauernde Kämpfernaturen, leidenschaftlich und ehrlich gesagt auch ziemlich drollig.
Vor diesem Hintergrund ist es besonders schade, dass Kinderschauspieler Hunter Carson häufig etwas zu steif spielt und schlichtweg nicht sehr überzeugend spielt, während seine Stimme überraschender Weise sehr gut zum Geschehen passt.
Tatsächlich funktioniert der Film auch nur mit dieser Sichtweise, denn bei jeder anderen wäre das Drehbuch unannehmbar. Das weiß auch Hooper. Und vielleicht kann man Invasion vom Mars als größten Kritikpunkt vorwerfen, dass er wohl sorge hatte, das Publikum könne dies nicht verstehen, weshalb er ein Ende wählte, das die einzig vernünftige Lesart zu etwas werden lässt, das sich narrativ aufdrängt.

Fazit

Invasion vom Mars ist das Abenteuer eines Kindes, das sich nicht nur, aber überwiegend an Erwachsene richtet. Wer sein Faible für das Wunderliche und Fantastische nicht verloren hat, wer Film als Entdeckungsreise, Eskapismus und Wunderkiste begreifen kann, der wird sich in Tobe Hoopers Remake pudelwohl fühlen. Trotz einer Entwicklung, die dem letzten Akt der Geschichte den Charme abspricht, den sie bis dahin hatte, funktioniert der Film auch heute noch anstandslos, um kurz ein paar Schritte zurück in die eigene Kindheit zu machen.

The Adventures of Bellring Girls Heart Across the 6th Dimension

Japan-Filmfest Hamburg 2015 Special 6

Andalusian Style

Story

Êigentlich will die aufstrebende Idol-Popband namens Bellring Girls Heart nur brav ihre Auftritte absolvieren. Als ihr liebenswerter Manager Butch jedoch von der Alienkönigin Remone in die 6. Dimension entführt wird, von wo aus die machtgierige Tyrannin sich der Erde bemächtigen will (und zwar mit einem interessanten Nachbau eben jener), können die aufgeweckten Mädels nicht einfach tatenlos rumsitzen.

Kritik

Manchen Filmen wird selbst eine Rezension von tausenden Wörtern nicht gerecht. Bei The Adventures of Bellring Girls Heart Across the 6th Dimension hingegen würde es fast schon genügen, den Titel für sich sprechen zu lassen.
Weil dies der Angelegenheit gegenüber dann aber doch nicht ganz fair wäre, soll an dieser Stelle der Versuch gestartet werden, dem Leser nahezubringen, wieso ein gutes Drehbuch, ein halbwegs dickes Budget und talentierte Darsteller keine unentbehrlichen Notwendigkeiten sind, um einen guten Film zu produzieren.
Es reichen stattdessen auch eine Idol-Group mit Mut zur Selbstzersetzung, ein paar weitere Darsteller, deren Schamgrenze nicht überdurchschnittlich niedrig angesetzt ist und die Dreistigkeit, in wenig mehr als einer Stunde Zeit alles unterzubringen, was einer Gruppe drogenaffiner Kreativer an Unvernünftigkeiten in den Sinn kommt.
So verbinden sich ewig lange Songs mit herrlich schiefem Gesang und von einer unbeholfenen Performance der Idol-Sängerinnen in Schulmädchenuniform in einem kargen Kämmerlein mit abgedrehten Invasionsfantasien, denen man liebevoll aus den simpelsten Alltagsgegenständen und etwas Kleber ein wundervoll albernes Gesicht verlieh . The Adventures of Bellring Girls Heart Across the 6th Dimension zelebriert das Dilettantische, feiert die Liebe zur idealistischen, auf alle fremden Urteile pfeifenden Billigproduktion und wirft dem Zuschauer massenweise in voller Absicht „schlecht“ gebastelte Kostüme und Requisiten vor die Augen. In Verbindung mit dem schrillen Humor und den abgedrehten Charakteren, die sich auch nicht zu schade sind, völlig sinnlos zu agieren, entsteht ein knallbuntes Schaulaufen wirrer und noch wirrerer Ideen, die sich spätestens dann zu sich selbst ins Quadrat setzen, wenn die draufgängerischen Mädels jeweils eine Handvoll Aliendrogen (als Platzhalter bedient sich der Film Jelly Beans) schlucken und damit das Tor zur 6. Dimension öffnen, die mit Modellbauten, Spielzeugfiguren und kreischend grellen Kinderzimmereffekten den gesamten Film sprengt und eine flotte Irrfahrt sondergleichen einleitet, die in ihren schillerndsten Momenten den besten Tripfilmen in nichts nachsteht.
So ist der Film eine ganze Weile ein herber Schwank, der lustig und unbeschwert bestens zu unterhalten weiß und viele losgelöste Lacher zu verantworten hat, weil seine gespielte Naivität am laufenden Band Kurioses produziert und man sich ganz nebenbei auch noch mit kolibrihaftem Augenzwinkern über sein eigenes Medium lustig macht, indem man eine ganze Handvoll selbstreflexiver Ebenen betanzt.
Nach dieser Verkettung von wahnsinnigen Höhepunkten werden Tempo und Verrücktheitsgrad gedrosselt, um gut 15 Minuten auf Sparflamme weiterzumachen. In dieser Zeit breitet sich Ermüdung wie eine Krankheit aus und die kurze Laufzeit wird tatsächlich von einer subjektiv empfundenen Länge verunreinigt. Wenn der Film dann endlich wieder fast zu alter Form zurückkehrt, um ins Finale zu purzeln, lässt sich dieser Eindruck nicht zur Gänze vertreiben.

Fazit

The Adventures of Bellring Girls Heart Across the 6th Dimension ist ein mit Heiterkeit behangener, von Anspielungen beschwipster Schalk, filmgewordene Selbstironie, die mit unzähligen verrückten Einfällen brilliert und durch die intendiert ärmliche Ausstattung eine außergewöhnliche Wachsmalstiftewelt auf die Leinwand kritzelt.
Wenn die knallbunte in der zweiten Hälfte für eine Weile verschossen scheint, macht sich eine Leere breit, die auch eine anschließende Wiederauferstehung der Tugenden nicht ganz vertreiben kann.

Moontrap

Moontrap ist Robert Dykes erster Film gewesen. Erst 11 Jahre später solllte er mit Timequest wieder als Regisseur in Erscheinung treten. Als Effektkünstler war er zuvor aber auch für unter anderem Tanz der Teufel 2 tätig. Dort lernte er Bruce Campell kennen, der neben Walter Koenig (Stark Treks Pavel Chekov) die Hauptrolle in Moontrap ausfüllt.


That’s what we are – spare parts.

Story

Eigentlich sollte nur ein orientierungsloser Satellit geborgen werden, doch auf ihrer Routinemission stoßen Jason und Ray auf ein großes, unbekanntes Raumschiff. Als sie mit einem nicht identifizierbaren Artefakt und einem uralten menschlichen Leichnam zurückkehren, muss die gesamte Forschungsstation fast mit dem Leben dafür bezahlen.
Jason und Ray machen sich auf den Weg, die zweite besatzte Mondlandung in die Tat umzusetzen, um den Ursprung des Unheils ausfindig zu machen. Doch auf den Mond erwarten sie noch größere Geheimnisse.

Kritik

Moontrap beginnt holprig, aber rasant, wirft viele Fragen auf, ködert mit spannenden Andeutungen und verspricht eine Reise, die womöglich etwas Mitreißendes entdecken lässt. So stört es zu Beginn nur wenig, dass das vermutlich Antagonistische, in jedem Fall aber Mysteriös-Unheimliche, schon in den ersten Minuten so eingeführt wird, als handele es sich um die lebende Nummer 5. Dadurch hat man zwar keine konsistente Erwartungen mehr an einen Horrorfilm, ist aber immer noch auf eine eigenständige Geschichte gespannt. Wenn anschließend auf der Raumfähre, die ausgerechnet Camelot heißt, uninspiriert wirkende Albernheit in den Dialogen ausgetauscht werden, hält das Gefühl an, obwohl der Kontrast zwischen der oberflächlich intakten und der sich aus diesem Schein herausschälenden Welt des Grauens nicht auf diesem Weg nicht glaubhaft hergestellt werden kann. Das scheitert weniger aufgrund des fragwürdigen Humors, sondern weil die Charaktere durchgehend ein arg irrationales Verhalten an den Tag legen. In den ersten Minuten entdeckt man ein unbekanntes Raumschiff in Erdnähe, tut aber so, als handele es sich bei einem solchen Ereignis genaugenommen um Routine. Und nicht nur die Personen spielen Normalität, die ganze Inszenierung stellt die Entdeckung dar, als handele es sich um einen stinknormalen Tag im eintönigen Leben von Astronauten in den 90ern. Da wirft man mit lockeren Sprüchen um sich, haut sich gegenseitig in die Pfanne und beschreibt beiläufig für die Zuhörenden, was man gerade am Interessantesten findet. Auf diese Weise misslingt es dem Film immer wieder, eine schlüssige Dramaturgie aufzubauen. Doch langweilig wird es dadurch immer noch nicht, da die Prämisse eben so vielversprechend ist. Wie kommen die Maschinen auf den Mond? Wieso schwebt ein großes Raumschiff in seinem Orbit, zusammen mit den Überresten eines 14.000 Jahre alten Menschen?
Es wäre ein leichtes gewesen, die Ausgangssituation zu einem intensiven und sehr interessanten Ausflug in dunkle Fantasien zu entfalten. Das abstruse Verhalten ausnahmslos aller Figuren und die häufig widersprüchliche Inszenierung eines Science-Fiction-Filmes, bei dem die wichtigste Entscheidungen der Menschheitsgeschichte in einem Fahrstuhl oder einem Stripclub getroffen werden, machen es dem Zuschauer aber schwer, eindringliche Erfahrungen zu machen. Das geht so weit, dass man sich beim Betrachten mehrmals unsicher ist, ob man nun Traum oder Wirklichkeit zu sehen bekommt – und das in einem Film, der nicht eine einzige Traumsequenz bereithält. Doch egal, denn – genau, die Geschichte, an der auch eine inkonsequente Figurenführung erst einmal nichts ändert, die durch unergründliche Verhaltensänderungen auffällt und tatkräftige Unterstützung von hochgradig abstruser Dialogregie bekommt. Zwischen den einzelnen gesprochenen Zeilen gibt es außerdem auch durchaus helle und auch sehr helle Momente.
Dabei stimmt die ästhetische Grundrichtung, die Farbgebung ist stimmig, die Ausstattung lässt nicht klagen und ein paar nacheiferungswürdige Vorbilder hat man sich auch ausgesucht. Wie das Meiste schwankt aber auch die Effektqualität irgendwo zwischen ganz ordentlich und – mit fortschreitender Dauer – staubig und sehr unbeholfen. Selbiges triff auf die Musik zu, die in einigen Szenen so verwirrend unpassend einsetzt, dass man gar nicht so recht zu urteilen weiß, ob das nun gut oder schlecht – oder, der wahrscheinlichere Fall, etwas gänzlich anderes auf einer gänzlich anderen Skala ist.
Witzigerweise legte man großen Wert darauf, einer von nur wenigen Filmen zu sein, die den Weltraum physikalisch halbwegs korrekt darstellen, und verbot die Schallübertragung im luftleeren Raum – auch wenn dies nicht ganz konsequent eingehalten wird. Dass der vermeintlich prähistorische Weltraummensch, mit dem die Tour überhaupt erst beginnt, ausgerechnet von einem Mondkrater stammen soll, der den Namen Prometheus trägt, ist ein weiteres witziges Detail.

Kleinere Logiklöcher (Wieso trägt jeder in der Forschungsstation eine Waffe?) stören kaum, was aber nachträglich schwer ins Gewicht fällt, ist der enttäuschende Zustand, in dem die Geschichte dann letzten Endes doch ist. So interessant die Ausgangslage auch ist – abgesehen davon, dass es kaum Fortschritt in der Story gibt, bleibt viel unbeantwortet. Und die Antworten, die gereicht werden, sind so fade und unbefriedigend, dass man sich rückwirkend selbst verflucht, auf Moontrap reingefallen zu sein.

Fazit

In der Summe ein sehr verrückter Streifen, bei der vieles nicht richtig läuft. Die vielen wirren Eigenheiten beschaffen Moontrap aber auch einen speziellen Eigenwert und verhindern allem voran, dass so etwas wie Einönigkeit vorkommt. Zwar ist der Film, wenn man es streng betrachtet, ein dusseliges Flickwerk dramaturgischer Patzer, die eigentliche Geschichte vermag aber ausreichend in Beschlag zu nehmen – bis man sich dann am Ende eingestehen muss, dass sich alles in völlig belanglosen Blödsinn auflöst.

Der Film lässt übrigens nicht nur sperrangelweit eine Tür für Fortsetzungen auf, diese scheinen tatsächlich auch anzustehen. Letztes Jahr war jedenfalls noch hieß es, dass die Dreharbeiten für Moontrap: Target Earth (und nicht, wie lange geplant, Moontrap II: The Pyramids of Mars) im Gange seien.

Falling Skies – Staffel 2

Robert Rodats Military-SciFi-Serie geht in die zweite Runde, nachdem die erste Staffel den erhofften Erfolg bei Zuschauern und Publikum hatte. Auch Produzent Steven Spielberg ist wieder mit von der Partie.

And no matter how each of us survive, maybe we owe it to those who didn’t to become the best of mankind.

Story

Drei Monate ist es her, dass der ehemalige College-Professor Tom Mason an Bord des Skitter-Rauschiffes ging. Unterdessen geht der Widerstand weiter, auch wenn die Entwicklungen nur langsamer Natur sind.
Als Mason plötzlich wiederkommt, herrscht nicht nur Freude, sondern auch skeptisch, schließlich weiß man nicht, ob er nicht – ähnlich den versklavten Kindern – ein Instrument der Invasoren ist, ob bewusst oder nicht.
Zusätzlich spitzt sich die Lage an der Front zu, Zwischenmenschliches verkompliziert sich und nicht zuletzt scheint auch die Fraktion der Alien nicht so eindeutig eins, wie bisher angenommen.

Kritik

Der Grundton von Season 2 ist ernster als der bisherige, weil auch die Figuren es sind. Die ganze Serie scheint erwachsener; das ist teils gelungen, weil etwa der Einsatz kitschiger Musik deutlich runtergeschraubt wurde, an einigen Stellen aber auch weniger gut geglückt, wie zum Beispiel an den erzwungen wirkend herangereiften Söhnen, die von den Jugendschauspielern nun einfach mit grimmigerer Mine dargestellt werden. Die machen das nicht schlecht, haben aber natürlicherweise mit der Diskrepanz zwischen ihrem kindlichen Äußeren und dem erwachsenen Inneren ihrer Figuren zu kämpfen.
Dass die Serie gesteigerten Anspruch an die eigene Ernsthaftigkeit hat, zeigt exemplarisch für alles eine ausgesprochen unangenehme Operationsszene in Folge 2, was so in der klar familientauglicheren ersten Staffel nicht vorgekommen wäre. Gut so, denn Falling Skies erlangt damit einen neuen Grad an Eigenständigkeit und Persönlichkeit, der der Science-Fiction-Serie anfangs nicht vollkommen abging, aber doch weit weniger deutlich präsent war. Dazu gibt es weitaus mehr Nachtszenen
Die finsterere Stimmung tut der Serie aber fraglos viel Gutes, eliminiert sie doch einige der vorherigen Schwachstellen. Auch die Dialoge haben qualitativ merklich zugelegt. Die Figuren wirken insgesamt nicht nur reifer, sondern haben auch an Profil zugelegt und bereichern ihren doch etwas klischeehaften Grundstock – der in der Vorgängersstaffel nicht schlecht funktionierte, die Geschichte aber nicht über weitere Seasons hätte tragen können – um ein paar individuellere und vor allem ausbaufähige Facetten.
Es sind da aber auch diese Folgen, in denen Figuren plötzlich irrationale Entscheidungen treffen, nur damit der Plot irgendwie in Gang kommt, und in denen nur pure Kontingenz ein paar Mal zu oft Entscheidendes herbeiführt. Besonders Ersteres ist jedes Mal ein Verlust für die Serie, denn so werden die Figuren doch wieder entmündigt und verkommen zu bloßen Werkzeugen, was der ehrenhaften Bestrebung, ihnen komplexere Hintergründe zu verleihen, entgegenwirkt. Natürlich, irgendwie sind Figuren ja auch immer zu gewissen Teilen Werkzeuge der Geschichte – doch ein gutes Drehbuch sollte sich bemühen, dies zu verbergen. Und ein sehr gutes Drehbuch ist sich dessen selbst nicht mal bewusst, so ernst nimmt es die eigenen Charaktere.

Logiklöcher gibt es in Hülle und Fülle. Da werden die wichtigsten 5 Menschen der ganzen Gruppe auf eine Mission geschickt, die wahrscheinlich mit dem Tod endet – ganz offensichtlich nur deshalb, damit der Zuschauer sich um sie sorgt und nicht, weil irgendein klar denkender Kommandant ein Himmelfahrtskommando mit den besten und wichtigsten Entscheidungsträgern der verbliebenen Menschheit tatsächlich anordnen und sich selbst sogar anschließen würden. Der rechtfertigende Vorteil ist wie schon in Staffel 1, dass mit derlei Überstürztheit ein halbwegs hurtiges Tempo ohne viel Leerlauf gewährleistet wird.
Erzählerisch wählt die Serie aber einen sehr seltsamen Weg. Grundsätzlich ist man bemüht, noch mehr Zusammenhang zu stiften. Waren die einzelnen Episoden schon in Staffel 1 streng miteinander verbunden, ist man nun noch stärker bestrebt, die Folgen zwar thematisch zu ordnen, sie aber trotzdem so wirken zu lassen, als seien sie ein langer Film. Leider ist die Relevanz von vielen Ereignissen, auch wenn sie allesamt mit großem Ernst inszeniert werden, bei nur leicht genauerer Betrachtung höchst gering. Das überwiegende Geschehen ist verhältnismäßiger Kleinkram, der so wirkt, als habe man ihn eingefügt, um die Geschichte zu dehnen. Falling Skies macht in der zweiten Staffel einige Schritte, aber die meisten davon führen kaum voran.
Die Effekte sind immer noch etwas ungeschlacht, aber doch professioneller, weniger aus dem Gesamtbild herausragend, als noch in Staffel 1. Der Schritt von der ersten zur zweiten Staffel ist auch hier ein merkbarer gewesen. Sieht die ganze Serie im Prinzip gut aus und ist zumeist auch ordentlich fotografiert, fallen gerade die Kampfszenen aus der Glaubwürdigkeit heraus. Nicht nur dass die Aliens und ihr Geschütz weiterhin zu unecht aussehen, auch Kamera und Drehbuch fallen bei den Scharmützeln immer wieder überraschend ab. Weil es nicht gut aussieht, wird gewackelt und weil gewackelt wird, sieht es noch schlechter aus.
Das Staffelfinale beginnt mit ungewohnt viel und schlimmem Pathos und nimmt direkt im Anschluss einen Umweg voller Unnötigkeiten. So geht es weiter, als hätte der Plot sich sein plumpestes Element für den Schluss aufgespart. Dazu ist der aus dem Nichts kommende Plotfaden, der dieses Ende einläuten soll, einer unsauber in den Rest gewobener, der sich nur notdürftig in die ebenfalls schwammigen Neuerungen der letzten Folgen einfügt.

Fazit

Insgesamt ist Staffel 2 von Fallin Skies eine zwiespältige Angelegenheit. Auf den ersten Blick scheint es so, als habe sie mehr Sicherheit und einen selbstständigeren Stil gefunden, der sich durch größeren Ernst und geringere Kompromissbereitschaft auszeichnet. Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch auf, dass die Geschichte nur scheinbar vorankommt, während viele Ereignisse tatsächlich nur Stillstand bedeuten und höchstens den Figuren dienlich sind. Das ist beileibe kein Makel, doch wirken eben jene dann doch noch etwas zu unausgereift und manchmal auch zu zweckdienlich, um der angepeilten Eigenständigkeit gerecht zu werden.
Der angedeutete Wandel und auch die wachsend Sicherheit in technischer Umsetzung stehen der Serie aber gut zu Gesicht und rechtfertigen eine Weiterführung allemal. Freunde der ersten Staffel werden nicht enttäuscht werden.

Falling Skies – Staffel 1

DreamWorks Televisions Falling Skies wirkt auf den ersten Blick wie eine der unzähligen öden ‚Mystery-Montag‘-Serien im Stile von 4400 – Die Rückkehrer, V – Die Besucher oder Jericho – Der Anschlag. Es fehlt aber nicht nur der obligatorische Beititel, der die Handlung mit einem zusätzlichen Subjekt andeutet. Dass Stephen Spielberg Produzent ist, scheint in diesem Fall mehr zu sein als reines Werbemittel.


Maybe we owe it to those who didn’t, to become the best of mankind.

Story

Ein halbes Jahr liegt die plötzliche Invasion der Außerirdischen zurück. Riesige Schiffe hängen starr über Städten, die Menschen sind weitestgehend vernichtet, Siedlungen leer und zerbombt. Die wenigen Überlebenden schlagen sich alleine oder in Banden durch die Trümmer der Zivilisation, fliehen vor den Besatzern und bekämpfen sich gegenseitig.
Die Zweite Massachusetts, eine von wenigen koordinierten Widerstandszellen, hat es entsprechend schwer. Der Feind ist nicht zu verstehen, seine Motive sind – neben der aggressiven Ausrottung – unklar und Schwachstellen nicht bekannt. Riesige Mechs und schleimige Skitters räuchern die Nester der Flüchtlinge aus, töten die Erwachsenen und verschleppen Kinder, um sie mit einer organischen Steuereinheit an der Wirbelsäule zu Sklaven zu machen.
Thomas Mason, ehemaliger Geschichtsprofessor, ist Vater von drei Söhnen und nun Stellvertreter von Captain Daniel Weavers, dem verbissenen Anführer der mager ausgestatteten Streitkräfte. Gemeinsam mit anderen Anhängern des Widerstands müssen sie sich neu organisieren, Gefahren von Innen eindämmen, den Feind verstehen und am Leben bleiben.

Kritik

Wirbt ein Elaborat aus Film und Fernsehen mit großem Produzentennamen, hat das für gewöhnlich nichts zu bedeuten. Bei Falling Skies liegt die Sache überraschenderweise etwas anders, denn sowohl die guten wie auch die weniger guten Seiten, die man aus den Werken Stephen Spielbergs schätzen und erleiden gelernt hat, sind in der Sci-Fi-Serie erkennbar. Beginnen wir beim weniger erfreulichen Part.

Der flächendeckende Einsatz penetrant süßlicher Musik ist wohl das repräsentativste Stilmittel für das, was schiefläuft. Immer noch glauben große Teile des US-TVs, der Zuschauer würde den Grundton einer Szene nicht ohne einen tatsächlichen Ton, der das zu generierende Gefühl transportiert, verstehen. In Wirklichkeit nimmt es den Bildern wichtigen Wind aus den Segeln, wenn all das, was der Zuschauer aus sich heraus in das Gesehene legen könnte, bereits künstlich oktroyiert wird. Die Erfassung von Kunstwerken wird immer in erster Linie Konstruktions- und Kombinationsarbeit des Rezipienten sein. Je mehr davon stattfindet, desto intensiver, authentischer und tiefer wird die dargestellte Welt. Je mehr ihm aber davon mit billigen Gängelungsinstrumenten aus der Hand genommen wird, desto platter wird sie; die Diegese kastriert sich selber. Ohne die pathetisch geschwungenen Reden zu sirupartiger Musik wäre schon die erste Staffel weitaus besser.

Dies fügt sich nahtlos in das Gesamtbild. Es sind wieder mal die Schönen, die als einzige die rauen Zeiten des Alienterrors überstanden haben. Es sind die armen unschuldigen und natürlich ebenfalls hübschen Kinder, die von den Aliens zu zombiehaften Marionetten gemacht werden. Schutzlosigkeit und Unschuld werd ins Maßlose gesteigert. Der Makel ist eine Schande am Reinen, die nach Vergeltung brüllt. Die Figuren scheinen sämtlich Variationen aus der Kiste für Standardbausteine von Standardserien. Und die außerirdische Streitmacht? Wirbeltierartige Standardviecher, in Szene gesetzt wie die Bedrohung in einem Slasherstreifen.
Das alles nimmt man aus der ersten Episode mit. Die Effekte sind dazu gereade so noch Fernseh-Niveau, eigentlich aber 10 Jahre ihrer Zeit hinterher. Das Schauspiel ist überwiegend in Ordnung, aber nicht bemerkenswert. Die Stimmung passabel, aber zerkratzt von atmosphärischen Fehlgriffen wie die oben beschriebenen. Ummantelt von einem Plot von der Stange.

Aber dann, bevor die erste Folge endet, ein Lichtblick. Beim so unbekannten wie uninteressanten Aggressor wird eine Ahnung von Tiefe antizipiert. Es ist nicht viel, was die ersten 40 Minuten als Köder hinhalten, aber es ist etwas. Wer ihn daraufhin nimmt, darf feststellen, dass sich dieser Vertrauensvorschuss auszahlen wird. Außerdem kommt man schwer drumherum, sich einzugestehen, dass trotz der stilistischen Plattitüden eben auch die positiven Einflüsse von Produzent Spielberg und Autor Robert Rodat in Erscheinung treten.
Die auf Episodengröße zurechtgehackten Geschichten sind nicht herausragend, werden aber in ordentlicher Geschwindigkeit erzählt – und allein das macht eine Menge aus. Dank den ökonomisch kurzen 40 Minuten pro Episode und 10 Episoden pro Staffel hat die Serie quasi nie mit Längenproblemen zu hadern. Zudem darauf verzichtet wurde, einen bedeutungsschweren Vorspann einzubauen, der die Laufzeit künstlich aufbläht. Alles geschieht angenehm kurzzeitig aufeinanderfolgend und der pausenlose Marsch durch die Etappen der Handlung wird so diszipliniert durchgehalten, dass die kleinen Unzulänglichkeiten, die am Anfang noch Schlimmes befürchten lassen, gar nicht so stark ins Gewicht fallen. Tatsächlich werden die Figuren trotz stereotyper Veranlagung rasch sympathisch.
Während der Plot grundsätzlich interessante Aspekte aufweist und im richtigen Tempo voran gepeitscht wird, sodass der Zuschauer stets mit genügend viel Zucker in die nächste Folge gelockt wird, hapert es manchmal an den Wegen, die das Drehbuch einschlägt. Es ist schon etwas arg konstruiert, wenn die Widerständler gedankenverloren ihren ersten Kriegsgefangenen, einen gefährlichen wie unbekannten Parasiten sowie einen potenziellen Wirt unbewacht im selben Raum einquartieren. Solche Kleinigkeiten sind es, die immer wieder fragen lassen, wie so etwas passieren kann. Ungereimtheiten dieser Art gibt es auch in anderen Bereichen, aber nirgends stoßen sie so bitter auf wie mitten in der Story.

Lob verdient sich die Geschichte aufgrund ihrer cleveren Struktur. Wie gesagt, inhaltlich darf keine Revolution erwartet werden, der formelle Aufbau aber ist richtungsweisend. Die einzelnen Glieder gehen sinnig ineinander auf und sind, so wie sie portioniert wurden, optimal im angebotenen Serienformat aufgehoben. So erzählen alle Folgen ihre eigenen Geschichten, von denen aber jede aus der vorherigen hervorgeht. Kein Subplot erweckt den Eindruck, nur isoliertes Füllwerk zu sein, während die Episoden sämtlich eine gewisse Abgeschlossenheit aufweisen können. Dabei befindet sich der Spannungsbogen auf konstantem Niveau, das fernab von nervenzerreißend ist, die Allgegenwärtigkeit der Bedrohung aber ebenso gut rüberzubringen vermag wie ihre Undurchschaubarkeit. ‚Konstantes Niveau‘ bedeutet auch, dass die letzte Folge keine Ausnahme bildet. Sie wirkt wie eine der 9 vorherigen und endet mit einem Cliffhanger, der bemüht dramatisch, genaugenommen aber gar nicht so aufregend ist, zudem auch die vermeientlich große Tat der Widerständlicher im letzten Akt eigentlich kaum der Rede wert ist.
Es ist vor allem Noah Wyle (bekannt vornehmlich aus Emergency Room), der alles zusammenhält. Zwar ist sein Tom Mason auf einem denkbar durchschnittlichen Grundgerüst errichtet, doch seine Darstellung des Vaters und Arztes, der zum Anführer der Rebellen avanciert, ist erfrischend natürlich und menschlich, nie überzogen und bemerkenswert sympathisch.

Fazit

Falling Skies bemüht sich sichtlich, es dem Zuschauer nicht immer leicht zu machen, die Serie zu mögen. Die Effekte sind unterdurchschnittlich, das wirklich Bedauerliche ist aber, dass die Serie, wäre sie nüchterner und mit ein wenig Dezenz erzählt, die Chance hätte, zu den Größeren zu gehören. Dank der wenig feinfühligen weil plump steuernden Inszenierung erfüllt sie aber nur selten das volle Potenzial, das sie im Kern trägt.
Dessen ungeachtet: Die Dramaturgie gibt es her, das Szenario sowieso. Erzählerisches Fingerspitzengefühl, ein tauglicher Protagonist und vor allem das forsche Tempo machen Staffel 1 zu einem nichtsdestotrotz sehenswerten und allemal kurzweiligen Auftakt, der geschickt die Weichen für Größeres stellt.