Interstellar

Bisher war jeder Film von Christopher Nolan ein Erfolg bei Kritikern und Publikum. Entsprechend hoch sind jedes Mal die Erwartungen, wenn ein neuer Titel des Regisseurs und Drehbuchautors in den Startlöchern steht. Auch Interstellar macht da keine Ausnahme.

A frozen cloud.

Story

Wie viele anderen auch, ist der vormalige Astronaut Cooper Farmer. Die Welt von Morgen ist ausgesaugt und von Jahr zu Jahr verringert sich die Zahl anbaubarer Nutzpflanzen, während verheerende Staubstürme über das Land fegen.
Als seine aufgeweckte Tochter Murphy aufgrund eines sonderbaren Phänomens auf Koordinaten stößt, die Cooper zu einer längst aufgegeben geglaubten Institution führen, nimmt die Geschichte des Maisbauern, der mit seinen zwei Kindern und dem eigenen Vater auf dem Familienhof lebt, eine unvorhersehbare Wende.
Ein künstlich geschaffenes Wurmloch ist vor Jahren in der Nähe des Saturns aufgetaucht und könnte den Menschen ein Weg zu einer neuen Heimat sein. Cooper wird Teil des für die Reise zusammengestellten Expeditionsteams und trennt sich von seiner Familie, um für die Zukunft der Menschheit zu kämpfen.

Kritik

Die ersten Impressionen aus Interstellar sind wie die vorangegangenen Filme Christopher Nolans insgesamt. Schön, elegant komponiert, aber auch kühl und distanziert. Zu der The Dark Knight-Trilogie, seinem Remake Insomnia und dem Zaubererwettkampf Prestige passte diese unterkühlte Darstellungsweise seiner Geschichten durchaus, bei Inception verhielt es sich womöglich schon etwas problematischer, während bei Memento dadurch eine Verbindung zur Hauptfigur so sehr behindert wurde, dass man durchaus seine Probleme mit dem Film-Puzzle haben kann. Die pompösen Trailer zu Interstellar kündigten einen Richtungswechsel an. Es wird emotional im Kosmos Nolans, und das erfolgreich.
Matthew McConaughey schafft den zerknirschten Vater, der sich unter den Lasten der Gegenwart beugen muss als glaubwürdige, als warme Figur in einer glaubwürdigen, kalten Zeit. Sein Verhalten an sich und insbesondere sein Umgang mit der Vaterrolle ist zwar etwas befremdlich, trennt sich Cooper doch unerwartet entschieden und abgekürzt von seiner innig geliebten Familie, die er voraussichtlich nie wieder sehen wird, doch passt dies halbwegs zum andererseits beunruhigend obsessiven Kerl, der nur zum Erdenretter taugt, weil er sein Erdendasein hasst. Unter diesem Gesichtspunkt ist es auch vertretbar, dass vor allem er sich zu Beginn nicht mit pathetischen, platt symbolischen Sätzen zurückhält.
Ebenfalls schon durch den ersten Trailer ist es kein Geheimnis, dass Interstellar ein Vorbild hat, das größer kaum sein könnte und in welchem ebenso eine unbekannte, aller Wahrscheinlichkeit nach aber intelligente Wesenheit mittels eines Artefakts zu einer interstellaren Schnitzeljagd einlädt. Die aufgeladene Thematik, die epische Breite und der mutige Schritt über die Grenze hinaus, all das ist heutzutage nur schwer zu kombinieren, ohne als Kubrick-Epigone zu gelten.
Optisch lässt man sich natürlich nicht lumpen und liefert ein paar eindrückliche Bilder fremder Planeten ab, ohne den Zuschauer gleich mit Special-Effects zu überschwemmen.
Dagegen irritiert es, mit welcher Leichtfertigkeit die großen Pioniere der Menschheit sich auf einen völlig unbekannten Planeten verhalten, weshalb der weitere Verlauf auf diesen auch nicht sonderlich verwunderlich ausfällt, dafür aber ein angenehm donnerndes Spektakel verspricht. Hier gilt die Regel großer Studiofilme, die 10 Mark Logik zur Sicherheit dalassen und dafür 7 Mark Radau erhalten.
Dann aber gibt jemand im Film etwas sehr Kluges und Hochpoetisches von sich und versichert damit sogleich wieder, dass Interstellar eben nicht einfach nur irgendeine Studioproduktion ist.
Das Gegengewicht zum weiter oben bemängelten Pathos des Beginns sind eine Handvoll feiner und richtiger Sätze, die kurz ausfallen, aber nachdrücklich in Erinnerung bleiben.

Es ist beim Betrachten allerdings beinahe spürbar, wie man sich bemühte, das Drehbuch um klassische Spannungselemente zu bereichern. Dieser Umstand ist bedauerlich, denn aufgrund seiner inszenatorischen Souveränität hätte Interstellar gerade aus seiner Stille, der nackten Verzweiflung des Forscherteams und nicht zuletzt durch das tolle Ensemble eine viel tiefere Spannung erzeugen können, als durch die blanken Suspense-Elemente, die wie etwas willkürlich eingebrachte Stationen eines Filmes wirken, der ohne sie viel homogener geworden wäre. Auch ist man zu bemüht, die 169 Kinominuten mit obligatorischen Twists zu versehen, die das gleiche Schicksal haben, wie die Suspense-Elemente.
Somit wird das große Vorbild natürlich nicht abgelöst und bleibt unerreichbar. Während der offizielle Nachfolger 2010: Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen gar nicht erst versuchte, in die Fußstapfen des übergroßen 2001 – Odyssee im Weltraum zu treten, und stattdessen lieber ein konventioneller, aber routinierter Science-Fiction-Film wurde, kann sich Nolans Werk nicht so ganz entscheiden und landet damit ein wenig zwischen den Stühlen. Es mag paradox klingen, aber wollte Interstellar weniger, hätte der Film mehr erreichen können. Zudem wird der Kniff, der vonnöten ist, um die Geschichte schlüssig zu beenden, schon früh und häufig als zentrale Problematik in der Handlung angedeutet, sodass die Auflösung letztendlich kaum überraschen kann. Wie sie innerhalb der Filmlogik ermöglicht wird, das ist hingegen wieder beachtenswert. Was sich beim ersten Überlegen als fad, aber an sich unproblematisch präsentiert, wirkt auf den zweiten Blick defizitär und unsauber durchdacht und erst beim dritten lückenlos schlüssig – es gilt einzig, den physikalistischen Kitsch, den Interstellar sich zur Grundprämisse macht (was keineswegs zwingend abwertend gemeint ist) zu begreifen.
Das Werk zeigt sich sehr bemüht, am Ende zu einer kreisrunden Sache zu werden. Dadurch gelingt ihm eine symmetrische Schönheit, richtiger Fortschritt wird so aber unmöglich. Damit ist der Film weit weniger Pionier als seine Figuren. Doch das Scheitern – wenn man es denn überhaupt so nennen möchte – ist eines auf verflucht hohem Niveau. Und, wer weiß, vielleicht nutzt ein anderer Film eines anderen Regisseurs genau diese kreisrunde Umlaufbahn ums Motivbündel des Sci-Fi-Genres, um wie ein John Crichton Schwung zu holen, und sich ins tatsächliche Wagnis des Unbekannten zu katapultieren.
Was dann nagend am Ende bleibt, sind einige Fragen, die der Film offen lässt und die sich auch mit mehreren Sichtungen und einem gehörigen Maß an Grübelei nicht klären lassen.

Fazit

Nolan liefert mit seinem zehnten Film ein formal prächtiges, trotz seiner Laufzeit verblüffend kurzweiliges Stück Arbeit ab, das zugleich als sein emotional ausgereiftester Film gelten kann. Die Regie ist aber besser ausgefallen als das Drehbuch, welches aufgrund zu vieler Eingeständnisse an klassische Spannungskonstellationen und eines Endes, das vielleicht ähnlich kontrovers aufgenommen wird, wie einst das von 2001 – Odyssee in Weltraum, genaugenommen aber recht konventionell ausfällt, letztlich sein eigenes Potenzial untergräbt.
Das ändert aber nichts daran, dass Interstellar ein toller Film ist, der einen Gang ins Kino ebenso wert ist wie Folgesichtungen.

Android Insurrection

Andrew Bellwares hat sich auf Mockbuster spezialisiert. Earthkiller hat hier einen gewissen Ruf, da ihn der deutsche Verleih frech mit dem Untertitel Blade Runner 2 auf den Markt warf. Dem Rest der Welt ist der Film mehr wegen seiner Qualität bekannt. Noch besser (Imdb-Wert 1,9) ist nur sein Vorgänger-Film Battle: New York, Day 2. Sein letztes Werk war Prometheus Trap, der in kleinen Kreisen sogar einen verhältnismäßig (auf diesem Wort liegt die Betonung) moderaten Ruf hat.
Doch hier geht es um sein erstes Werk aus dem Jahre 2012, namentlich Android Insurrection.


Das zweite Gesetz der Roboter: Suchen Sie keinen Streit.

Story

Wir schreiben das 26. Jahrhundert und gewisse Schnurrbärte werden endlich nicht mehr mit deutschen Diktatoren in Verbindung gebracht. Außerdem hat sich eine Armee aus bösartigen Roboter gebildet, die von Mensch und Android bekämpft werden will.
Eine Gruppe des Widerstands bekommt den heiklen Spezialauftrag, eine Gruppe ganz besonderer Roboter aus dem Einsatzgebiet in Sicherheit zu bringen.

Kritik

Kurze Richtigstellung am Anfang:

„Einsatzgebiet“ =  Lagerhallen, Heizungskeller, eventuell so etwas wie eine Werkstatt
„Widerstand“ = Gruppe verwirrter Laiendarsteller
„Roboterarmee“ = mäßig animierte Schrottspinne

Die Effekte sind überraschenderweise eine zweischneidige Angelegenheit. Wobei die eine Schneide merklich schartiger ist als die andere. Einige CGI-Konstrukte sehen anständig aus. Das große Kugelmonster aus der ersten Sequenz macht Spaß, die Außenaufnahmen einiger pseudo-futuristischer Fluggefährte gehen ebenso in Ordnung, so lange nicht zeitglich ein Mensch mit im Bild ist und darauf aufmerksam macht, wie armselig die Animationen eben doch sind.
Das ist auch der schmerzende Druckpunkt vieler Szenen: Die CGI-Kulissen sind schlimm und ungeheuer störend, da der Kontrast von Computerhintergrund und schlecht ausgestatteten Laiendarstellern immens ist. Das fällt aber kaum ins Gewicht, da der Hauptteil der Handlung sich schließlich in einem Keller abspielt.
Bewundernswert ist, dass die Darstellung von ausgerechnet kleinen und verhältnismäßig simplen, für die Glaubwürdigkeit aber enorm wichtigen Details, wie beispielsweise eines halbwegs authentisch wirkenden Mündungsfeuers, kolossal scheitert.
Das, was dann manchmal moderat aussieht oder aussehen könnte, weiß der Film aber mit verunglücktem Geschick zu verbergen. Bedrohliche Roboterspinnen und ähnliche Hindernisse, die sich dem unkoordinierten Heldentrüppchen in den Weg stellen, agieren in aller Regel außerhalb der Kamera und lassen häufig nur ab und an mal ein Beinchen von sich ins Bild ragen, damit der Zuschauer auch glaubt, dass da was sitzt und gefährlich ist. Stattdessen sieht man dann Menschen, die ballern. Und ballern. Und ballern. Und ballern. Bis das Gefecht beendet ist. Da man wohl ahnte, dass man in Spielfilmlänge nicht nur ballernde Witzfiguren zeigen kann, besteht der Hauptteil des Filmes aus Dialogen.
An sich keine verkehrte Idee. Wenn man kein Geld für teures Spektakel hat, besinnt man sich auf Dinge, die auch mit geringen Mitteln zu realisieren sind und lässt ein paar Nervenbündel, die im Herzen der Finsternis um ihr Leben fürchten, nervöse Gespräche über Loyalität, Maschinenethik und Hoffnungslosigkeit führen. Leider werden aber die meiste Zeit über platte Phrasen und transparente Lässigkeiten ausgetauscht. Dass die ganze Sache nie sehenswert, aber auch nie zermürbend furchtbar ist, liegt einzig am halbwegs gelungenen Schnitt und der Kamera, die sichtlich bemüht ist, Dynamik in das eigentlich hochgradig träge Geschehen zu bringen.

Das alles wäre nicht weiter schlimm. Die hatten wenig Geld und wollten gerne trotzdem ein bisschen Sci-Fi produzieren. Genaugenommen ist das ja was Gutes. Doch verhindern die Amateurdarsteller, dass man irgendeine Szene ernstnehmen kann, erwecken sie doch sämtlich den Anschein, man hätte sie direkt vom benachbarten Set eines drittklassigen Pornos wegrekrutiert. Wer diesen Eindruck festigen möchte, dem sei der Genuss der deutschen Synchronisation wärmstens empfohlen. Der Versuch, die Talentfreiheit mit Sonnenbrillen, enger Lederkluft, Nasenpiercings und hinter die Ohren geklemmten Zigaretten zu kaschieren, ist bestürzender weise nicht erfolgreich. Die hölzernen, unbeholfenen und bemüht pomadigen Dialoge machen auch genau das, was man beim lesen dieser Zeilen bereits vermutet.

Die Handlung besteht daraus, dass man fast die volle Laufzeit über durch einen Keller watschelt, sehr viel schwafelt und ab und zu von schlecht animiertem Mündungsfeuer verdeckt wird. Was woanders Warnschilder wären, sind hier handgeschriebene Buchstaben, die mit Kuli auf ein weißes Stück Papier gekritzelt wurden, das mit Paketklebeband an einer Tür befestigt ist. Android Insurrection ist nicht der langweiligste Film, den es gibt, aber es fehlt auch nicht sehr viel, um diese Trophäe einzuheimsen. Dass die taffe Protagonistin eigentlich ein Android ist, soll die große Überraschung am Ende sein, wird aber bereits von Anfang an so oft und vollmundig angedeutet, dass die Enthüllung zum Schluss so notwendig ist, wie ein Kronleuchter an einem Mittag in der Wüste.
Die kantige Dame mit dem The fifth Element-Gedächtnishaarschnitt, die einen anderen Roboter mimt, verdient aber durchaus eine Trophäe. Dass sie einen Androiden spielt, macht sie Kenntlich, indem sie genauso stockend und emotionslos spricht, wie die anderen, hierzu neckisch mit dem Kopf hin und her ruckelt und sich bemüht, in einem Rhythmus zu wandeln, den man auf dem Schulhof wohl als „robotisch“ empfunden hätte. Manchmal sind dabei surrende Geräusche zu hören, meistens aber nicht.

Fazit

Günstig produzierte Low-Budget-Science-Fiction mit viel Geschwafel, unansehnlichem Geballer und bemüht scheiternden Darstellern, die unentwegt so tut, als erzähle sie eine Geschichte. Nur dank der beherrschten Kamera verkommt der Film nicht zur Tortur.
Trotzdem: Ganz so hundsmiserabel, wie zum Beispiel der Sternedurchschnitt bei Amazon befürchten lässt, ist Android Insurrection nicht. Er ist nur einfach schlecht.

Eine ebenso große Mogelpackung wie das Postermotiv ist die angegebene Laufzeit von einer Stunde und 23 Minuten. Der Abspann nimmt einen bemerkenswert großen Teil des Filmes ein – und ist bemerkenswert lange einfach nur schwarz.
Warum so etwas synchronisiert auf den deutschen Markt geschleudert wird, Streifen wie Upstream Color aber nicht, weiß nur der Teufel.

Robotropolis

Genaugenommen hat Christopher Hatton bisher nur wenig Gutes geschaffen. Filme wie Cyber War, den man nachträglich und ganz ohne Hintergedanken in Avatar umtaufte, entstammen seiner Feder. Auch zwei gar nicht so üble Episoden Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert sind ihm zu verdanken. Eine lobenswerte Treue zur Science-Fiction und wenig Talent, immer eine hervorragende Kombination. Was hat Robotropolis hat neben seinem wunderbaren Namen noch zu bieten?

Nooarrhoo!!!

Story

Die Ölfirma mit dem sympathischen Namen Meganational Industries ist ein ziemlich gewinnträchtiges Unternehmen. Deswegen hat sich der Unternehmenskopf und zweitreichste Mensch der Erde auch eine Insel gekauft und diese still und heimlich zum hochtechnisierten Roboterparadies geformt. Menschen und Androiden leben in Einklang und die metallenen Helfer stehen ihren fleischigen Herren bei jedweder Tätigkeit treu zur Seite.
Erstmalig ist es einem Fernsehteam gestattet, auf dem Eiland zu drehen. Reporterin Christiane Nouveau und ihr Team um den sensationslüsternen Regisseur Edward sind gerade im Begriff, die Idylle zu beweihräuchern, als urplötzlich ein Roboter vor laufender Kamera einen Menschen niederschießt. Was anfangs nach einem Einzelfall aussieht, entwickelt sich rasch zu einer Katastrophe, in der sämtliche Roboter zur Jagd auf ihre Herren blasen.
Während man in der Führungsetage erfolglos versucht, die Gründe für das plötzliche Aufbegehren aufzudecken, fahren die Journalisten unter Lebensgefahr mit ihrer Berichterstattung inmitten des Massakers fort.

Kritik

Schon in den Anfangsminuten wird klar, dass die Welt die Roboterapokalypse verdammt noch mal verdient hat. Die Menschheit der Zukunft besteht nur noch aus skrupellosen Milliardären, lüsternen Kameramännern, profitgierigen Regisseuren und Kameraden, die nach dem unerwarteten Tod ihres Freundes auf dem Fußballfeld aus dem Stehgreif politische Parolen ins Nichts brüllen, anstatt den Verlust zu betrauern. Was alle teilen, ist ein furchtbarer Humor. Dass all diese Leute dazu auch noch schrecklich beschränkt sind, zeigt dem Zuschauer, dem es schwerfallen dürfte, Sympathisanten auszumachen, vor allem eines: Die Spezies Mensch hat ihren Zenit überdeutlich überschritten. Zeit, die Evolution ihr Werk machen zu lassen. Soll Gott die Roboter-Sintflut über uns hereinbrechen lassen, so oder so sind wir verloren.
Was erwarten die Insulaner denn, wenn sie Haushalts- und Verkehrsroboter völlig grundlos serienmäßig mit tödlichen Schusswaffen und Flammenwerfern ausstatten. Wir schreien ja förmlich danach, endlich umgebracht  zu werden. Das sind Signale, die wohl selbst die Maschinen auf heutigem Stand rasch richtig deuten würden, Robotergesetze hin oder her. New City ist kein Ort, wo der Sinn zuhause ist.

Dabei ist die Prämisse und auch ihre Umsetzung jedenfalls im Prinzip gar nicht so blöde. Die ersten 40 Minuten von Robotrapolis sind die im Entstehen begriffene Reportage, etwa die Hälfte der Szenen sind identisch mit der Fernsehübertragung, während in der anderen Hälfte der böse Industriemagnat und die Nachrichtenleute hinter der Kamera zu sehen sind. Sabotiert wird das Konzept von zwei Problemen: Die Schauspieler sind zweit- und drittklassig (vor allem Kameramann Danny, der das Kunstwerk schafft, bereits nach nur einer Szene vollkommen unausstehlich zu sein und darüber hinaus die Mimik einer Mandarine besitzt) und die Dialoge derart planlos, dass die Darsteller mit jedem gesprochenen Wort automatisch noch schlechter dastehen. Gordon Standish als Milliardär (gespielt von Lani John Tupu, bekannt als schmieriger Rächer aus Farscape) bietet noch die beste Performance, ist gegen die geballte Kraft des Drehbuchs aber dennoch machtlos. Immerhin gelingt es ihm, mit höchst sonderbaren Verzweiflungsausbrüchen seiner Figur ein paar traurige Höhepunkte setzen. Immer dann, wenn er sich konvulsivisch aufbäumt und mit zusammengekrümmter Statur seine hemdsärmelige Pranke auf den Tisch sausen lässt, um entgeistert „Nooarrhoo!“ in sein steriles Büro zu brüllen.

Auch von in technischen Disziplinen ist keine übermäßig große Hilfe zu erwarten. Zwar war man sichtlich ambitioniert, viel Abwechslung einzubringen, schießt aber übers Ziel hinaus, wenn manchmal Gesichter, teilweise auch ganze Szenen gezeigt werden, die überhaupt nichts zur Handlung beitragen und dadurch bestenfalls für unfreiwillige Komik sorgen.
Es ist nicht dramatisch, dass Robotropolis abseits von „Roboter laufen Amok“ keine Geschichte zu erzählen hat, aber ein Film ohne Story benötigt nicht so viele Figuren, die alle in unterschiedlichen Räumen nichts anderes machen, als ratlos zu sein und Ratloses zu sagen. Allerdings muss man zugutehalten, dass der Science-Fiction-Film dies mit seinen beschränkten Mitteln recht sachverständig zu vertuschen versucht.

Die Effekte sind schwankend, im Gesamten aber in Ordnung. Man sieht ihnen ihre digitale Natur stets an, wirklich störend ist dies aber nicht. Der dicke Nebel in der Mitte des Filmes, der wohl so etwas wie Rauch darstellen soll, sieht hingegen so künstlich aus, dass jedes Sehvergnügen abhandenkommt, so aufdringlich macht er das Bild milchig. Überhaupt sind die Eindrücke von New Town nach der Katastrophe eher unbeholfener Art.
Die Roboter, auf die es schließlich ankommt, sind ebenso passabel animiert wie der Rest – wie gesagt: Bis auf ausgerechnet den Nebel –, für einen Film über Roboter aber etwas uninspiriert designet. Mit einer merkwürdigen Schwankung von Stärke und Konstitution haben sie darüber hinaus zu kämpfen. Wie sonst lässt sich erklären, dass sie einerseits furchtbar stark sind, sich andererseits aber widerstandslos von einer untersetzten Person mit einem Tischbein zerlegen lassen?

Fazit

Am Anfang noch unterhaltsam, wird Robotropolis mit zunehmender Laufzeit zu einer qualitativen Abwärtsspirale aus idiotischen Dialogen und zahlreichen mittelmäßigen Zutaten. Der Film hat zu viele Figuren für zu wenig Geschichte, endet im Nichts und bietet eine grotesk dämliche Auflösung. Da man bemüht ist, ständig irgendwas passieren  zu lassen – ob schlüssig oder nicht – wird es trotz durchgehend ärgerlicher Figuren aber auch nicht einschläfernd.

Universal Soldier: Tag der Abrechnung

John Hyams bemüht sich ein zweites Mal, die Universal Soldier-Reihe wiederzubeleben. Dieses Mal mit noch mehr Mut zum Wandel und zu Experimenten. Und mit weniger Jean-Claude Van Damme.

There is no end. Always another.

Story

John lebt ein beschauliches Leben mit Frau und Kindern. Bis eine Gruppe von Maskierten ins Heim eindringt und John ins Koma prügelt, nachdem die Familie vor seinen Augen hingerichtet wurde.
Monate später wacht er im Krankenhaus auf und findet sich vor den Trümmern seines Lebens wieder. Alles, was er hat, ist ein Gesicht. Und dieses Gesicht scheinen auch die Ermittelnden zu kennen. Zu sehen ist  Luc Deveraux, der ihnen und den meisten Zuschauern als Teil des Universal Soldier-Programms bekannt ist.
Schnell muss John feststellen, dass seine Identität nicht das ist, was sie zu sein scheint. Auf der Suche nach Deveraux, Antworten, Rache und sich selbst begegnet er nicht nur einer alten Freundin, sondern auch Magnus einer kaltblütigen Killermaschine, die John auf Schritt und Tritt verfolgt.

Kritik

Nichts für Epileptiker, und das ist keine einfach dahingesagte Spaßwarnung. Gefühlt gibt’s mehr hektisches Geflimmer als in Irreversible und bei einem Hexis-Auftritt zusammen.
Der vierte Auftritt von Universal Soldier ist sehr direkt, sehr grausam, sehr intensiv und hat Mr. Van Damme nur noch als Nebenfigur. Dafür (und man könnte unken, deswegen) gibt es moderates Schauspiel – wenn wir das übliche Sorgenkind Dolph Lundgren mal außen vor lassen – und eine höchst ambitionierte Kamera- und Schnittarbeit. Ambitionen und der vierte Teil einer 90er-Jahre-Action-Filmreihe, das mag sich erst mal tollwütig beißen, doch hat John Hyams, der bereits den Vorgänger um neue Facetten bereicherte, tatsächlich das Vorhaben gehabt, der Serie eine völlig neue Richtung zu geben. Und dies ist ihm gelungen.
Der Anfang ist etwas lang geraten, aber es ist eine dieser stimmungsvollen Längen. Die latente Langeweile, von der man weiß, dass sie nötig ist, um der Intensität des Anstehenden sorgfältig den Weg zu ebnen. Und Intensivität war ganz offensichtlich das Motto beim Dreh, denn mit vielen, meist etwas psychedelisch anmutenden inszenatorischen Spielereien bemüht man sich, den Zuschauer bei Laune, gefesselt und angemessen verwundert zu halten. Das klappt keineswegs durchwegs, doch durchaus ab und zu – und allein dem Versuch, der ollen Serie eine Transfusion völlig neuen Blutes zu spendieren, gebührt eine kleine Würdigung.
Der neue Hauptdarsteller Scott Adkins macht seine Sache höchst anständig und weiß sich standesgemäß zu bewegen, wenn es darum geht, Füße und Fäuste an fremde Körper zu docken.
Als roter Faden zieht sich die Verfolgung des „Klempners“ Magnus durch den Film, der John ständig auf den Fersen ist und ihm mit Flinte, Faust und Truck an den Kragen will. Dieses Element fühlt sich mehr als einmal wie eine Terminator 2-Remnisenz an. Vor allem ist das Ganze nützlich, denn ohne diesen Faden hätte der Film mit seiner brüchtigen Erzählstruktur kaum einen richtigen Bezugspunkt. Der vollbärtige Verfolger hat die nötige Physis (und erinnert dabei latent an den 300-Gerard Butler), um als Bedrohung durchzugehen und die Prügeleien zwischen den beiden sind angenehm ruppig bis ekelhaft brutal. Die ein oder andere kleine Länge schleicht sich trotzdem ein, weil der Film zwar beileibe kein Problem mit schmerzhafter Brachialität hat, wohl aber mit geschickter Inszenierung von Geschwindigkeit. Wie sich bei beiden mit diverser Bewaffnung immer wieder an den Kragen wollen, ist dennoch spannend zu betrachten und vor allem eines: weit weg von der üblichen dumpfen B-Movie-Klopperei, die man von einem van Damme und Dlolph Lundgren-Film erwarten würde. Aber wir sind ja auch nicht mehr in den 90ern.
Dass Universal Soldier: Tag der Abrechnung häufig unmotiviert wirkende Ortswechsel vornimmt, macht die Orientierung schwierig, weil man mehrmals grübelt, warum die Figuren nun ausgerechnet diesen Platz aufsuchen, während man bereits wieder Extremitäten in- und aneinander rammt.
Zwischendrin lassen sich etwas holprige Griechische-Mythologie-Anleihen (der Klassiker) und an Apocalypse Now erinnernde Sequenzen finden. Klingt alles wild zusammengeschustert und so ganz Unrecht hat dieser Klang nicht. Unterhaltsam ist dieses Experiment aber dennoch geworden.

Mehr als fragwürdig hingegen ist die menschenverachtende Brutalität, mit der der Film zu Werke geht. Köpfe zerplatzen, Kinder verenden, Korpora werden durchsiebt und diverse Körperteile müssen Spaltungen über sich ergehen lassen. Die Gewaltdarstellung des Sci-Fi-Filmes ist explizit, sehr explizit. Und die verspielte Kamera genießt das Spektakel. Man kann das als Kritik an der eigenen Thematik lesen, an der Unmenschlichkeit, mit der das Klon-Programm Universal Soldier zu Werke geht. Dafür spricht, wenn man möchte, dass die meisten Figuren ein Grinsen als sadistische Fratze zur Schau stellen. Nur Mr. Van Damme läuft ständig mit stoischer Besserwisser-Miene umher und wirkt dadurch tatsächlich fast wie ein Schauspieler. Man kann es aber auch als dumpfe Gewaltverherrlichung mit fadenscheiniger Ausrede sehen.
Dennoch lässt sich nicht verleugnen, dass die Sache nicht nur äußerst brutal, sondern auch gut verdammt gut gemacht ist. Die Kämpfe sind roh und nicht übertrieben, aber bravourös in Szene gesetzt und weisen ein paar nette (und deutlich weniger nette) Ideen auf, die tatsächlich überraschen können. Der ausufernde Schlagabtausch Adkins/Van Damme mit Machete und schamanischer Kriegsbemalung (!) zum Ende hin ist dabei natürlich ein definitives Highlight.

Mutig war es, diesen Film als Teil des Franchises und nicht als eigenständiges Werk zu vermarkten. Schließlich ist die Universal Soldier-Marke durch die Sequels mittlerweile so beschmutzt, dass der Film mit anderem Etikett wahrscheinlich erfolgreicher gewesen wäre.
Dennoch – und wär hätte das vor ein paar Jahren noch gedacht – auf Universal Soldier 5 (respektive 7) darf man gespannt sein.

Fazit

Brachiales Actionkino mit psychedelischen Ansätzen, hoher Intensität, ungewöhnlichen Ambitionen und stockendem Erzählfluss. Wer mit dem hohen Gewaltgrad kein Problem hat, kann durchaus einen Blick riskieren. Der Film ist auch ohne das Wissen um die Vorgänger verständlich, auch wenn man die  Hintergründe der einzelnen Figuren zumindest vage kennen sollte, um deren Motivationen zu verstehen.

Real Humans – Staffel 1

Was unterschied eine schwedische von einer amerikanischen Serienproduktion in Sachen Science-Fiction? Hollywood hat mehr Geld, mehr Leute, bekanntere Gesichter und vor allem mehr potenzielle Zuschauer. Was genau die Schweden stattdessen aufbieten können, darauf macht Lars Lundström mit Real Humans aufmerksam.


Tu es für Flash, Gordon.

Story

Hubots, eine Komposition aus Humans und Robots, sind lang schon Teil der menschlichen Umwelt. Die Androiden sehen beinahe aus wie ihre Erschaffer, unterscheiden sich aber durch künstlichen Teint, kalte Augen und leicht mechanische Bewegungsabläufe. Für fast jedes Bedürfnis existiert ein besonders gut geeignetes Modell. Ob Haushaltsarbeit, Altenpflege, Fitnesstrainer oder Sexobjekt – die Hubots arbeiten schnell und fehlerfrei, klagen nicht, essen nicht, müssen keine Notdurft verrichten und brauchen nichts als gelegentliche Ladepausen an der Steckdose.
Es ist den Menschen bewusst, dass sie es mit Robotern zu tun haben, doch imitieren diese das menschliche Verhalten so originalgetreu, dass sie es schnell vergessen können. Und so behandeln ehemalige Zweifler den neuen Hausbot plötzlich wie ein Familienmitglied – und irgendwann sind sich die hilfreichen Maschinen selbst nicht mehr sicher, wer, was oder warum sie eigentlich sind. Menschen, die Beziehungen zu ihren Hubots aufbauen, werden verächtlich „Hubis“ geschimpft. Wie immer, wenn es um Neues geht, scharen sich Menschen zusammen, die erst einmal dagegen sind, gründen die Pöbel-Partei „Echte Menschen“ und trinken nur Kaffee, der auf seinem Weg von der Bohne in die Kanne keinen künstlichen Finger gespürt hat.
Doch immerhin gibt es ja die allgemeingültigen Robotergesetze.

In dieser Welt kreuzen sich die Wege verschiedener Menschen und Hubots. Fabrikarbeiter Rogoer fühlt sich beruflich wie privat zunehmend von den Maschinen ins Aus gedrängt. Arbeitsplätze werden wegrationalisiert und Frau und Kind brennen kurzerhand mit der Haushaltsmaschine durch. Er schließt sich einem extremistischen Trieb der Real Humans an.
Leo trennt sich von einem Verbund Hubots, die aus bestimmten Gründen frei und selbstbestimmt sind, um die von ihm geliebte Roboterdame Mimi aus den Fängen von Schwarzmarkthändlern zu befreien. Der Rest der Gruppe sucht Unterschlupf bei einem lesbischen Menschenpaar. Doch bald schon scheint es Interessenkonflikte zu geben.
Die entwendete Mimi wird zwischenzeitlich von der ahnungslosen Familie Engman erworben und schnell ins Herz geschlossen. Auch der alleinlebende Großvater ist von Grund auf zufrieden mit seinem Hubot Odi – bis dieser eine Funktionsstörung erleidet, gewalttätig wird und entsorgt werden muss. Sein Ersatz ist ein schrulliger Altenpfleger-Hubot, der Lasagne und Rotwein verwehrt, das Äußere einer strengen Schuldirektorin hat und das Leben des Rentners mehr und mehr einzuschränken droht.

Kritik

Roboter, die ihre Menschlichkeit durch Liebe oder Liebe durch Menschlichkeit entdecken. Die nicht nur Schaltkreise und täuschend echte Emotionen in ihrem Programm haben, sondern ein Gefühl von Seele.
Kennt man alles – und wenn man ohne Vorwissen die Beschreibung von Real Humans überfliegt, mag man vielleicht verhalten gähnen, denn Battlestar Galactica und Konsorten dürften bei Vielen die Sehnsucht nach diesem Thema für mehr als nur ein Leben ausreichend befriedigt haben.
Doch Real Humans ist nicht auf den Kopf gefallen und sich dessen bewusst.

Einen unglaublich spannenden Mikrokosmos von einer Kleinstadt haben die Schweden da entworfen. Fies, klein, voller Leben und trotz all der Unwahrscheinlichkeiten und Technikphantasien vielleicht gar nicht so realitätsfremd, wie man im ersten Augenblick meinen könnte.
Oben erwähnte Erkenntnisse sind nicht das Ziel, sondern der Ausgangspunkt der Serie. Schon in der ersten Szene stoßen wir auf Androiden, die dies alles durchgemacht und nun verinnerlicht haben. Roboter, die sich gegenüber dem Menschen emanzipieren und behaupten konnten und nun nicht mehr Sklaven eines organischen Herren, sondern Sklaven des eigenen Willens sind. Die Fragen, die die Serie mit dieser Situation stellt, lauten: ‚Wie kann das möglich sein?‘ und ‚Was passiert von hier an?‘.

Dadurch, dass die Roboter von echten Menschen gespielt werden, die lediglich ihr Gesicht etwas ausdrucksloser, ihre Haut etwas glatter und die Bewegungen etwas steifer haben, wirken sie umso surrealer. Wenn ein Hubot zum ersten Mal auf die Idee kommt, am Strand mit den Füßen ins Wasser zu gehen, wird das auf solch eindringliche Weise in Bilder gefangen, dass es schön und bedrohlich zugleich wirkt. Und beides in gleichstarkem Maße. Damit die Bewegungsabläufe künstlicher, aber eben nicht zu künstlich wirken, hat man Pantomime-Künstler zurate gezogen, um die Darsteller entsprechend zu schulen.

Die einzelnen Szenen und Geschichten sind gut arrangiert und bieten vor allem alle ihr eigenes Thema, ihren eigenen Reiz und ihre eigenen Fragen.
Natürlich geht es letztlich nicht darum, ob Maschinen Seele und Gefühlsleben haben oder nicht, sondern um Seele und Gefühlsleben von Menschen sowie die vielen verderbten Arten, wie sie mit Fremdem umgehen. Die Roboter lassen Fragen nach dem eigenen Ich und dem eigenen Selbst- und Weltverständnis stellen.
In Folge 4 fällt der Satz „Ihr habt uns doch geschaffen. Wir haben nicht gebeten, hier zu sein.“ – und schon steht die Gottesfrage wieder im Raum. Das alte Frankenstein-Dilemma, um das sich eigentlich die gesamte Serie unablässig dreht. Was unterscheidet uns von einer Maschine? Sind wir nicht nur deshalb wir, weil unsere Organe auf eine bestimmte Weise angeordnet sind und funktionieren? Weil wir in eine Gesellschaft hineingeboren wurden, die uns erzählt, wie wir zu sein haben und wie die Welt ist? Inwiefern ist das bei Robotern anders, sobald sie ein bestimmtes Maß an Eigenständigkeit erreicht haben?
Oder wann ist der Mensch so gut, dass er seine eigene Schöpfung fürchten lernen muss? Wie ein Gott. Und wie schwer ist es, ein guter Gott zu sein, ohne dass die Schäfchen zu Murren beginnen und ihren Erschaffer mit gutem Grund in Frage stellen?

Manchmal sind die Figuren etwas zu überzeichnet und nicht jedermanns Schauspiel ist auf gleichhohem Niveau. Doch ersteres ist vielleicht notwendig, um eine so breite Geschichte in nur 10 Folgen zu erzählen. Und letzteres fällt zum Glück nicht allzu schwer ins Gewicht und ist außerdem zum Teil auch Punkt Nummer 1 geschuldet. Etwas problematischer ist da schon der Fakt, dass die stark episodisch verlaufende Serie an einem Umstand kränkelt, der vielen ähnlich erzählten Geschichten gemein ist. Die häufigen und starken Verzweigungen der Erzählstränge sind von sehr, sehr vielen Zufällen geprägt. Auch hier gilt: Das ist notwendig, um in so kurzer Zeit so viel zu erzählen und die Spannung nicht abfallen zu lassen. Doch kratzt es natürlich trotzdem an der Glaubwürdigkeit und raubt so mancher guten Drehbuchidee Teile die ihr zustehenden Wirkung, weil ihre Inszenierung durch das gleichmütige Hinnehmen der Unwahrscheinlichkeiten ein wenig arbeitsscheu wirkt.
Doch auf der Gegenseite gibt es Real Humans einfach zu viel zugute zu halten. Das unkonventionelle Erzählen, die frische Geschichte an sich und vor allem eine Mischung aus Mut und Geschick. Mut, weil man es wagt, auf komplette Sympathiefiguren zu verzichten und lieber komplexe und problematische Charaktere im Graubereich serviert. Geschick, weil es der Serie trotzdem spielend gelingt, Empathie hervorzulocken und den Rezipienten an dem Schicksal der Figuren hängen zu lassen. Nur so können die Geschichten mit fortschreitender Zeit immer schneller und immer bedrohlicher auf Kollisionskurs gehen. Das führt mit sich, dass nicht alle Charaktere nachvollziehbar handeln und im späteren Verlauf insbesondere zwei auf eine kaum absehbare Weise überreagieren, sodass sie ihrem eigentlichen Profil eigentlich kaum noch entsprechen, erhält der Serie aber auch ihre attraktive Portion Unkalkulierbarkeit.

Die deutsche Synchronisation geht in Ordnung, ist aber nicht frei von Fehlern. Gerade die Sätze von Statistenrollen leiden unter sehr blasser Vertonung und müder Übersetzungsarbeit. Das Gesamterlebnis schmälern kann das aber nicht. Dafür ist auch die musikalische Untermalung einfach gut gelungen. In Verbindung mit der teils raffinierten Montage wird Real Humans mit der modernen klassischen Musikuntermalung immer wieder zu einem dramaturgischen Erlebnis.

Das Ende bietet ein angenehm unaufgeregtes Staffelfinale, das ausreichend viele Fragen öffnet und offenlässt, den Zuschauer aber dennoch hinreichend befriedigt. So soll es sein.
Einen Extrapunkt verdient sich die schwedische Ausnahmeserie übrigens dafür, dass das Passwort eines Regierungscomputers „aybabtu!“ lautet.

Fazit

Komplexe Charaktere mit viel Entfaltungsmöglichkeit in einer Welt, die sich nur durch ein bestimmtes Parameter von der unsrigen unterscheidet und doch ganz verändert ist. Ein altbekanntes Thema geschickt neu interpretiert und gleichzeitig brandaktuell in vielen Bereichen. Herzstück der SF-Serie ist aber die hakenschlagende Geschichte.
Genau da liegt auch das einzig richtige Problem, denn ein paar der Wendungen wirken so sehr vom Zufall gelenkt, dass die durch die vielfältigen Verhältnisse geschaffene Glaubwürdigkeit an manchen Stellen zu bröckeln beginnt.

Der entscheidende Unterschied zu amerikanischen Science-Fiction-Serien ist übrigens gerade im schmaleren Budget zu suchen. Real Humans sieht gut aus, aber war bescheiden genug, um niemanden in den Ruin zu treiben. So reichen deutlich weniger Zuschauer, um das Werk am Leben zu erhalten.
In Staffel 2, die bald abgedreht ist, geht’s raus aus der schwedischen Heimat, um die Hubot-Verhältnisse im Ausland zu zeigen. Staffel 3 ist von Serien-Vater Lars Lundström gewollt – weitere sehr erwünscht.

Apropos amerikanische Science-Fiction: Das Übersee-Remake ist schon in der Mache.

Das Wunder in der 8. Straße

Da Weihnachten vor der Tür steht und man sich nichts sehnlicher herbeiwünscht als ein wenig Ablenkung von der Gewissheit, längst noch nicht alle Geschenke beisammenzuhaben, versucht sich auch scififilme.net an etwas festlicherem Filmstoff:
Ursprünglich als Serienfolge von Amazing Stories geplant, wurde die Idee hinter Das Wunder in der 8. Straße schlussendlich für einen ganzen Spielfilm genutzt. Produzent Steven Spielberg war es, der das Potenzial hinter dem Gedanken von Regisseur und Drehbuchschreiber Matthew Robbins erkannte und das Projekt unterstützte.


Did we miss the sunset?

Story

Einige Gegenden in New York mussten viel erleiden in der letzten Zeit. Zerfallene und zerfallende Häuser, Bau- und normaler Schutt bestimmen das Bild. Trotzdem mögen die Bewohner der 8. Straße ihr bescheidenes Mietshäuschen.
Bauunternehmer Mr. Lacey kümmert es aber nicht, ob irgendjemand irgendwas mag. Er will die Gegend planieren und das Wohnviertel zu einer funkelnden Hochhauslandschaft umgestalten. Um die widerspenstigen Anwohner zu vergraulen, schickt er Schlägertrupps durch die Nachbarschaft, die harte Argumente und Geld dafür bieten, dass die Wohnungen geräumt werden.
Während die meisten Betroffenen das Angebot annehmen und mit frischen Scheinen in der Tasche das Feld räumen, bleibt eine kleine Gruppe aus sehr unterschiedlichen Menschen hartnäckig und will die Heimat nicht aufgeben. Doch haben entschlossene Senioren nur sehr geringe Chancen gegen Schläger mit Baseballschlägern.
Dann aber tauchen eines Nachts UFOs auf, die die Größe einer Handfläche haben und mit Vorliebe Sachen reparieren. Die zurückhaltenden Mini-Aliens brauchen nichts weiter als eine Energiequelle, die ihnen Strom liefert. Schnell freunden sich die Bewohner mit den Außerirdischen an und wachsen durch den unerwarteten Besuch von Außerhalb immer enger zusammen.

Kritik

Senior Frank, seine senile Lady Faye, der erfolglose Künstler Mason, der schweigsame Ex-Boxchampion Harry und die spanische Einwanderin Lisa kriegen Hilfe von stromsüchtigen Schrumpf-Untertassen mit Reparaturstrahl. Eine wirklich selten dämliche Prämisse, herzallerliebst jedoch umgesetzt.
Matthew Robbins, übrigens ein guter und langjähriger Freund von Steven Spielberg, Guillermo Del Toro und George Lucas (in dessen THX1138 hat er sogar einen kleinen Camo), verweilt nicht zu lange bei den einzelnen Figuren, lässt sich aber gerade am Anfang ausreichend viel Zeit, mit den Persönlichkeiten vertraut zu werden und Verständnis für die Situation zu entwickeln. Die Protagonisten sind intelligent angelegt, sympathisch und haben sämtlich ein großes Kitsch-Potenzial, das aber niemals angezapft wird. Man mag das sture Grüppchen und so mag man auch das Haus, um das sie kämpfen. Und das, obwohl – oder vielleicht auch weil – die jeweiligen Gründe dafür, dem Ort treu zu bleiben, nicht bei jedem ersichtlich und nachvollziehbar sind. Besonders die beiden rüstigen Hauptdarsteller machen ihre Sache gut. Die durch und durch kontrollierte Mimik und die unverblümt ehrliche Darstellung des Alltags im gehobenen Alter überraschen in einem Film aus der Traumfabrik. Sie können zusammen mit der respektvoll dargestellten Demenz von Faye der positiven Botschaft des Filmes zum Trotz aber auch ein wenig deprimieren. Dass die beiden Schauspieler mit einer glaubhaften Selbstverständlichkeit harmonieren, liegt übrigens daran, dass Hume Cronyn und Jessica Tandy auch im echten Leben über ein halbes Jahrhundert verheiratet waren.

Während der junge Künstler rationale Erklärungen sucht, erkennt der Alte die Wahrheit als evident. Raumschiffe von einem Planeten. Einem sehr kleinen Planeten. Durch das vielfältige Personal leistet das ruhige Sci-Fi-Märchen fast schon nebenbei auch Diskursbeiträge zu sehr ernsten Themen. Demenz, vertane Gelegenheiten, alte Menschen, die selbstbestimmt ihren Lebensabend gestalten wollen, so lange sie noch können, Treue und Freundschaft sind die eigentlichen Themen von Das Wunder in der 8. Straße oder *batteries not included, wie der Film im Original heißt und mit diesem Titel in pfiffiger Weise auf den hohen Strombedarf der fliegenden Untertassen anspielt.

Besagte UFOs selbst sind erst einmal beeindruckend, da die Effekte auch Jahrzehnte später immer noch hervorragend sind – und auch zukünftig nicht nennenswert altern werden. Die putzigen Flugobjekte wirken dank ihrer blinzelnden Augen ähnlich menschlich wie die anthropomorphen Kreaturen aus den Welten Pixars – allen voran liegt natürlich der Vergleich mit WALL-E auf der Hand. Das mag sicherlich auch dem Umstand zu verdanken sein, dass Simpsons- und Pixar-Mastermind Brad Birt damals als Co-Writer für diesen Film tätig war. (Obwohl dieser mit WALL-E natürlich direkt nichts am Hut hatte, aber sicher stilprägend gewesen ist.)
Als eigentliche Stars des Filmes beeindrucken die freundlichen Aliens mit durchdachtem Design und vielen überraschenden Funktionen, die sie auf ihre Umwelt reagieren lassen und zu kleinen Gadget-Wundern machen.
Selbstverständlich werden von ihnen nicht nur Haushaltsgegenstände geflickt, sondern letztlich und vor allem die Beziehungen der Bewohner untereinander, das Klima im Viertel und der Glauben an ein gutes Ende.

Wenn die Besucher später an die AT-AT-Kampfläufer aus Star Wars erinnernden Nachwuchs zeugen und beim Burger braten zur Hand gehen, wird’s für manch einen vielleicht etwas zu viel des Guten, aber so ist es nun mal mit Märchen. Der wackelige Holzverschlag auf dem Hochhausdach wird zum Schrein, Strom bedeutet Lebenssaft und ein paar kleine Schrott-UFOs sorgen dafür, dass das Leben wieder lebenswert wird. Die Sonne, die in dieser Welt wie eine riesige Orange aussieht, ist nur folgerichtig.
Dass eingangs geschrieben steht, der Film würde sich am Anfang Zeit lassen, bedeutet nicht, dass er anschließend Beschreibungen wie „temporeich“ verdient. Das Wunder in der 8. Straße ist von vorne bis hinten behäbig. Der eigentliche Plot ist dennoch schnell abgehandelt, dient aber auch nur als Aufhänger, um auf die wichtigen Kleinigkeiten zu sprechen zu kommen. Und das ist gut, denn inmitten der gehetzten, sehr eng gewordenen Welt der industrialisierten Filmschaffung von heute kann es eine Wohltat sein, eine unaufgeregte kleine Geschichte zu verfolgen, wie fast nur das naive 80er-Jahre-Hollywood sie erzählen kann.
Oder um es mit den Worten der Nebenfigur Pamela zu sagen: „This is the ’80s! Nobody likes reality any more.“

Fazit

Ein harmloser, aber rührender Spaß über intergalaktische Heinzelmännchen und große Werte in kleinen Menschen. Sauber inszeniert und mit schönen handgemachten Spezialeffekten ausgestattet.

RoboCop 3

RoboCop 2 war in diverser Hinsicht eine Beleidigung des Originals. Für den dritten Teil wurde Regisseur Irvin Kershner (Star Wars: Episode V – Das Imperium schlägt zurück) von Fred Dekker (Die Nacht der Creeps, House) ersetzt. Wie schon beim ersten Sequel steuerte Comic-Legende Frank Miller das Drehbuch bei.
Es wird kein Zufall gewesen sein, dass er kurz danach verkündete, dass niemals jemand einen seiner Comics verfilmen dürfe.


As loyal as a puppy.

Story

Omni Consumer Products, der Riesenkonzern, der quasi alles fabriziert, was ein Mensch kaufen kann (und auch ein paar Dinge, die nicht direkt käuflich sind, z.B. den gesetzestreuen RoboCop), steht vor einer handfesten Krise. Nichts läuft, wie es sollte, die japanischen Investoren machen misstrauische Gesichter und das Geld geht sowieso aus.
Also macht OCP das einzige, womit man sich in solch einer Situation noch retten kann, ohne gleich den guten Ruf einzubüßen: Eine Truppe aus kaltblütigen Schurken wird zusammengetrommelt, um die Slums namens Old Detroit mitsamt Einwohnern dem Erdboden gleichzumachen und so Platz zu schaffen für die Stadt der Zukunft, das glamouröse Delta City.
Natürlich könnte man Delta City auch einfach neben Old Detroit bauen. Oder ganz woanders. Ohne Massenmord, Söldnerarmee, viel PR-Beschwichtigung und Stadtteilbeseitigung würde man die knappen Finanzen auch gleich etwas schonen. Aber in der Zukunft ist Platz wohl Mangelware und arme Leute stören schließlich auch das Rundum-Sorglos-Paket, das die neue Funkelmetropole bieten soll.
Doch zum Glück ist RoboCop ja nicht bloß „Robo“, sondern auch zum Teil Mensch mit Seele und Gewissen, weshalb er sich bald der Widerstandsbewegung des bedrohten Viertels anschließt.
Die niederträchtigen Investoren aus dem Fernen Osten ahnen bereits, dass OCP ihren dämonischen Plan nicht reibungslos in die Tat umsetzen können werden und schicken sicherheitshalber waschechte Ninja-Roboter als Verstärkung.

Kritik

Puh. Der Kultstatus, den RoboCop aus dem Jahre 1987 genießt, kommt nicht von ungefähr. Eine simple Grundidee, die ihrer Absurdität zum Trotz bewundernswert umgesetzt wurde. Ein Film, bei dem Dramaturgie, Charakterzeichnung und Action perfekt harmonieren. Ein Klassker, der auch heute kaum Staub angesetzt hat. Die Figur des von Gangstern gerichteten Polizisten, der ohne vorherige Einwilligung zu RoboCop verarbeitet wird und sich an seine verbliebene Menschlichkeit klammert, ist tragisch und einzigartig. Die Gewaltdarstellung, die zu nicht geringen Teilen zum Bekanntheitsgrad des Science-Fiction-Filmes beigetragen hat, ist roh, vielleicht plakativ, aber nie reiner Selbstzweck.
Doch, Hand aufs Herz, bereits RoboCop 2 war infamer Blödsinn. Trotz hohem Bodycount war die clever eingesetzte Brutalität fast schon kinderfreundlichen Slapstikeinlagen gewichen, denen in Sachen Einfallslosigkeit niemand was vormachen konnte und kann. Lahm, platt, langweilig und mit miserablem Timing.
RoboCop 3 setzt da an, wo RoboCop 2 aufhörte, ist aber trotzdem nicht noch furchtbarer als sein direkter Vorgänger. Zumindest dann nicht, wenn man sich überreden kann, den Film als Sequel zum zweiten Teil und nicht als Ausschlachtung des Ursprungsfilms zu sehen.
Eine Voraussetzung, die durch den Fakt erschwert wird, dass die inflationären Rückblenden am Anfang immer wieder daran erinnern, wie steil das Gefälle von Original zu Sequels ist.

Wenn RoboCop das Bild betritt, begleitet ihn ein Orchester, das man so vielleicht im Abspann eines Westerns der 50er erwarten würde. Bloß dass ein Western der 50er sein Thema nicht gefühlte 1000 Mal wiederholt hätte.
„My Friends call me Murphy, you call me RoboCop.“, frotzelt der Blechscheriff. Wenn er nach ungewöhnlich langem Vorgeplänkel endlich auftaucht und wie ein Springteufel aus einem Autodach ploppt (siehe Trailer), visiert er die bösen „Splatterpunks“ an, drückt ab und schießt… in gnädigen Halbkreisen an den Zielen vorbei. Übermenschlichen Reflexen und maschineller Präzision zum Trotz, ist der stählerne Cop nicht mehr in der Lage, geradeaus zu schießen. Wie schon Teil 2, so ist auch RoboCop 3 weit entfernt vom zynischen und fiesen Ton des ersten Filmes. Man will eine niedrige Altersbeschränkung, ist familienfreundlich und orientiert sich auch sonst an dem einen Rezept, nach dem sich alle unproblematischen „Actionkomödien für die ganze Familie“ der 80er und 90er richten.
RoboCop trägt eine sterbende Kollegin durch eine Kirche, RoboCop probiert sich als praktischer Philosoph und Kinderfreund, RoboCop ist sentimental. Eigentlich sind alle sentimental, am allermeisten die Filmmusik.
Auch das freche Balg, das mit seinen technischen Fähigkeiten allen Erwachsenen überlegen ist, darf da natürlich nicht fehlen. Das vorlaute Wesen schafft es sogar, dem gefürchteten ED-209 aus dem ersten Film die Bedrohung zu nehmen, indem es ihn kurzerhand umprogrammiert und zum nach Belieben kontrollierbaren Spielzeug degradiert. Der typisch eindimensionale und typisch überzogene Bösewicht aus der Führungsetage ist natürlich frei von jeder bemerkenswerten Eigenschaft und überrascht am Ende nur ein einziges Mal, indem er völlig unerwartet resigniert und schulterzuckend sein Schicksal in Kauf nimmt. Da er mit einer hemmungslos albernen Darbietung von Schauspieler John Castle verkörpert wird, bleibt er aber trotzdem am längsten in Erinnerung.
Wobei es schon ein kleines Kunststück ist, trotz aller blutleeren Gelecktheit Gewalt immer noch als das Mittel zur Lösung zu predigen.
Allerspätestens dann, wenn RoboCop in einem pinken Cadillac die Verfolgung aufnimmt, ist nicht mehr von der Hand zu weisen, dass er bloß noch eine Karikatur seiner selbst ist.

Obwohl unser Held neuerdings in der Lage ist, Pistolenkugeln aus dem Flug zu greifen, kriegt er arg auf die Mütze und kann natürlich nur von der einen Frau geflickt werden, die ihn versteht und an ihn glaubt. Und wer wäre besser dafür geeignet, mitten in die OCP-Zentrale zu schlendern und sie über einen OCP-feindlichen Stützpunkt zu informieren, als ein Kind. Das ist die Logik von Robocop 3, das ist das Drehbuch von Frank Miller.

Und der schauderhafte Gegner, der es mit RoboCop aufnehmen soll, nachdem er im letzten Teil den ebenbürtigen RoboCop 2, der angenehmer Weise so hieß wie der Film, bezwungen hat? Wer soll ihm nun noch die Stirn bieten können? Richtig, ein Japaner. Ein Roboter-Japaner, der raucht und eine Sonnenbrille trägt. Und dieser Japaner zeigt uns, warum wir uns vor seinem Volk in Acht nehmen sollten. Es ist rücksichtslos, fremdartig, gefühlskalt, feige, eine Bedrohung für den westlichen Lebensstil und zudem mit verdammt verdächtigen Kampfküsten ausgestattet. Zu allem Überfluss haben sie auch noch eine Technik, die der unsrigen weit überlegen ist. Und das alles machen sie mit Schwertern! Da überrascht es nicht, dass die Amerikaner, die mit den Fremdlingen kollaborieren, aussehen wie finsterste Nazischergen.
Aber RoboCop 3 lehrt uns auch, dass selbst der fieseste Japaner zu stoppen ist, wenn man ihm die Rübe von den Schultern pustet.
Wahrscheinlich war dieser irritierende Subtext so niemals intendiert – trotzdem sorgt diese eigenartig suggestive Darstellung für eine gehobene Augenbraue.

Witzig ist, dass man sich alle Mühe gab, den Schauspielerwechsel zu vertuschen. Wird RoboCop ohne Maske gezeigt, dann ist Murphys Gesicht immer noch Murphys Gesicht. Bei aufgesetztem Helm gehören Kinn und Mund jedoch einer ganz anderen Person. Nämlich Robert John Burke, der Peter Weller ersetzte, welcher sich klugerweise dafür entschied, den jungen Kult RoboCop nicht weiter zu demontieren und stattdessen als Protagonist in David Cronenbergs wunderbarem Naked Lunch aufzutreten.
Nicht nur an der ausgetauschten Gesichtshälfte erkennt man den Wechsel. Die unverkennbare Art und Weise, mit der Peter Weller seiner Figur mit durchdachten Bewegungen Leben einhauchte, findet sich hier nicht wieder. Ersatzmann Burke gelingt es nicht, RoboCop auf ähnlich glaubwürdige Weise agieren zu lassen.

Das Ganze ist aber ein solcher Blödsinn, dass sich zumindest niemand langweilen dürfte. RoboCop 3 ist für Robocop das, was Batman & Robin für Batman war. Schund im Vergleich zum Original. Und zwar ein derart immenser Schund, dass man sich auf eine schmerzvolle Art nicht langweilt.
Im Gegensatz zum drei Jahre älteren RoboCop 2 funktionieren immerhin ein paar kleinere Gags. Außerdem ist der Sci-Fi-Film im ersten Drittel nicht vollkommen spannungsos. Trotzdem ist die einzige Weise, auf die der Film funktioniert und halbwegs unterhält, eine ursprünglich keinesfalls beabsichtigte.

Das Finale löst ein, womit etliche Andeutungen im Vorfeld bereits drohten. RoboCop schnappt sich ein Robo-Raketenrucksack und zeigt, wie es aussähe, wenn The Asylum sich Iron Man vorknüpfen würden.
Zwischendurch gibt es den vielleicht absurdesten Match-Cut der Filmgeschichte und viele andere Gründe, die dafür sorgen, dass man sich mit seinem eigenen Kopfschütteln eine Art von Unterhaltung beschert, die nur ganz bestimmte Filme bescheren.

Fazit

Vorlaute Hacker-Gören, Schauspieler, die aus den tiefsten Verliesen der Traumfabrik herauf delegiert wurden, und ein Drehbuch, das nur aus Rachegefühlen heraus entstanden sein kann, führen dazu, dass kein Mensch sich ernsthaft darüber aufregen kann, dass RoboCop 2014 als Neustart frisch in die Kinos zurückkehrt.
Niemand erwartet oder wünscht auch nur, dass Paul Verhoevens Klassiker ersetzt wird, aber besser als die beiden Fortsetzungen des Kulthits kann José Padilhas modernisierte Interpretation eigentlich nur werden.

Alarm im Weltall

Shakespeares Der Sturm im 23. Jahrhundert. Die Insel wird ein Planet, Ariel wird zum Roboter, Prospero zum größenwahnsinnigen Wissenschaftler und der Protagonist wird von niemand geringerem als Leslie Nielsen in seiner ersten großen Rolle gespielt. Warum die gewagte Adaption eines der wichtigsten Sci-Fi-Werke überhaupt ist, dazu mehr im ausgelagerten Blogeintrag zur historischen Bedeutung von Forbidden Planet.


Quiet please. I am analyzing.

Story

Vor 20 Jahren landete das Raumschiff Bellerophon mit Kolonisten auf der Planetenoberfläche von Altair 4. Der Kontakt brach ab und irgendwann verfestigten sich die Befürchtungen, dass der Besatzung etwas zugestoßen sein muss.
Kapitän Adams hat den Auftrag, mit seinem Raumkreuzer auf Altair 4 zu landen und herauszufinden, wieso es nie wieder ein Lebenszeichen gab.
Als sie in den Orbit des Planeten kommen, können sie über Funk einen der Kolonisten erreichen. Er heißt Dr. Edward Morbius und rät dem Suchtrupp nachdrücklich davon ab, zur Landung anzusetzen. Doch da man die lange Reise nicht umsonst gemacht haben will, schlägt man die Warnung in den Wind.
Sie staunen nicht schlecht, als nach der reibungslosen Landung ein Roboter mitsamt Roboterauto angeflitzt kommt und den Kapitän und zwei seiner Besatzungsmitglieder zur Residenz von Dr. Morbius transportiert.
Dieser überrascht nicht nur mit seiner reizenden Tochter Altaira, sondern auch mit der Auskunft, dass die gesamte Besatzung der Bellerophon kurz nach der Landung von einer unbekannten Macht auf brutalste Weise getötet wurde. Nur er und seine mit Altaira schwangere Gattin, die jedoch weniger später eines natürlichen Todes starb, blieben verschont. Seither lebt er alleine auf dem Planeten und erforscht die technischen Relikte der ehemaligen Planetenbewohner: Die vor Jahrtausenden ausgestorbene hochentwickelte Alienrasse der Krell.
Da Morbius fürchtet, den Neuankömmlingen werde ein ähnlich grausames Ableben bevorstehen, wenn sie zu lange auf dem Planeten verweilen, drängt er sie, schnellstmöglich wieder abzuziehen.

Kritik

Eigentlich würde es genügen, den überwältigenden Vorspann zu zeigen, der viel besser wiedergeben kann, was dieser Film ist, als jede Rezension es vermag. Wabernde, bedrohliche und zugleich lockende elektronische Geräusche, die sich wie von alleine zum eigentümlichen Score des Filmes zusammenfügen. Währenddessen läuft der Vorspann in Star Wars-Gelb.
Nicht nur das Sounddesign, auch die Ausstattung und die fabelhaften Sets sorgen dafür, dass die Diegese perfekt sitzt. Altair 4 ist ohne Frage ein ziemlich wundersamer Planet. Er wirkt fremdartig, aber nicht bedrohlich, obwohl stets eine animalische Gefahr im Hintergrund zu spüren ist. Dafür sorgen auch die kontrastreich dargestellten semantischen Räume. Das Anwesen von Morbius und Tochter ist edel und prunkvoll und von einem beinahe paradiesisch anmutenden Garten umgeben. Der robotische Hausdiener Robby ist zugleich Butler und Freund. Der Rest des Planeten scheint dagegen aus einer gigantischen Wüste aus Sand und Fels zu bestehen. Die unbekannte Weite, in der Raumkreuzer C57D landete, bietet den Besuchern keinerlei Schutz vor den verborgenen Gefahren des Planeten.
Das Raumschiff selbst hat die Form eines klassischen UFOs und lässt keinen Zweifel daran, dass die Protagonisten in diesem Film die eigentlichen Invasoren sind und einen Einsiedler behelligen, der eigentlich nur in Frieden seinen Forschungen nachgehen möchte. Auch wenn am letztlich natürlich alles anders kommt und der geniale Dr. Morbius etwas Entscheidendes übersehen hat, was nur unsere Helden aufdecken können, bleibt am Ende die Frage offen, ob nicht alles deutlich besser verlaufen wäre, wenn das Raumschiff unter dem Kommando von Kapitän Adams nach den anfänglichen Warnungen einfach kehrtgemacht hätte.

Etwas absonderlich und trotzdem in gewisser Weise passend ist das obskure Verhalten der Figuren, wenn es um die Annährung von Mann und Frau geht. Als die drei Gesandten der Erde unerwartet auf die wimpernklimpernde Tochter des Doktors treffen, verfallen sie allesamt ohne Umschweife in den Balzmodus und übertreffen sich ständig gegenseitig in Sachen unverfrorene Anmache.
Überhaupt ist das Frauenbild in Alarm im Weltall ein eigenartiges. Altaira ist das unbekümmerte Naivchen ohne Scham und Ahnung, das ganz aus Versehen verführt wird. Ihr weltfremdes Verhalten – und somit ihre Figur –  wird aber dadurch gerechtfertigt, dass sie die Welt und die dortigen Gebräuche überhaupt nicht kennt und ihr Vater der einzige Mensch ist, den sie in ihrem Leben gesehen hat. In ihrer Unschuld erinnert sie etwas an die von Zivilisation abgeschotteten Naturvölker, auf die die Expeditionsteams in unzähligen Abenteuerfilmen vergangener Tage stoßen.
Abgesehen davon geben sowohl die Figuren als auch ihre Darsteller keinen Grund zur Klage.
Besonders sorgfältig ausgebaut ist der Doktor, der einerseits ungesund intensiv an seine neue Heimat gebunden ist, trotzdem aber schmerzhaft die Konversationen mit anderen Menschen vermisst.
Die Crew besteht nicht nur aus einem Haufen Raumfahrer, die ihr Leben der Wissenschaft verschrieben haben, sondern ist in erster Linie eine Meute von Männern, denen die Einsamkeit des Alls schwer zu schaffen macht.

Lange Zeit war es Gang und Gäbe, wirkliche Monster zwar zu erwähnen, sie aber nicht zu zeigen, sondern es der Fantasie des Publikums zu überlassen, sich die bestialischen Einzelheiten auszumalen. Zu groß war die Gefahr, dass das präsentierte Ungeheuer lächerlich wirkt und dieser Effekt ganze angezielte Stimmung des Filmes unter sich begräbt. Alarm im Weltall folgt dieser Devise und weicht trotzdem von ihr ab. Die außerirdischen Krell bekommt man kein einziges Mal zu Gesicht – nur die dreieckigen Türrahmen lassen vage Schlüsse auf ihre Anatomie zu und verführen den Zuschauer dadurch zu den waghalsigsten Spekulationen über das Erscheinungsbild der ausgelöschten Rasse. Die gegenwärtige Gefahr, nämlich das mysteriöse Monster, das die Crew später heimsucht, ist unsichtbar und anfangs geben nur die tiefen Fußabdrücke im Sand und das sich unter seinem Gewicht biegende Metall Aufschluss über die Beschaffenheit des Dings. Völlig überraschend wird es später aber doch gezeigt – und wirkt dank eines gerissenen technischen Kniffs tatsächlich so schauerlich, wie man es sich ausgemalt hat.

Nicht bloß die aufwendigen handgemachten Effekte unterhalten heute noch, ohne dass sie große Verschleißspuren aufweisen, auch die eigentliche Geschichte war damals so ideenreich und modern, dass sie dem Plot neuerer Werke in nichts nachsteht.

Fazit

Alarm im Weltall überzeugt sowohl im Detail als auch im Gesamtbild. Die beeindruckende Ausstattung, das Gleichgewicht zwischen Anspannung und lustigen Sprüchen, die interessante Geschichte und die unzähligen überraschenden Details sorgen dafür, dass der Sci-Fi-Klassiker nicht nur historisch interessant ist, sondern auch aus heutiger Sicht ein außerordentliches Filmerlebnis verspricht, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Und sei es nur, um das erstaunliche Experiment zu beobachten, in dem William Shakespeare, Siegmund Freud, Leslie Nielsen und Science-Fiction miteinander gekreuzt werden.

„Alarm im Weltall“ und sein Verdienst an der Science-Fiction

Photographed in Eastman Color

Forbidden Planet, um wenigstens ein einziges Mal den Originaltitel des Filmes zu nennen, hat in einem solch enormen Maße dazu beigetragen, die Science-Fiction-Welt der letzten 60 Jahre zu konstituieren, dass ein paar diesbezügliche Randbemerkungen am Fuße der Kritik einfach nicht ausreichend wären.
Deshalb folgt der Versuch, ein paar der wichtigsten geschichtlichen Details zu komprimieren und ihre Wirkweise nachzuvollziehen, um dem Film auf diese Weise den Dank dafür auszusprechen, dem Science-Fiction-Genre so viele fantastische Neuerungen gebracht zu haben.

Bekanntlich waren die 50er die Zeit der UFO-Hysterie und bekanntlich kann es für Film nichts Schöneres geben, eine solche Hysterie möglichst intensiv zu bedienen. Jahre vor der bemannten Raumfahrt galt die allgemeine Annahme, dass interstellares Reisen in einer geräumigen Kapsel mit erdähnlichen Zuständen an Bord vonstattengehen würde. So auch hier. Neu war hingegen, dass nicht die grünen Männchen in ihren Fliegenden Untertassen invadieren, sondern dass die Menschen selbst in einer solchen Untertasse durchs All schwirren und fremde Planeten besiedeln. Auch, wenn das, was damals unter zum Staunen einladenden Ausstattung eines Raumschiffes verstanden wurde, für heutige Augen aussieht, wie die Innereien eines ausrangierten U-Boots.
Maßgeblich waren vor allem die erzählerischen Details (zum Beispiel gibt es genau genommen keinen wirklichen Antagonisten), die Innovation in die Vorstellung von der Zukunft brachten und die futuristische Vision von Alarm im Weltall gleichermaßen fantastisch und glaubwürdig gestalteten.

Robby der Roboter

Allem voran natürlich Robby der Roboter. Obwohl der Blechkamerad auf dem offiziellen Filmposter wie ein bösartiger, Jungfrauen entführender Unhold aussieht, handelt es sich eigentlich um einen servilen und treuen Kumpanen mit Gentlemen-Attitüde. Aus hunderten von Entwürfen wurde schließlich dieser eine gewählt. Für seine Herstellung wurde extra eine neue Art von Plastik entwickelt und Material, Technik und sogar Erbauer wurden modernster Luftfahrttechnik entliehen. Das Ergebnis war die perfekte Illusion eines Roboters, die auch heute noch funktioniert. Dass eigentlich ein Mensch in seinem Inneren sitzt und sich abmüht, das Konstrukt nicht zu Fall zu bringen, kommt einem auch über ein halbes Jahrhundert später nicht in den Sinn. Wenn seine mechanischen Funktionen am Rattern waren, verursachte er durch die unzähligen sich bewegenden Teile ein solches Getöse, dass die Filmcrew sich nur durch Brüllen und Gestikulieren verständigen konnte und sämtliche Szenen, in denen er auftauchte, anschließend nachsynchronisiert werden mussten. Seine Fähigkeit, Dinge in seiner Analyseschublade zu untersuchen und daraufhin zu reproduzieren (in Alarm im Weltall in erster Linie Schnaps), war eine gänzlich neuartige Idee und wurde danach unzählige Male aufgegriffen. Die bekanntesten Nachfahren dieser Technik dürften sicherlich die Replikatoren aus Star Trek sein.

Sogar Isaac Asimovs Robotergesetze, die 14 Jahre vor Filmentstehen niedergeschireben wurden und seitdem die Etikette eines jeden braven Roboters definieren, fanden ganz offensichtlich Beachtung, denn Robby ist es nicht erlaubt, menschlichen Wesen zu schaden und hat ein ernstliches Problem, wenn ein Befehl seines Meisters und Gesetz Nummer 1 nicht miteinander in Einklang zu bringen sind.

  1. Ein Roboter darf kein menschliches Wesen (wissentlich) verletzen oder durch Untätigkeit gestatten, dass einem menschlichen Wesen (wissentlich) Schaden zugefügt wird.
  2. Ein Roboter muss den ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen – es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel eins kollidieren.
  3. Ein Roboter muss seine Existenz beschützen, so lange dieser Schutz nicht mit Regel eins oder zwei kollidiert.

Mit seinen Produktionskosten von 125.000 Dollar handelte es sich bei Robby um den kostspieligsten Spezialeffekt seiner Zeit. In der Zeit nach dem Kinostart wuchs der freundliche Roboter zum Kultstar heran und erhielt bereits ein Jahr nach Alarm im Weltall seinen eigenen Film namens The Invisible Boy (Kritik folgt). Auch wenn es sich hier vermutlich nicht im erster Linie um Fanservice handelte, sondern um den Versuch von Metro-Goldwyn-Mayer Pictures, mit dem Dollar verschlingenden Blechungeheuer wieder möglichst viel Geld reinzubekommen. In den darauffolgenden Jahrzehnten hatte er unzählige Gastauftritte in Shows, Filmen und Episoden namenhafter Serien. Heute kann man ihn nicht nur in einem Atemzug mit R2D2 und C3PO nennen, sondern muss im Bezug auf die beiden auch seine Vaterrolle anerkennen. Auch gewisse Ähnlichkeiten zu den Dalek aus Dr. Who sind nicht von der Hand zu weisen. Übrigens ist Alarm im Weltall außerdem der allererste Film, in dem ein Computer namentlich Erwähnung findet – es ist der geheimnisvolle Rechner der Krell.
Heute genießt Robby seinen Ruhestand in der Robot Hall of Fame an der Seite von weiteren Sci-Fi-Ikonen wie HAL 9000, Maria und dem T-800.

Direkter Einfluss auf die Großen: Star Trek und Star Wars

Und wenn schon von Vaterschaft, Star Trek und Star Wars die Rede ist. In Star Wars finden sich neben dem Androiden-Duo einige weitere Referenzen auf den Sci-Fi-Klassiker. Insbesondere das Innere Todessterns gleicht der atemberaubenden Maschinenhalle im Bauche des Planeten Altair 4 in bestimmten Details bis aufs Haar. Auch diese Dimensionen waren es, die damals für offene Münder sorgten. Die kilometertiefen Schächte in den Eingeweiden des Planeten, in denen sich Maschinen seit Jahrtausenden selbst warten und ununterbrochen am Laufen waren, während Generationen und Zivilisationen aus dem Staub erwuchsen und wieder zu Staub zerfielen, wurden dank gewiefter Tricktechnik simuliert, sodass die Illusion auch heute noch makellos funktioniert. Die Staubwolke am Horizont, die den ersten Auftritt von Robby ankündigt, gibt Aufschluss darüber, wie unfassbar groß das Set damals gewesen ist.
Außerdem nahm Alarm im Weltall bereits einen ganzen Kübel klassischer Star Trek-Elemente vorweg. Nicht nur die Analyse- und Reproduktionsfähigkeit Robbys, auch die Struktur der klassischen Enterprise-Außenbordmission, die Konstellation des Erkundungstrupps, die überlegene, aber verblichene außerirdische Zivilisation, die internationale Zusammenstellung der Crew (ein russischer Arzt!), die kurze Erwähnung der „vereinten Planeten“, welcher die Erde angehört, die unverwechselbaren Phaserwaffen und so weiter. Gerüchten zu Folge soll Gene Roddenberry anfangs sogar Pläne gehabt haben, eine Serie zu Alarm im Weltall zu entwerfen, als deren Pilot eben dieser Film fungieren sollte. Und genaugenommen hat er dies getan. Nur dass die Serie Star Trek/Raumschiff Enterprise genannt wurde.

Die Filmmusik

Schaut man heute Alarm im Weltall sorgen all die aufgezählten Elemente natürlich kaum für Erstaunen, weil das ehemals Neue nach und nach zu dem Standard wurde, der als Fundament für einige der bekanntesten Geschichten des vergangenen Jahrhunderts diente. Was nach wie vor auch ganz ohne diachronisch geschärften Blick beeindruckt, ist die phänomenale Musik.
Louis und Bebe Barron wurden eigentlich lediglich engagiert, um als Tontechniker ein paar ausgefallenen Soundeffekte beizusteuern. Nach den ersten Ergebnissen war man aber so begeistert, dass das Ehepaar prompt für die gesamte Musik des Filmes angeheuert wurde. Das Ergebnis ist eine der schrägsten und mitreißendsten Untermalungen, die einem Film – egal welchen Genres – je beschert wurden. Schon der Vorspann weiß dank der speziellen Musik sofort zu fesseln.
Es handelte sich um den ersten elektronischen Score in der Geschichte des Films. Und das in einer Zeit, in der Synthesizer in ihrer bekannten Form noch nicht existierten. Daher mussten alle Instrumente, um die einmaligen Soundlandschaften des Filmes zu kreieren, eigens entworfen und gebaut werden. In durchwachten Nächten wurde getüftelt und improvisiert, bis das Ergebnis stand, was gewissermaßen die Geburtsstunde elektronischer Musik darstellte.
Die Gewerkschaft der amerikanischen Filmmusiker sah das jedoch etwas anders. Da keine konventionellen Instrumente Verwendung fanden, wurde es dem Ehepaar gerichtlich verboten, ihr Werk mit „Filmmusik“ zu betiteln. Nicht Musik hätten die beiden geschaffen, sondern lediglich „elektronische Töne“.
In Folge wirkten die Künstler im Abspann des Filmes wie eine Randbemerkung und zu allem Übel blieb ihnen auch die wohlverdiente Oscar Nominierung verwehrt, weil sie sich nicht Komponisten nennen durften. Das Publik honorierte die Pionierarbeit von Louis und Bebe Barron dennoch mit einer Woge der Begeisterung.

Kosten und Erfolg

Ironischerweise sollte der Film trotz seines enormen Einflusses lange Zeit als Sargnagel für das Genre fungieren.
Das Studio wurde von der Preiswertigkeit des Filmes überzeugt, weil das außerirdische Ungetüm unsichtbar sein sollte. Als man sich dann dazu entschloss, es zumindest kurzzeitig doch zusätzlich zu animieren, wurde das Animationsstudio der Walt Disney Company konsultiert, woraufhin die Produktionskosten des Filmes in die Höhe schossen. Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen. Vielleicht zum ersten Mal überhaupt war ein Monster in der Fantasie nicht beeindruckender und furchteinflößender als das Gezeigte. Obwohl die Konturen des Biests nur für einige Sekunden vage zu erkennen sind, bleibt der schauderhafte Eindruck, den die unförmige Masse hinterlässt, für den Rest des Filmes bestehen.
Die aufwändigen Sets wurden nicht nacheinander, sondern simultan aufgebaut. Dabei nahmen die begeisterten Filmemacher absichtlich keine Rücksicht auf das zur Verfügung gestellte Budget. Der finanzielle Rahmen war schon lange gesprengt und die Vorbereitungen waren noch lange nicht abgeschlossen. Angesichts der vielen halbfertigen Kulissen blieb dem Studio jedoch keine andere Wahl, als die Finanzen aufzustocken, weil die Arbeiten bis zu diesem Zeitpunkt schlicht zu viele Geldbündel verschlungen hatten, um dem Projekt nun einfach so einen Riegel vorzuschieben zu können.
Alarm im Weltall kam bei seinem Kinopublikum nicht schlecht an, war aber weit entfernt von dem Kassenschlager, der nicht nur erhofft, sondern auch gebraucht wurde, um die Kosten über 4.900.000 US-Dollar wieder einzuspielen. Erst über die Jahre sollte der Film die Achtung erfahren, die ihm gebührt, und nicht nur eine ganze Generation begeistern, sondern auch deren Ideen und Vorstellungen maßgeblich prägen.
Trotzdem sollte viel Zeit verstreichen, ehe man es erneut wagte, einen A-Science-Fiction-Film zu drehen.

THX 1138

23 Jahre alt ist George Lucas, als er seinen fünften Studentenfilm dreht. Er hat eine Dauer von 15 Minuten, die hauptsächlich einfangen, wie ein Mann mit der Nummer 1138 durch eine technokratische Welt hetzt, um dem System zu entrinnen. Der Name des Filmes lautet Electronic Labyrinth THX 1138 4EB und ist ein Nachfolger seines Filmes Freiheit.
Kurz darauf wurde er durch Zufall erst ein wertvoller Assistent Francis Ford Coppolas und wenig später dessen engster Freund. Angewidert vom hierarchischen System Hollywoods und dessen versteinerten Strukturen, gründeten beide das unabhängige Studio American Zoetrope. Zusammen mit vielen kreativen Köpfen arbeiteten sie an der Umsetzung von Filmen, die freier, gewagter und unkonventioneller werden sollten als das, was die Graue Eminenz der Traumfabrik wiederkäute.
Das erste Projekt war eine Langfassung von Lucas‘ dystopischem Kurzfilm.

Story:

Der Film fängt an mit dem Ende der zweiten Episode des 1939er Buck Rogers. „Tragedy on Saturn“ flimmert über die Mattscheibe, dann erst ist es dem Zuschauer vergönnt, einen Blick auf die wirkliche Welt von THX 1138 zu werfen. Er wird feststellen, dass sich nominell erst einmal wenig seit dem Kurzfilm getan hat, Setting und Handlung sind weitestgehend identisch, beides wurde aber um entscheidende Elemente erweitert.

THX 1138, so die Bezeichnung der Hauptfigur, wurde hineingeboren in eine Welt der Totalitäten – totale Effizienz, totaler Konsum, totale Nivellierung, totale Überwachung. Menschen werden vom System einem Wohnpartner und einer Arbeit zugeteilt. Sie sind nicht mehr als Masse, die dazu dient, Lücken in der Produktionskette zu schließen. Das gesamte Dasein steht im Dienst der permanenten Erzeugung zur permanenten Konsumtion. „Work hard, increase production, prevent accidents, and be happy.“ Das Individuum ist nur eine Nummer und so austauschbar wie eine Schraubenmutter. Triebe, die dieser Gesellschaft nicht direkt von Nutzen sind, werden durch Drogen einfach unterdrückt. Die Verweigerung der vorgeschriebenen Ration ist ebenso eine verbrecherische Handlung wie der Geschlechtsakt, beides wird mit umgehender Eliminierung sanktioniert. Um jene zähen Bedürfnisse, die sich nicht rückstandslos durch Medikamente betäuben lassen, kümmern sich in letzter Instanz ein primitives Fernsehprogramm und reizende Fahrstuhlmusik. Sollten sich trotz allem Zweifel oder Unzufriedenheit bilden, wird einem verständnisvollen Terminal alles gebeichtet. Gott wurde nicht ersetzt von einem Computer, der Computer wurde zu Gott. Die Bewohner sind derart entmenschlicht, dass sie mechanischer agieren als die allgegenwärtigen Wachroboter, deren Tonlage und Kleidung variabler ist als die uniforme Existenz ihrer Erschaffer.
Während THX seine Aufgaben anstandslos erfüllt, macht seine Mitbewohnerin Anstalten, aus dem ewigen Kreislauf auszubrechen. Sie verweigert heimlich die tägliche Dosis Drogen und tauscht später auch THX‘ Psychopharmaka aus. In Folge wachsen Sorge und Verwirrung in ihm heran, aber auch eine sonderbare Zuneigung für seine Zimmergenossin.

Und wieder flieht der Mann mit der Nummer 1138 durch die kalten Räume vor seinen Häschern.

Kritik:

Lucas‘ Weiterspinnen gegenwärtiger Situationen ist vielleicht nicht überall kohärent, dafür aber absolut stimmig. Jede Kameraeinstellung sitzt, jeder Ton trifft ins Schwarze, die Bildkompositionen sind ausgeklügelt und strotzen vor Eleganz. Die Welt in den engen Räumen vermittelt eine beispiellose Klaustrophobie und jeder Schnitt trägt seinen Teil zur Stimmung bei. Dies ist umso verwunderlicher, wenn man sich vor Augen führt, mit welcher Eile das junge Team den Film geschaffen hat. Immer die Zeit im Nacken, an zufälligen Orten drehend und nur im Ausnahmefall mit einer Genehmigung, fing man THX 1138 im Sauseschritt mit der Kamera ein. In erster Linie kam dabei ein wahnsinnig guter, bewundernswert zeitloser Film heraus, der keinen Deut von seiner imponierenden Sogwirkung eingebüßt hat. In zweiter Linie handelt es sich um das erste unzweideutige Zeugnis von dem wahnsinnigen Talent des Filmemachers, der später mit Indiana Jones und Star Wars zwei Marken ins Leben rufen sollte, die nicht nur die Filmkultur für immer veränderten. So ehrlich, eindringlich und intensiv wie sein Langfilmdebut sollte aber keine seiner späteren Produktionen mehr ausfallen.
Verdaulicher, unbeschwerter und epischer wurden seine Filme. Vielleicht wäre es anders gekommen, wenn THX 1138 nicht von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen wäre. Warner Bros reagierte aufs Höchste irritiert, als Coppola ihnen den Film vorstellte. Lucas‘ Erstling wurde nicht angenommen und American Zoetrope hatte das im Voraus gezahlte Geld, das lange schon ausgegeben war, zurückzuzahlen. Vielleicht dachte man sich auch dort, dass THX 1138 mit ein wenig Fantasie als Parabel auf das seelenlose Treiben im schwerfälligen Studiosystem lesbar war.
Dieses Desaster trieb das ambitionierte Team an den Rande des Ruins, dem es nur knapp durch Coppolas Überraschungserfolg Apocalypse Now entrinnen konnte.
Nach einem weiteren Versuch nahm sich Warner Bros THX 1138 zwar an, doch wurde der Science Fiction-Film gegen den Willen des Regisseurs umgeschnitten und um 5 Minuten gekürzt. Er kam schließlich quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit in die amerikanischen Lichtspielhäuser und blieb – einzelner wohlwollender Kritiken zum Trotz – nahezu unbeachtet. Die idealistische Künstlerkommune war danach nie wieder dieselbe. Wie die Zusammenarbeit der kreativen Köpfe, in deren Wirkkreis auch weitere namenhafte Personen ihrer Generation wie z.B. Martin Scorsese flanierten, sich ohne diesen Rückschlag weiterentwickelt hätte, kann nur gemutmaßt werden. Was stattdessen geschah, ist Geschichte.

Fazit:

Erst im Zuge der DVD-Veröffentlichung im Jahre 2004 unterzog man den Film einem aufwändigen Restaurationsprozess. Die ursprüngliche Schnittfassung wurde rekonstruiert und Bild und Ton erhielten eine achtbare Frischzellenkur.
Das Ergebnis ist ein Film, der (insbesondere auf BluRay) aussieht, als wäre er irgendwann nach der Jahrtausendwende entstanden anstatt 1971. Tricktechnisch wirkt THX 1138 so taufrisch, dass Machwerke wie Michael Bays Die Insel gleich in mehrfacher Hinsicht drittklassig und überholt erscheinen.
Wirklich wichtig ist jedoch, dass der Transfer in die Moderne diesem Klassiker zwar ohne Frage fantastisch zu Gesicht steht, ihn aber natürlich nicht besser gemacht hat. THX 1138 ist heute ebenso großartig wie er es damals schon gewesen ist und auch in der Zukunft noch sein wird, wie dystopisch diese auch ausfallen mag.