Lost in Space

Ein Jahr vor den Serien Raumpatrouille Orion, The New Adventures of Superman und Star Trek, ganz kurz nach dem Start von Outer Limits, Mein Onkel vom Mars und Doctor Who. Inmitten dieser goldenen Zeit serieller SF kam die Science-Fiction-Serie Lost in Space bzw. Verschollen zwischen fremden Welten in die heimischen Wohnzimmer. Die Geschichte basierte ihrerseits auf einer Comicheft-Reihe und einem Kinderbuch, um in drei Staffeln nicht nur indirekt, sondern ganz geradeheraus eine klassische Familiengeschichte erzählen. Im Weltraum. Versteht sich.
Mehr als 30 Jahre später fand eine Auferstehung der Geschichte um Familie Robinson statt.

Never love anything, kiddo, you will just end up losing it.

Story

Oberflächlich hat die Erdbevölkerung ihre Konflikte beigelegt und in gemeinsamer Arbeit die bemannte Raumfahrt revolutioniert. Inoffiziell aber steht der Blaue Planet kurz vor dem Tode, es herrscht Krieg gegen eine dubiose Untergrundbewegung und die Notwendigkeit, so schnell wie möglich einen neuen Planeten mit irdischen Zuständen aufzuspüren, ist dringender denn je.
Professor John Robinson ist die Speerspitze der dahingehenden Forschung und soll gemeinsam mit seiner Familie als erster Mensch durch ein Hypergate geschickt werden, um den Planeten Alpha Prime zur Kolonisierung vorzubereiten. Die pubertierende Tochter verfällt in offensives Schmollen, der so vernachlässigte wie hochbegabte Sohnemann hat im Kampf um die Aufmerksamkeit seines Vaters längst kapituliert und Ehefrau und Mitforscherin Maureen versucht erfolglos die Wogen zu glätten.
Das Schiff startet ohne Komplikationen seine Schnellreise und die zerstrittene Familie Robinson liegt gemeinsam mit dem Maulhelden Major West und ihren Konflikten im Kälteschlaf. Doch nicht alles verläuft nach Plan: Saboteur Dr. Smith befindet sich an Bord, so ziemlich alles geht schief und plötzlich befinden sich die Reisenden gemeinsam mit dem Übeltäter fernab von Ziel- und Ursprungsort in den weiten des unbekannten Raumes.

Kritik

Regiesseur Stephen Hopkins und Autor Akiva Goldsman haben sich einer Aufgabe angenommen, die auf den ersten Blick zwar wenig spektakulär wirkt, in Wahrheit aber eine sehr komplizierte ist.
Wie so manche Serien der 60er lebte Lost in Space von dem Geist dieser Zeit. Noch vor der ersten Mondlandung wird eine Familie in Falten werfenden, kunterbunten Anzügen durch eine kindliche Vorstellung vom Weltall geschickt, um schrille Abenteuer zu erleben und nebenbei zu lernen, (wieder) miteinander auszukommen sowie natürlich allerhand Abenteuer durch die Kombination ihrer jeweiligen Stärken zu bestreiten. Besonders die erste Staffel ist eine nach wie vor sehenswerte Abenteuerfahrt, deren Charme sich ob der vergilbten Effektlandschaft zwar ein wenig verschoben hat, aber ohne Frage vorhanden ist.

Autor Akiva Goldsman hat häufig bewiesen, dass er a) ein Saboteur ist, der Hollywood mit seinen Filmen zu stürzen gedenkt, und b) einen Ghostwriter für den sich qualitativ von seiner restlichen Arbeit verdächtig stark abhebenden A beautiful Mind angeheuert und anschließend getötet haben muss. Batman Forever, Batman & Robin (immerhin zusammen der Grund, weshalb das Filmfranchise bis Christoper Nolan tot war) und I, Robot sind beispielhafte Bürgen dieser Thesen.
Lost in Space kann in dieser Hinsicht als sein Opus magnum bezeichnet werden. Und dann auch wieder nicht.

Aus der ikonischen Familie Robinson wurden ständig brabbelnde Figuren, die aber nie irgendwas irgendwie Wichtiges oder Berührendes, geschweige denn sinnvolles mitzuteilen haben. Es sind überwiegend schreckliche Dialoge, die auf zum Schreien schreckliche Weise dem Zuschauer mitteilen sollen, was der Stand der Dinge ist, dabei aber beinahe für Kopfschmerzen sorgt. Die unentwegte Produktion leerer Sätze unterstreicht ihr unsinniges Agieren und die ebenso unsinnigen Motivationen hinter den Taten. Die offenkundigsten Sachverhalte sind ihnen Rätsel, Begegnungen mit dem Tod, Außerirdischen oder anderen fantastischen Begebenheiten ringen ihnen nicht einmal ein müdes Lächeln ab.
Die Hauptfiguren sind seltsam laut, überzeichnet und scheinen im großen und ganzen direkt aus den 80ern zu kommen. Und damit sind sie in guter Begleitung
Denn auch der Humor der müden Sprüche scheint diesem Jahrzehnt ebenso entnommen zu sein wie die Mode.
Dazu bekleidet mit Matt LeBlanc ein bekanntes Gesicht aus Friends eine Hauptrolle und darf unerbittlich neben William Hurt verblassen, der quasi alle guten Eigenschaften des Filmes auf sein Konto nehmen kann.
Es ist also schon seltsam, was da für ein Brei kreiert wurde: Ein Film kurz vor der Jahrtausendwende erzählt eine Geschichte aus den 50ern über das Jahr 2058 in dem Stil der 80er, während er sich auf die Starpower der 90er verlässt.
Diese sonderbare Form der Entscheidungsschwierigkeit zeichnet sich auch an anderen Stellen ab. So kann sich der Film anfangs nicht entscheiden, ob er zu geringen oder hohem Maße Comic sein will und weist daher immer wieder Inkonsistenzen in seinem Tonfall auf. Dies lässt sich vor allem an Garry Oldmans Bösewicht aufzeigen – ein halb hysterisch brüllender Übeltäter ohne Motivation. Die ihn begleitende Musik – und Musik begleitet ihn quasi bei jeder seiner Szene – ist entweder diabolisch, quatschig oder irritierend unpassend, weil sie im letzten Fall versucht, John Williams Star-Wars-Soundtrack zu kopieren, und sich in allen andere nicht entscheiden kann.
Zurückzuführen ist diese wilde Unentschlossenheit wohl darauf, dass man versuchte, die ganze Serie in 2 Stunden Film zu pfropfen und dabei möglichst allem gerecht werden wollte. Das Ergebnis ist die Summe von nahezu sämtlichen Sci-Fi-Klischees und denkbar ungeschickter Ausführung: Ein vor sich hin plappernder Roboter, außerirdische Insektenstahlmonster, eine Weltraumodyssee, Kämpfe gegen Gegner aus der eigenen Reihe, Zeitreiseverirrungen und Cartoonfiguren. Und diese Summe ist krumm. Auf der Strecke bleibt dabei jede Art von Logik – bis hin zu der Tatsache, dass nie ganz klar ist, was Garry Oldmans Bösewicht eigentlich vorhat und wie es nach dem Ende weitergehen soll.

Immerhin: Bis zu diesem Ende wird versucht, dieses Durcheinander aufrechtzuerhalten, weshalb der Film von Minute zu Minute absurder und alberner wird. Durch diese mitnichten souveräne, auf seine unlogische Weise aber zumindest konsequent scheiternde wie unausgegorene Kombination von allerhand Bekanntem schafft es Lost in Space dann irgendwie doch noch, alles andere als Durchschnitt zu sein. Auf eine Weise, bei der man sich schon mal die Augen reibend fragen kann, in welcher Form die Pferde denn da mit dem Drehbuchautor durchgegangen sein müssen. So sehr, dass er fast als ein kleines Guilty Pleasure durchgehen könnte. Fast.
Denn irgendwann ist klar: Lost in Space will und kann nicht anders wahrgenommen werden als eine Art filmischer Jahrmarkt. Die Geschichte spaziert bei leichtem Nieselregen von einer konstruierten Attraktion zur nächsten, steigt unbeeindruckt in zuckelnde Miniaturfeuerwehrautos, wartet ab und wechselt dann zum nächsten Fahrgeschäft. Die Effekte die Zuckerwatte, der Humor die Erinnerung daran, dass diese Art der Vergnügung sich an Kinder richtet.
Trotzdem sind sie nicht alleine, sondern mit der Familie da. Und so schließt sich der Kreis, denn bei all der Ansammlung von SF-Klischees bemüht sich der Film immerhin um das eine Alleinstellungsmerkmal, auch eine durch und durch klassische Familiengeschichte zu beherbergen. Dass das Familienelement nicht funktioniert sei dahingestellt, über solche Qualitätsansprüche sind wir sowieso schon hinweg.

Fazit

Wäre Lost in Space eine Suppe, dann wäre ihr Koch ein ahnungsloser Schuster, der alle Zutaten, die er findet, hineinkippt und zum Ausgleich sämtliche Gewürze vergisst. Das Ergebnis wurde durch die ganzen Farben braun, weil sich die meisten Zutaten nicht miteinander vertragen und in seinem Geschmack auf eine ungeheuerliche Weise interessant. Lost in Space ist aber keine Suppe. Die Geschichte ist ein konfuses Durcheinander, der Film sich seiner angestrebten Zielgruppe wohl lange Zeit nicht sicher und jede Form von Gespräch ist, gelinde gesagt, kein Gewinn. Dass sich Lost in Space in seiner naiven Comicwelt um so etwas wie Logik und Charakterentwicklung überhaupt nicht schert, sondern ganz einfach seinen kunterbunten Quatsch abzieht, hat aber eine Art von exzentrische Reiz, der in seiner seltsamen Form verlockend wirkt.

RoboCop

Das Thema RoboCop und seine wenig rühmlichen Nachfolger und Auskopplungen neu aufzulegen, das war ein lang gepflegter Plan. Darren Aronofsky war im Gespräch und auch kurz vor der Umsetzung. Sein Ersatz sorgte dann für Erstaunen – ausgerechnet der Brasilianer José Padilha, der dato nur durch seine beiden Tropa de Elite-Filme von sich Reden machte, sollte dem ikonischen Cyber-Bullen eine Frischzellenkur verpassen. Und irgendwie ist es ihm ganz anständig gelungen.

It’s not a suit, it’s you.

Story

2028 ist das Jahr des Friedens, wenn auch nicht in den USA. Der Megakonzern OmniCorp versorgt die Welt mit Polizeirobotern, die die Verbrechensrate in kürzester Zeit auf mikroskopisches Niveau schrumpfen. In Amerika verbietet das Dreyfus-Gesetz aber den Einsatz nichtmenschlicher Ordnungshüter.
Um es zu umgehen und die Vereinigten Staaten schleichend an automatisiertes Militär zu gewöhnen, ersinnt OmniCorp einen Kompromiss. Ein Hybrid muss her, halb Mensch, halb Maschine. Da kommt es gerade recht, dass Polizist Alex Murphy von korrupten Kollegen beinahe getötet wird.
Einige Monate später sind die kläglichen Überreste Murphys mit neuster Technologie verschmolzen und erlebt als Marketingmaschine RoboCop seine Wiedergeburt.
Die Motive des gesetzestreuen Stahlmannes, der die Liebe seiner Familie ebenso wie die Verursacher des Anschlages auf ihn sucht, lassen sich mit den monetären Interessen OmniCorps allerdings kaum vereinen. Daher wird der menschliche Anteil in RoboCop einfach drastisch reduziert.

Kritik

Die Technikkonzeption ist natürlich hervorragend – aber das ist bei einem Film, der sich RoboCop nennt, ja irgendwie auch zu erwarten. Wenn man zu Beginn sieht, wie Mechs und Blechsoldaten durch die engen Straßen donnern, hat das etwas intuitiv unangenehmes. So muss Dystopie funktionieren.
Doch irgendwie fragt man sich auch, wieso die Polizei Gerät zur Wahrung des Friedens herstellt, das aussieht, wie das Invasionswerkzeug einer bedrohlichen Alienrasse. Prävention durch Furcht scheint das Motto zu sein, aber so richtig nachvollziehbar ist diese Entscheidung trotzdem nicht. Schließlich sollte das Ziel sein, ein Gefühl von Sicherheit und nicht ein Gefühl ständiger Bedrohung hervorzurufen. Dass die Übertragung des eingangs gezeigten Auslandeinsatzes unter dem Motto „Operation Freedom“ läuft und natürlich in kürzester Zeit gewaltig eskaliert, ist etwas plump und vorhersehbar, trotzdem ist die Welt in sich stimmig und die Atmosphäre dicht.
Die Inszenierung wird ihr aber nur dann gerecht, wenn aus mittlerer bis großer Distanz das Szenario vorgeführt wird. Hier spürt man besonders, dass Regisseur José Padilha seine Wurzeln im eher nüchtern-dokumentarischen Fach hat. Sobald die Action losgeht, wird es sofort wackelig und unübersichtlich, vor allem aber uninteressant. Gerade die Feuergefechte werden mit frappanter Inspirationsarmut dargestellt. Der Ur-RoboCop konnte damals nicht nur mit entschieden mehr Ideen aufwarten, sondern bereicherte seine zynische Welt mit gekonnt ausgesuchten Gewaltspitzen. Die meisterhafte Gratwanderung zwischen Ernst und bitterer Satire hätte so natürlich auch kein zweites Mal geklappt und von daher ist es nicht allzu dramatisch, dass der modernisierte Robocop ein FSK 12 verpasst bekommen hat.
In vielen Szenen sieht man Potenzial hervorschimmern, sieht man, was aus dem Film hätte werden können, wenn man mehr Zeit und weniger Angst investiert hätte. Mehr Zeit für ein besseres Script, ein besseres Storyboard und ausgefeiltere Choreographieüberlgeungen. Weniger Angst vor einer zu hohen Altersfreigabe und verprellten Zuschauern. Das subversive Element, mit dem das Original groß rauskam, wird hier einfach ausgespart.

Die Debatte um die große Gretchenfrage – Patrouillen von Roboterwächtern ja oder nein? – birgt großes Potenzial und hätte dem Film mit einem Schlag eine höchst interessante Daseinsberechtigung verschafft. Eine Chance, die gnadenlos vertan wird. Stattdessen sind die wenigen Argumente, die das Drehbuch die beiden Parteien austauschen lässt, platt und unglaubwürdig. Die immer einen Deut zu stumpfen Dialoge sind etwas, das sich durch den ganzen Film zieht. Es schmälert nicht die Leistung des herausragenden Casts um Michael Keaton und Gary Oldman, nimmt den Schauspielern aber einiges an Wirkung, weil ihre Figuren sich ständig selbst diskreditieren. Selbst der mal wieder stark übertreibende Samuel L. Jackson als technophiler Fernsehprediger macht eine halbwegs gute Figur, wenn auch sein Charakter nichts Relevantes zur Geschichte beiträgt. Der Schwede Joel Kinnaman als Alex Murphy ist kein Peter Weller, gleicht ihm in vielen Einstellungen aber in erstaunlicher Weise und macht seine Sache auf ähnliche Weise gut.
Wie erwartet, wird dafür die Tragik des Mensch-Maschine-Dilemmas stärker betont. Ob das besser ist als im Original, ist wohl Geschmackssache. Der neue Alex Murphy ist meistens ganz er selbst, auch als Metallmann, Während sein 80er-Jahre-Pendant ja in erster Linie Maschine mit seltenen Persönlichkeits-Flashbacks gewesen ist. Die daraus entstehende Tragik, dass er seiner Familie nicht nur körperlich, sondern auch geistig fremd geworden ist, ist tendenziell eine größere als die des noch voll bei Sinnen seienden Polizisten in dieser Version. Bei der Modernisierung liegen die Dinge komplizierter, besser werden sie deswegen aber nicht zwangsläufig. Außerdem führt die Umgewichtung dazu, dass die eigentliche Krimi-Handlung kaum Raum einnimmt. Von zwei kurzen Ausflügen abgesehen, geht es in RoboCop nicht um die Bekämpfung von Kriminalität, sondern um RoboCop.

Dass man irgendwas entscheidendes ändern musste, war klar, denn Robocop ist ein Kultfilm, weil sein 80er-Jahre-Charme ihn die Essenz verleiht. Wenn das heutige Hollywood ein Remake dreht, lässt sich das nicht reproduzieren. Folglich muss das Robocop-Universum ernstzunehmender wirken, natürlich auf Kosten der unterkühlten Ironie des Originals.
Das mach den Film seriöser, aber auch austauschbarer. Ungeachtet solcher kleinerer Makel, muss man schlussendlich aber konstatieren, dass die Umgestaltung auf Auffrischung des blechernen Gesetzeshüters gelungen ist. José Padilhas Science-Fiction-Film ist nicht mehr die dystopische Copthriller-Version, sondern ein Drama in einem Setting, das der Gegenwart weitaus ähnlicher sieht als die ghettoisierten Unratberge, aus denen das ständig brennende Detroit der 80er-Jahre-Zukunft sich einst zusammensetzte.

Fazit

Nein, wie erwartet ist der RoboCop aus dem Jahre 2014 nicht besser als sein Ahne von 1987. Nichtsdestotrotz ist es ein gelungener Film geworden, der das vornimmt, wozu Remakes sich verpflichten: Er interpretiert den Ursprungsstoff neu, gibt der Materie eine völlig neue Richtung und schafft damit auf einem entliehenen Gerüst etwas eigenständiges. Und auch wenn der Film mitnichten fehlerfrei ist, kann man José Padilha für diese Leistung doch Respekt zollen.

The Prisoner

Patrick McGoohan schuf 1967 Nummer 6 – The Prisoner und nahm auch sogleich die Hauptrolle an sich. Die Serie war vorausschauend, mutig in der Themenwahl und bald schon gefeierter Kult.
Mehr als 40 Jahre später wagt sich der Sender AMC an ein Remake und schafft eine Mini-Serie, die mit dem Original so gut wie nichts gemein hat, aber gerade durch ihre Eigenständigkeit überzeugen könnte.

There is no New York. There is only the Village.

Story

Nummer 6, wie er bald heißen wird, steht in der Wüste. Weder weiß er, wer er eigentlich ist, noch ist ihm bekannt, wo er sich befindet. Nur an ein zufälliges Treffen mit einer seltsamen Frau und an die Kündigung seiner alten Arbeitsstelle erinnert er sich noch bruchstückhaft.
Nach einer Weile stößt er auf ‚Die Stadt‘. Ein Örtchen mitten im Nirgendwo, wo die Menschen vollkommen autark wohnen und nichts von einer Welt außerhalb ihrer Stadt wissen. Und Sechs muss bald schon feststellen, dass dies seinen Grund hat, denn die Wüste um die Stadt herum scheint unpassierbar und merkwürdige Phänomene sorgen immer wieder dafür, dass man zurück in der Siedlung landet.
Ihr von allen verehrter Regent ist Nummer 2. Ein älterer Herr, der sich an Nummer 6 ausgesprochen interessiert zeigt und offenbar mehr als nur ein kleines Geheimnis zu verwahren hat. Ebenso offensichtlich ist es aber, dass es sich bei ich m um einen äußerst gefährlichen Mann handelt.
Ehe Sechs sich umschauen kann, ist er in ein undurchsichtiges Vexierspiel aus Täuschungen, Doppel-, Dreifach, Anderthalb-Agenten und Identitätszweifeln verstrickt.
Gibt es eine Welt da draußen vielleicht wirklich nicht? Gehört er hierher? Will Nummer 2 nur das Beste für die lächelnden Bewohner?

Kritik

The Prisoner ist handwerklich tadellos gemacht, weiß mit Stimmungen umzugehen und hat eine nette Grundidee. Es sind andere Dinge, die der Sci-Fi-Serie ein Bein stellen. Vor allem das niemals nachvollziehbare Verhalten der Hauptfigur und die abgehackte, unentschlossen wirkende Erzählweise von The Prisoner.
Niemand, der sich in derselben Situation wie Nummer 6 befindet, würde sich so wie Nummer 6 verhalten. Nach knapp 25 Minuten weiß er mehr über die Stadt als jeder andere seit Jahrzehnten dort lebende. Vielleicht ist er einfach nur außergewöhnlich klug und mit einer unheimlichen Auffassungsgabe ausgestattet, aber würde er dann wirklich sofort zum Gegenspieler laufen und ihm seine nächsten Schritte über den Zaun herüber rufen, bevor er sie angeht? Die ganze Serie macht aus, dass Nummer 6 sich nicht mit Entscheidungsfindungen aufhält. Er leidet unter Entscheidungen, aber trotzdem trifft er sie immer so reflexartig und ad-hoc, dass sein Verhalten schon an Geisteskrankheit grenzt.  Diese sonderbaren Anwandlungen lassen sich mit viel gutem Willen und zielorientierter Interpretationsarbeit zwar im Ansatz erklären, doch so leicht und feige will man The Prisoner eigentlich nicht davonkommen lassen. Bei einer Serie, die nur 6 Episoden andauert und dabei eine solche Geschichte erzählen möchte, muss man Abstriche wohl in erster Linie bei der Charakterzeichnung hinnehmen. Doch so ungelenk, wie der Protagonist durch die Handlung gestoßen wird, muss es wirklich nicht sein.
Es fällt auch stark ins Gewicht, dass Jim Caviezel, der die Sechs verkörpert, ein Schauspieler mit eher limitiertem Talent ist. Auf Deutsch weiß sein gleichgültig klingender Synchronsprecher diesen Fakt noch zu untermauern. Mit fast schon teilnahmslosem Gesicht stolpert er durch die Stadt und reiht selten in sich schlüssige Handlungen aneinander. Vor allem neben Schauspielschwergewicht Ian McKellen fällt seine Durchschnittlichkeit deutlich auf. Daher ist es kaum verwunderlich, dass dessen Nummer 2 auch der heimliche Star der Serie ist deutlich mehr Screentime bekommt, als es einem Antagonisten eigentlich  zustehen würde.
Wem könnte man diese Entscheidung verübeln? Denn während Nummer 2 souverän und wunderbar diabolisch sein doppelbödiges Spiel nach eigenen Regeln spielt, prallt der eigentliche Hauptdarsteller von Ereignis zu Ereignis, ohne selbst wirklich was zu tun, und wird dennoch als Handelnder verkauft. Seine Gesichtsausdrücke beschränken sich auf Überraschung, Charme und Wut. Und nichts davon wirkt echt.

Die Geschichte ist, wie erwähnt, eine hakenschlagende Angelegenheit.  Anfangs freut man sich noch, dass es wohl doch nicht so plump wird, wie man es als leiderprobter TV-Schauer befürchten könnte. Stattdessen steigert sich die Science-Fiction-Serie nach dem ordentlichen Anfang erst einmal kontinuierlich. Geschickt spielt The Prisoner in den ersten Episoden mit den Erwartungen und Sehgewohnheiten des Zuschauers, wiegt ihn immer wieder für ein Weilchen in Sicherheit, um dann mit einer guten Wendung einen Teil der Karten doch wieder neuzumischen. Die Hintergrundgeschichte über den einzigen Abend, an den Sechs sich noch erinnert, ist geschickt eingeflochten und ergibt mit jeder Momentaufnahme, die von ihr preisgegeben wird, ein bisschen mehr Sinn. Tatsächlich gibt es wenig Effekthascherei und dafür relativ viel Substanz. Zwischendrin immer wieder atemberaubende Aufnahmen des Wüstenmeeres, in dem die Figuren unentwegt nach Rettung irren.
Schade nur, dass so viele Dinge einfach fallengelassen werden. In Folge 3 ist plötzlich jeder ein Agent, Doppelagent, Dreifachagent und womöglich noch mehr. Sechs wird in diesem Zuge Lehrer und gibt seiner Klasse einen interessanten Auftrag. Und der Zuschauer freut sich über diese unerwartete Wendung und die tolle Idee. In Folge 4 ist aber keine Spur mehr hiervon und die Serie macht einfach in anderer Richtung weiter. Furchtbar Enttäuschend.
Und auch Folge 5 und 6 machen den Aufstieg nicht mehr mit. Bis zum Ende der vorletzten Episode werden in einem Mordstempo nur teilweise interessante Fragen geschichtet. Die Antworten selbst sind schlussendlich deutlich banaler und welker als die Fragen es waren. Dann stellt sich heraus, dass The Prisoner doch gar nicht so viel zu sagen und zu verstecken hat, wie er über weite Strecken weismachen möchte. Davon abgesehen gibt es zwar eine gerade so befriedigende Erklärung für alles, doch leider weist diese wiederum eine Vielzahl an Logiklöchern auf, die von der Serie dann aber geflissentlich ignoriert werden.

Fazit

Ein zweischneidiges Schwert ist diese Serie. Zum einen die wohlige Dosis Mystery, ein erstklassig gemimter Antagonist und ein ziemlich merkwürdiger, sich stark im Hintergrund haltender Humor. Zum anderen der schwache Hauptdarsteller mit seiner ebenso schwachen Figur, die stockend erzählte Geschichte und der letztendliche Mangel an wirklich zufriedenstellenden Antworten.
Gut gemacht wurde sie aber, und auch dass man hier viel Schweiß und Liebe investiert hat, lässt die Serie spüren. Aufgrund dieser Attribute kann man sich die sechs Folgen schmerzlos zu Gemüte führen.
Lässt man es, verpasst man auch nicht allzu viel.

Battlestar Galactica – Staffel 2

Nach einem stürmischen Piloten und 13 Episoden, die sich in achtbarbarem Gleichgewicht um Politik, Kriegswirren, Einzelschicksale und das Fortschreiten der Gesamthandlung kümmerten, wurde der Zuschauer nach einer bilderbuchmäßigen Doppelfolge in die Ungewissheit entlassen. Was Staffel 1 bisher am Wegesrand immer wieder angedeutet hat, rückt in Staffel 2 immer stärker Richtung Zentrum: Die große SciFi-Oper lässt langsam ab von Themen wie Regierungslegitimation und Versorgungsdefiziten und strickt stattdessen ein Netz aus Tragik und Esoterik. Eine mutige Gratwanderung, zudem die Folgenanzahl auf stolze 20 hochgeschraubt wurde.

Story

Boomers wahre Identität wird mit einem dramatischen Akt bekannt, woraufhin sie die Weg zurück auf das von Zylonen verheerte Caprica beginnt. Kara, die sich dort bereits befindet, trifft nicht nur auf eine Widerstandsbewegung und ganze Regimenter von Toastern, sondern kommt auch einem perfiden Geheimnis auf die Spur.
Tigh scheint vollends die Kontrolle über sein Alkoholproblem zu verlieren, die Präsidenten droht zwischen Wahlkampf, Ethikdebatten, köchelnder Bürgerkriegsgefahr, Krebsleiden und ihrer neuen Position als spirituelle Leitfigur zerrieben zu werden und zwischen Adama und seinem Sohnemann Lee bahnt sich der nächste große Konflikt an, der alle bisherigen Schlichtungen nichtig machen könnte.
Und das ist nur der Anlauf, um Runde 2 dieser einmaligen Science Fiction Serie in Fahrt zu bringen.

Kritik
Der Anfang ist hektisch, rasant und ehrt den Staffelauftakt mit ausgezeichnetem Timing. Dass der Aufhänger der ersten Episode ziemlich konstruiert wirkt, übersieht man geflissentlich. Eine derart hurtig inszenierte Wiedersehensfeier hat Seltenheitswert und sorgt dafür, dass man sich schnell wieder in das vertrackte BSG-Universum gefunden hat.
Obwohl nun einiges an Gemoser folgen wird, soll hier ausdrücklich erwähnt werden, wie außerordentlich dieser Serie ist. Die in Staffel 1 sorgfältig etablierten Charaktere werden weiter gepflegt und lernen ihrerseits die Besatzung immer wieder von neuen Seiten kennen, die teils erfreulich, teils gefährlich sind. Die geschickte Figurenführung ist das A und O dieser Serie, die schließlich hauptsächlich in den Windungen eines Raumschiffes stattfindet und somit nichts anderes besitzt als ihre Charaktere.  Wir halten also fest: Es gibt viele tolle Episoden, ein paar Solide happen und wenige, die dem Anspruch nicht gerecht werden.
Solche Folgen, die zwar gut gemeint sind, in sich jedoch ein wenig inkonsistent und zu konstruiert wirken, gibt es immer wieder. Natürlich ist dies zu großen Teilen dem Fernsehformat geschuldet, das jeder Geschichte die exakte Spielzeit einer Dreiviertelstunde aufzwingt, dennoch trübt dieser Umstand ein wenig den eigentlich durchgängig hochwertigen Seriengenuss. So weist „Die Reporterin“, in der Lucy Lawless nach dem kindgerechten Fantasy-Trash Xena nach langer Zeit ma wieder eine bedeutende Serienrolle innehat, zwar eine gelungene Prämisse auf und besticht oberflächlich betrachtet durch seine kompromisslose Umsetzung, vereinigt aber auch die Probleme dieser Staffel: Viele unglaubwürdige Zufälligkeiten sind vonnöten, damit Battlestar Galactica seine Geschichten erzählen kann. Plötzliche, nur schwer nachvollziehbare Gesinnungswandel müssen vom Zuschauer zuweilen einfach akzeptiert werden und etwas künstlich anmutende Problemstellungen sind hinzunehmen, damit die Serie funktioniert.  Diese Makel sind natürlich verschwindend geringe Flecken auf einem ansonsten blütenreinen Zeugnis. Die Beziehungsgeflechte zwischen den Hauptpersonen verdichten und verkomplizieren sich, verlieren aber nie an Glaubwürdigkeit. Die Probleme der Figuren werden ernst genommen ohne dass die Serie je zu sehr Rührselige abdriftet und die Flucht der Menschheit zu einer kitschigen Oper verkommen lässt. Beizeiten kratzt man gerade in bombastisch aufgezogenen Schlüsselszenen zwar kurz an wummerndem Pathos, doch wird niemals das kritische Feld der Lächerlichkeit betreten.
Problematisch sind also nicht die Belange und Schwierigkeiten der Figuren – sie selbst sind es hingegen beizeiten schon. Gemeint sich nicht Kleinigkeiten wie undurchsichtige Motivationen im Dienste der Subplots, sondern ein ganz bestimmter Charakter. Als zur Halbzeit die totgewähnte Frau vom Problem-Colonel aufs Spielfeld tritt, verärgert nicht nur die fehlende Skepsis der Figuren. Natürlich ist ihr Charakter mit voller Absicht eine unausstehliche Trulle, von der jedwede Sympathie mit Wucht abzuprallen hat. Leider spielt Kate Vernon das Ekel mit unverkennbarem Hang zum Overacting, sodass nicht nur ein Großteil der Crew von dieser Kreatur abgeschreckt ist, sondern auch der Zuschauer kaum umhinkommt, jede ihrer Szenen auf den Boden des Schneideraumes zu wünschen. Zumindest anfangs scheint sie nur für den Zweck zu existieren, den Status quo aufrechtzuerhalten und eigentlich zu Genüge behandelte Konflikte künstlich breizutreten.

Störende Kleinigkeiten wie die eben genannten können aber nicht über das Regiegeschick und die cleveren Züge des Drehbuchs hinwegtäuschen. Allen voran die handlungstreibenden Doppelfolgen haben es ausnahmslos in sich. Die esoterische Ausrichtung, die immer stärker in Vordergrund rückt, erfährt eine Behandlung mit Respekt, Vorsicht und der nötigen Distanz, sodass die – gerade für eine bodenständige Science Fiction-Serie, wie BSG sie ist – ungewohnte Wendung vom Betrachter gerne mit vollzogen wird. Auch die Geschichte über die Pegasus, die sich im Gesamtkontext wie ein kleiner Fremdkörper anfühlt, leistet einen wichtigen Beitrag. Der Film, der diesen Unterplot mit einer Vorgeschichte versieht, antizipiert aber schon die Schwächen der dritten Staffel, bleibt in dieser Wertung aber außen vor.
Der Hauptkonflikt, nämlich die Flucht vor den Zylonen, liegt in Staffel 2 auch das letzte Mal in seiner ursprünglichen For. Bevorstehende Entwicklungen kündigen sich zwar schon an, doch zeichnet sich überdeutlich ab, dass der zukünftige Weg der Serie ein deutlich unkonventionellerer werden wird. Das erzählerisch simple, aber nachvollziehbare Katz-und-Maus-Spiel zwischen Mensch und Maschine wird in dieser Form nicht weiterexistieren. Für den Mut, diesen Weg mit einer solchen Beharrlichkeit zu beschreiten, kann man die Serie eigentlich nur beglückwünschen. Da ist es nur konsequent, dass die Staffel mit einem offenen Ende der ganz besonderen Art aufwartet, das seinerzeit nicht wenig Irritation und Empörung unter den Fans ausgelöst hat, aber eben auch beweist, mit welcher Überzeugung die Macher der Serie ihre ganz spezielle Vision verfolgen.

Fazit

Staffel 2 versiegelt die erste Hälfte von Battlestar Galactica mit Wucht und Würde. Zum Ende ist man Figuren und Geschichte näher als je zuvor, wurde von manchen Ideen überrascht und kann bereits auf viel Durchlittenes zurückblicken. Natürlich ist der ein oder andere Fehler bei einer Großproduktion solchen Ausmaßes kaum zu vermeiden, unterm Strich bleibt aber auch BSG Season 2 exzellentes Ausnahmekino im Fernsehformat, das sich kein Liebhaber guter Film- und Serienkost entgehen lassen sollte.

Battlestar Galactica – Staffel 1

Die Neuauflage der einflussreichen Serie Battlestar Galactica aus dem Jahre 1978 beginnt mit einem Knall. Der Einstand, der 2003 zweigeteilt im amerikanischen Kabelfernsehen ausgestrahlt wurde, toppte jedwede Erwartungshaltung um Längen. Mit einem Piloten, der sämtliche Hoffnungen in den Schatten stellt, über geschlagene drei Stunden hervorragend unterhält und neben der temporeichen Handlung auch noch genug Puste besitzt, eine Vielzahl an Haupt- und Nebenfiguren einzuführen, hat die dieses Science Fiction-Epos eine Hürde genommen, an der das Gros sämtlicher Serien schon während des Anlaufs scheitert.
Und selbst, wenn all dies nicht zuträfe, bezöge der Serienstart seine Daseinsberechtigung allein aus der Tatsache, dass die Serenity aus Firefly einen kleinen Cameo spendiert bekommt.

Story

Die Menschheit lebt auf 12 Kolonien verteilt. Der Krieg mit den Zylonen, von den Menschen erschaffene humanoide Roboter, welche ein Eigenleben entwickelten und gegen ihre Schöpfer rebellierten, liegt 40 Jahre in der Vergangenheit. Doch der Frieden, der vielmehr ein ausgedehnter Waffenstillstand ist, steht auf wackeligen Beinen. Das neutrale Schiff, auf dem Vertreter beider Parteien sich regelmäßig zu Gesprächen zusammenfinden sollen, hat schon viele Jahre lang keinen zylonischen Gesandten mehr gesehen. Die Menschheit lebt zwar ohne Krieg, aber eben auch ohne die Gewissheit, dass dieser Zustand die laufende Woche noch überdauern wird.
Während man sich in trügerischer Sicherheit wiegt, sind die Zylonen nicht untätig gewesen. Waren sie einst nur metallene Zweibeiner mit roten Scanner-Augen und jeder Menge Feuerkraft, von den Menschen abfällig mit „Toaster“ tituliert, hat sich in den vergangenen 40 Dekaden eine neue Reihe gebildet. Es existieren 12 Zylonenmodelle, deren synthetische Natur nicht mehr offensichtlich ist. 12 Modelle, die ihren Schöpfern bis aufs Haar gleichen und jedes menschliche Merkmal tadellos nachahmen. Schmerz, Trauer, Gerissenheit, Dummheit und Sarkasmus; die ganze Palette menschlicher Charakteristika gehört zu ihrem Repertoire,  das es ihnen de facto erlaubt, vollständig unerkannt unter ihnen zu leben.  Und dies nicht nur bewusst, sondern auch als Schläfer, der bis zu seiner Aktivierung in der totalen Überzeugung lebt, ein Mensch zu sein – mit Freunden, Familie, Liebeskummer und natürlich zylonischem Feindbild. Der Unterschied ist im Detail zu finden: Sie sind stärker und, sofern ein Wiederauferstehungsschiff in der Nähe ist, auch noch unsterblich: Verendet der Körper, wird das Bewusstsein ins Schiff übertragen und einfach einem neuen Leib übergeben.

Und natürlich bleibt die Offensive der Toaster nicht aus. Mit einer gewaltigen Armada springen sie vor sämtliche bewohnte Planeten und bringen einen erbarmungslosen Genozid, der den Menschen aus dem Universum tilgen soll.
Die Battlestar Galactica, ein Kampfstern, der eigentlich längst ausgedient hat und mehr Museum denn Kriegsgerät ist, befindet sich zum Zeitpunkt des Angriffs ein wenig außerhalb und entscheidet sich in letzter Sekunde, einen Sprung ins Unbekannte zu wagen.
Dies ist der Beginn einer der spektakulärsten Odysseen in der modernen Seriengeschichte.

Dem Zuschauer wird gleich ein ganzer Strauß von Protagonisten anvertraut. So zum Beispiel der (anfangs noch) Captain des Schiffes, William „Bill“ Adama, ein erfahrener, väterlicher Pol der Ruhe, der nicht immer weiß, was zu tun ist, stets aber den Eindruck vermittelt, den erforderlichen Überblick und diverse Notfallpläne zu besitzen. Außerdem dessen Sohn, der disziplinierte Lee Adama, Rufname Appollo, dessen Figur nur in der ersten Folge etwas stereotyp scheint, in Wirklichkeit aber hervorragend geschrieben ist. Zudem Kathara Thrace, Rufname Starbuck, die aufmüpfige, stürmische Jägerpilotin, die fliegt und taktiert wie kein Zweiter und sich früh schon zum heimlichen Star mausert. Oder Laura Roslin, die nach einer Ad hoc-Wahl an Bord eines Transportshuttles zur Nachfolgerin des toten Präsidenten ernannt wird und fortan nicht nur an einer tödlichen Krebserkrankung leidet, sondern auch unter der Bürde ihres neuen Amtes. Oder Dr. Gaius Baltar, der unwillentlich als Triebfeder der fatalen Attacke fungierte und seitdem permanent eine zylonische Begleiterin hat, die allerdings nur er wahrnehmen kann.
Und das ist wirklich nur ein Auszug der Truppe, deren Schicksal für kommende 75 Episoden untrennbar mit dem der Battlestar Galactica verzahnt sein wird.

Kritik

Die erste Staffel widmet sich vornehmlich den Problemen, die entstehen, wenn plötzlich eine neue Gesellschaft aus den Trümmern entstehen muss und die vertrauten moralischen Maßstäbe auf währende Gültigkeit geprüft werden müssen. Wie wird regiert? Wie lassen sich die Ziele von Präsidentin und Kommandobrücke unter einen Hut bringen? Wie wird für genügend Wasser und Nahrung gesorgt? Wie wird man den Quartierproblemen Herr? Fragen, deren Relevanz erst dann in aller Deutlichkeit hervortritt, wenn die Eskalation bereits unausweichlich scheint. Irgendwie muss für die Bevölkerung Normalität entstehen, während das Wissen um die omnipräsente Bedrohung in jedem Einzelnen nistet. Zu jeder Zeit könnte ein zylonisches Geschwader direkt vor die Nase des Kampfsterns und seiner zahlreichen zivilen Begleitschiffe springen und die jämmerlichen Reste der menschlichen Spezies auf ewig ausmerzen.
Die stärksten Folgen sind jene, die sich direkt der Politik und den Problemen widmen, welchen sich das unvollkommene, absolut isolierte Gesellschaftssystem stellen muss. Es sind die kleinen Geschichten, die den Grundstein für all das legen, was später noch folgen wird. Die zylonische Bedrohung wirkt trotz ständiger Erwähnung gewollt diffus, die Angreifer sind ein gesichtsloser Schrecken, dem nichts entgegenzusetzen ist. Die Galactica treibt ziellos durch den Raum und klammert sich verzweifelt an die Hoffnung, dass irgendwo eine dreizehnte Zivilisation mit dem Namen „Erde“ existiert.
Natürlich gibt es auch Lückenfüllerfolgen, wirkliche Tiefpunkte, die ihre 45 Minuten Dauer zu einer kleinen Ewigkeit stretchen. „Der Zwölferrat“, eine der wenigen Fehlgriffe in Sachen politische Brisanz, und das so unstimmige wie unglaubwürdige Doppelfolgen-Finale „Ellen“ seien hier exemplarisch genannt. Und auch die grundsätzlich interessanten Charaktere sind nicht ausnahmslos fabelhaft geschrieben. Gaius Baltar wird so zum Beispiel als klügster noch lebender Mensch, als legendäres Genie eingeführt – ein Attribut, dem der Absprung von der reinen Behauptungsebene niemals gelingen will, da sich die Figur in wahrhaft jeder Beziehung unsagbar dämlich und tölpelhaft gibt. Zusammen mit dem doch recht gewöhnungsbedürftigen Spiel James Callis‘ birgt Baltar das Potenzial, den Zuschauer gehörig auf die Probe zu stellen. Ein Versprechen, das aber glücklicherweise erst in späteren Staffeln eingelöst werden soll.
Derlei Probleme schrumpfen jedoch sofort zu Marginalien zusammen, weil die Chemie der Serie einfach stimmt. Die an sich schon starken Figuren funktionieren in Kombination schlicht hervorragend, die sozialen Bande, die ständig im Wandel begriffen sind, sind so glaubwürdig wie speziell und sämtliche Probleme von und zwischen den Protagonisten werden somit auch für den Zuschauer greifbar. Und schließlich ist das bei diesem Format die halbe Miete.
Die Serie profitiert insbesondere von den hervorragenden Charakterzeichnungen, da weder die Besatzung noch der Zuschauer wissen, ob nicht doch einer der engsten Freunde, der treusten Vertrauten in Wirklichkeit ein Zylon ist, dessen wahres Wesen früher oder später erwacht und Katastrophen auf mehreren Ebenen und von unschätzbarem Ausmaß verursacht. Jene Problematik ist das Herz der gesamten SciFi-Serie. Und eben diese Prämisse, dass grundsätzlich niemandem vertraut werden dürfte, aber jeder Einzelne ein unersetzliches Teil des Gesamtgefüges darstellt, führt dazu, dass Battlestar Galactica weniger eine klassische Science Fiction-Serie ist, sondern eine Space Soap allererster Güte, die schlichtweg keine Aliens nötig hat.

Fazit

Zusammen mit den bemerkenswerten Effekten, dem herrlichen Spiel der Kontraste zwischen modernster Technologie und der Retro-Ausstattung der Galactica, den schick choreographierten Raumkämpfen und den überraschenden Wendungen ist Staffel eins von vier ein Serienauftakt, der kaum Wünsche offenlässt. Viele Dinge, die später primär von der Serie in Erinnerung bleiben werden, finden im ersten Viertel nur andeutungsweise Erwähnung. Doch gerade die Tatsache, dass man nach dem explosiven Piloten ein paar Gänge zurückschaltet, ohne aber je ins Belanglose abzurutschen, führt dazu, dass man der Besatzung auch in turbulenteren Serienzeiten, die unweigerlich kommen werden, gerne treu bleiben wird.