Lost in Space

Ein Jahr vor den Serien Raumpatrouille Orion, The New Adventures of Superman und Star Trek, ganz kurz nach dem Start von Outer Limits, Mein Onkel vom Mars und Doctor Who. Inmitten dieser goldenen Zeit serieller SF kam die Science-Fiction-Serie Lost in Space bzw. Verschollen zwischen fremden Welten in die heimischen Wohnzimmer. Die Geschichte basierte ihrerseits auf einer Comicheft-Reihe und einem Kinderbuch, um in drei Staffeln nicht nur indirekt, sondern ganz geradeheraus eine klassische Familiengeschichte erzählen. Im Weltraum. Versteht sich.
Mehr als 30 Jahre später fand eine Auferstehung der Geschichte um Familie Robinson statt.

Never love anything, kiddo, you will just end up losing it.

Story

Oberflächlich hat die Erdbevölkerung ihre Konflikte beigelegt und in gemeinsamer Arbeit die bemannte Raumfahrt revolutioniert. Inoffiziell aber steht der Blaue Planet kurz vor dem Tode, es herrscht Krieg gegen eine dubiose Untergrundbewegung und die Notwendigkeit, so schnell wie möglich einen neuen Planeten mit irdischen Zuständen aufzuspüren, ist dringender denn je.
Professor John Robinson ist die Speerspitze der dahingehenden Forschung und soll gemeinsam mit seiner Familie als erster Mensch durch ein Hypergate geschickt werden, um den Planeten Alpha Prime zur Kolonisierung vorzubereiten. Die pubertierende Tochter verfällt in offensives Schmollen, der so vernachlässigte wie hochbegabte Sohnemann hat im Kampf um die Aufmerksamkeit seines Vaters längst kapituliert und Ehefrau und Mitforscherin Maureen versucht erfolglos die Wogen zu glätten.
Das Schiff startet ohne Komplikationen seine Schnellreise und die zerstrittene Familie Robinson liegt gemeinsam mit dem Maulhelden Major West und ihren Konflikten im Kälteschlaf. Doch nicht alles verläuft nach Plan: Saboteur Dr. Smith befindet sich an Bord, so ziemlich alles geht schief und plötzlich befinden sich die Reisenden gemeinsam mit dem Übeltäter fernab von Ziel- und Ursprungsort in den weiten des unbekannten Raumes.

Kritik

Regiesseur Stephen Hopkins und Autor Akiva Goldsman haben sich einer Aufgabe angenommen, die auf den ersten Blick zwar wenig spektakulär wirkt, in Wahrheit aber eine sehr komplizierte ist.
Wie so manche Serien der 60er lebte Lost in Space von dem Geist dieser Zeit. Noch vor der ersten Mondlandung wird eine Familie in Falten werfenden, kunterbunten Anzügen durch eine kindliche Vorstellung vom Weltall geschickt, um schrille Abenteuer zu erleben und nebenbei zu lernen, (wieder) miteinander auszukommen sowie natürlich allerhand Abenteuer durch die Kombination ihrer jeweiligen Stärken zu bestreiten. Besonders die erste Staffel ist eine nach wie vor sehenswerte Abenteuerfahrt, deren Charme sich ob der vergilbten Effektlandschaft zwar ein wenig verschoben hat, aber ohne Frage vorhanden ist.

Autor Akiva Goldsman hat häufig bewiesen, dass er a) ein Saboteur ist, der Hollywood mit seinen Filmen zu stürzen gedenkt, und b) einen Ghostwriter für den sich qualitativ von seiner restlichen Arbeit verdächtig stark abhebenden A beautiful Mind angeheuert und anschließend getötet haben muss. Batman Forever, Batman & Robin (immerhin zusammen der Grund, weshalb das Filmfranchise bis Christoper Nolan tot war) und I, Robot sind beispielhafte Bürgen dieser Thesen.
Lost in Space kann in dieser Hinsicht als sein Opus magnum bezeichnet werden. Und dann auch wieder nicht.

Aus der ikonischen Familie Robinson wurden ständig brabbelnde Figuren, die aber nie irgendwas irgendwie Wichtiges oder Berührendes, geschweige denn sinnvolles mitzuteilen haben. Es sind überwiegend schreckliche Dialoge, die auf zum Schreien schreckliche Weise dem Zuschauer mitteilen sollen, was der Stand der Dinge ist, dabei aber beinahe für Kopfschmerzen sorgt. Die unentwegte Produktion leerer Sätze unterstreicht ihr unsinniges Agieren und die ebenso unsinnigen Motivationen hinter den Taten. Die offenkundigsten Sachverhalte sind ihnen Rätsel, Begegnungen mit dem Tod, Außerirdischen oder anderen fantastischen Begebenheiten ringen ihnen nicht einmal ein müdes Lächeln ab.
Die Hauptfiguren sind seltsam laut, überzeichnet und scheinen im großen und ganzen direkt aus den 80ern zu kommen. Und damit sind sie in guter Begleitung
Denn auch der Humor der müden Sprüche scheint diesem Jahrzehnt ebenso entnommen zu sein wie die Mode.
Dazu bekleidet mit Matt LeBlanc ein bekanntes Gesicht aus Friends eine Hauptrolle und darf unerbittlich neben William Hurt verblassen, der quasi alle guten Eigenschaften des Filmes auf sein Konto nehmen kann.
Es ist also schon seltsam, was da für ein Brei kreiert wurde: Ein Film kurz vor der Jahrtausendwende erzählt eine Geschichte aus den 50ern über das Jahr 2058 in dem Stil der 80er, während er sich auf die Starpower der 90er verlässt.
Diese sonderbare Form der Entscheidungsschwierigkeit zeichnet sich auch an anderen Stellen ab. So kann sich der Film anfangs nicht entscheiden, ob er zu geringen oder hohem Maße Comic sein will und weist daher immer wieder Inkonsistenzen in seinem Tonfall auf. Dies lässt sich vor allem an Garry Oldmans Bösewicht aufzeigen – ein halb hysterisch brüllender Übeltäter ohne Motivation. Die ihn begleitende Musik – und Musik begleitet ihn quasi bei jeder seiner Szene – ist entweder diabolisch, quatschig oder irritierend unpassend, weil sie im letzten Fall versucht, John Williams Star-Wars-Soundtrack zu kopieren, und sich in allen andere nicht entscheiden kann.
Zurückzuführen ist diese wilde Unentschlossenheit wohl darauf, dass man versuchte, die ganze Serie in 2 Stunden Film zu pfropfen und dabei möglichst allem gerecht werden wollte. Das Ergebnis ist die Summe von nahezu sämtlichen Sci-Fi-Klischees und denkbar ungeschickter Ausführung: Ein vor sich hin plappernder Roboter, außerirdische Insektenstahlmonster, eine Weltraumodyssee, Kämpfe gegen Gegner aus der eigenen Reihe, Zeitreiseverirrungen und Cartoonfiguren. Und diese Summe ist krumm. Auf der Strecke bleibt dabei jede Art von Logik – bis hin zu der Tatsache, dass nie ganz klar ist, was Garry Oldmans Bösewicht eigentlich vorhat und wie es nach dem Ende weitergehen soll.

Immerhin: Bis zu diesem Ende wird versucht, dieses Durcheinander aufrechtzuerhalten, weshalb der Film von Minute zu Minute absurder und alberner wird. Durch diese mitnichten souveräne, auf seine unlogische Weise aber zumindest konsequent scheiternde wie unausgegorene Kombination von allerhand Bekanntem schafft es Lost in Space dann irgendwie doch noch, alles andere als Durchschnitt zu sein. Auf eine Weise, bei der man sich schon mal die Augen reibend fragen kann, in welcher Form die Pferde denn da mit dem Drehbuchautor durchgegangen sein müssen. So sehr, dass er fast als ein kleines Guilty Pleasure durchgehen könnte. Fast.
Denn irgendwann ist klar: Lost in Space will und kann nicht anders wahrgenommen werden als eine Art filmischer Jahrmarkt. Die Geschichte spaziert bei leichtem Nieselregen von einer konstruierten Attraktion zur nächsten, steigt unbeeindruckt in zuckelnde Miniaturfeuerwehrautos, wartet ab und wechselt dann zum nächsten Fahrgeschäft. Die Effekte die Zuckerwatte, der Humor die Erinnerung daran, dass diese Art der Vergnügung sich an Kinder richtet.
Trotzdem sind sie nicht alleine, sondern mit der Familie da. Und so schließt sich der Kreis, denn bei all der Ansammlung von SF-Klischees bemüht sich der Film immerhin um das eine Alleinstellungsmerkmal, auch eine durch und durch klassische Familiengeschichte zu beherbergen. Dass das Familienelement nicht funktioniert sei dahingestellt, über solche Qualitätsansprüche sind wir sowieso schon hinweg.

Fazit

Wäre Lost in Space eine Suppe, dann wäre ihr Koch ein ahnungsloser Schuster, der alle Zutaten, die er findet, hineinkippt und zum Ausgleich sämtliche Gewürze vergisst. Das Ergebnis wurde durch die ganzen Farben braun, weil sich die meisten Zutaten nicht miteinander vertragen und in seinem Geschmack auf eine ungeheuerliche Weise interessant. Lost in Space ist aber keine Suppe. Die Geschichte ist ein konfuses Durcheinander, der Film sich seiner angestrebten Zielgruppe wohl lange Zeit nicht sicher und jede Form von Gespräch ist, gelinde gesagt, kein Gewinn. Dass sich Lost in Space in seiner naiven Comicwelt um so etwas wie Logik und Charakterentwicklung überhaupt nicht schert, sondern ganz einfach seinen kunterbunten Quatsch abzieht, hat aber eine Art von exzentrische Reiz, der in seiner seltsamen Form verlockend wirkt.

Planet der Affen – Revolution

Die Skepsis war durchaus vorhanden, als 2011 der als Prequel vermarktete Planet der Affen – Prevolution in die Kinos kam. Es handelte sich schließlich um den siebten Film (zuzüglich zwei Serien), der auf dem Klassiker von Pierre Boulle basiert und drängt sich in den Kanon einer lange schon für Tod gehaltenen Reihe. Umso wohlwollender reagierten Kritik und Publikum, als sie das Ergebnis von Rupert Wyatt sahen.
Drei Jahre später folgt nun das Sequel zum Prequel mit anderem Regisseur und anderem menschlichen Hauptdarsteller.

If we go to war, we could lose all we’ve built.

Story

Seit das Retrovirus ALZ-113 – einstmals erfolgreich zur Bekämpfung von Alzheimer entwickelt – einen Großteil der Menschheit dahingerafft hat und den Affen unter der Führung des ersten Probanden Caesars einen gewaltigen evolutionären Sprung verschafft, sind einige Jahre vergangen. Während sich die überschaubaren Reste des Teils der Menschheit, der immun gegen die Pandemie war, in notdürftigen Lagern mit dem Nötigsten selbstversorgt, zogen sich die Affen in die Wälder zurück, um dort nach eigenen Regeln und weiterhin unter der Herrschaft Caesars ihre Kultur zu entwickeln.
Als sich ein Erkundungstrupp der Menschen, die auf der Suche nach einem Damm zur Stromerzeugung sind, in das Gebiet der Affen wagt, stoßen die Fronten zischend aufeinander. Die Gruppe der Menschen wird angeleitet vom energischen Dreyfus, während sich unter den Affen erste Rivalitäten hinsichtlich der Position des Alphatieres bemerkbar machen.
Zwar gelingt es dem offenen Malcom, das Vertrauen einiger Affen zu gewinnen, als ein Trupp von Dreyfus eine große Ladung Waffen aus einem ehemaligen Armeedepot holen, scheint die Situation endgültig zu eskalieren.

Kritik

Das erstes Bild sind die Augen Cäsars in Großaufnahme. Es sind Augen, die eine Seele haben und das in doppeltem Sinne. Zum einen, weil er tatsächlich aussieht wie ein kluger Affe. Die Animationen sind nicht merkbar besser, aber eben immer noch genauso fantastisch, wie im ersten Teil der Prequel-Reihe. Zum anderen, weil wir einen ehrfurchtgebietenden, in seiner angedeuteten Weisheit irgendwie mürbe wirkenden Affen mit angedeuteter Kriegsbemalung sehen, bei dem nicht allein das Gesicht trägt, sondern der ganze Körper mit seinem vor Feuchtigkeit eng anliegenden Haarkleid.
Planet der Affen – Revolution  beginnt mit einer Treibjagd auf panisches Damwild. Mit kühler Systematik, auf Pferden reitend und sich durch eine komplexe Zeichensprache koordinierend, scheuchen die Affen die Tiere in die Enge.
Der Film führt vor Augen, was mit Seele einhergeht, wohin Selbsterkenntnis führen kann: Zu Krieg. Nicht nur mit den vormaligen Unterdrückern, die automatisch zum Feindbild wurden, sondern mit so ziemlich allem. Kultur bedeutet, sein Zeichen in der Welt zu hinterlassen, um über sich selbst hinaus fortzubestehen. Das Hinterlassen von Zeichen heißt aber zwangsläufig auch, dass etwas gezeichnet wird, dem man sich damit aufdrängt, dem man Gewalt antut. Die erste Detailaufnahme der Augen ist ein Italian shot, der entwickelt wurde, um auf eindringliche Weise die Entschlossenheit staubiger Antihelden im Italowestern zu zeigen. Wir sehen nicht nur einen beseelten Blick, es ist auch der Blick eines beharrlichen Mannes, der auf seine Feinde wartet.

Die erste halbe Stunde von Planet der Affen – Revolution ist ergreifend, tief, mutig und voller Potenzial. Mit seiner Wortkargheit bezieht sich der Film geschickt auf 2001 – Odyssee im Weltraum, ohne ihn dabei lediglich zu zitieren, sondern stellungnehmend. Dann rückt Garry Oldmans hitziger Dreyfus ins Zentrum, der leider immer noch so grobmaschig gestrickt ist, wie im ersten Teil. Obwohl Oldman selbst beteuert, es überdrüssig zu sein, zu schlichte Gemüter zu spielen, passiert genau dies hier ein weiteres Mal. Das ist immer wieder schade, denn der Charakterkopf wirkt stets deplatziert in so einer vereinfachten Rolle. Würde Dreyfus nicht sofort nach Krieg schreien und den Griff zu den Waffen heraufbeschwören, könnte der Film die anfangs aufgebaute Dramatik aufrechterhalten und weiter ausbauen. So aber wird das intensive Stück kinetischer Vorbildhaftigkeit zur Geschichte eines traurigen Diktators, der genau das ist, wonach der tumbe Pöbel schreit. Der Anspruch des Filmes, zwei gleichermaßen komplexe Kulturen zu kontrastieren, droht damit zu scheitern, weil die Menschen noch simpler portraitiert werden, als die archaischere, aber auch authentischere Zivilisation der Affen. Die schönsten Momente hat Planet der Affen – Revolution folglich auch dann, wenn die erblühende Affenzivilisation gezeigt wird, das einhellige Zusammenleben von Wesen, die sich gerade erst erforschen; eine Zivilisation, die ihren Sündenfall noch vor sich hat und keinen Gott besitzt. Beim lakonischen Durchstreifen der rudimentären Affenbehausungen werden deutliche Erinnerungen an die alten Planet der Affen-Teile wachgerüttelt.
Alles Weitere ist inhaltlich zwar nicht unvorhersehbar, weil recht archetypisch, dafür aber in Bildern erzählt, an denen man sich die vollen 2 Stunden lang nicht satt sehen kann. Das frische Szenario der postzivilisatorischen Baukastenwelt der Restmenschen und dem surrealen Aufmarsch der Affen, die in ihrem neuartigen Gebaren so selbstverständlich, manchmal fast schon selig versunken wirken, hat etwas Magisches mit Sogwirkung, so überzeugend sind die Bilder von Kameramann Michael Seresin, in denen das tragische Spektakel erzählt wird. Und wenn auch die Gesamterzählung keine große Überraschung darstellt, so sind doch viele einzelne Sequenzen von überzeugender Kraft – nicht nur aufgrund des visuellen Konzepts, sondern auch durch einen routinierten, durchdachten Schnitt, den treibenden Score und den vorbildhaften szenischen Aufbau. Im Vergleich zu seinem direkten Vorgänger Planet der Affen: Prevolution fehlt es dafür an einem starken menschlichen Protagonisten. Malcom wirkt im Vergleich zu Will Rodman blass und etwas formlos, was aber weniger an Jason Clarke und mehr an der Tatsache liegt, dass seine Figur kaum Leinwandzeit besitzt.

Fazit

Planet der Affen – Revolution ist einer der Filme, bei dem das was an sich nicht übermäßig aufregend, das wie dafür aber umso imposanter ist. Die eindringlichen Bilder und die höchst spannenden Impressionen der sich entwickelnden Affenkultur bieten viel Stoff – auch für kommende Filme. Dass die Charakterisierung der menschlichen Zivilisation ebenso wie der Aufbau des Konflikts zwischen beiden höchst formelhaft geraten sind, ist bedauerlich, macht den Film aber nicht kaputt.

RoboCop

Das Thema RoboCop und seine wenig rühmlichen Nachfolger und Auskopplungen neu aufzulegen, das war ein lang gepflegter Plan. Darren Aronofsky war im Gespräch und auch kurz vor der Umsetzung. Sein Ersatz sorgte dann für Erstaunen – ausgerechnet der Brasilianer José Padilha, der dato nur durch seine beiden Tropa de Elite-Filme von sich Reden machte, sollte dem ikonischen Cyber-Bullen eine Frischzellenkur verpassen. Und irgendwie ist es ihm ganz anständig gelungen.

It’s not a suit, it’s you.

Story

2028 ist das Jahr des Friedens, wenn auch nicht in den USA. Der Megakonzern OmniCorp versorgt die Welt mit Polizeirobotern, die die Verbrechensrate in kürzester Zeit auf mikroskopisches Niveau schrumpfen. In Amerika verbietet das Dreyfus-Gesetz aber den Einsatz nichtmenschlicher Ordnungshüter.
Um es zu umgehen und die Vereinigten Staaten schleichend an automatisiertes Militär zu gewöhnen, ersinnt OmniCorp einen Kompromiss. Ein Hybrid muss her, halb Mensch, halb Maschine. Da kommt es gerade recht, dass Polizist Alex Murphy von korrupten Kollegen beinahe getötet wird.
Einige Monate später sind die kläglichen Überreste Murphys mit neuster Technologie verschmolzen und erlebt als Marketingmaschine RoboCop seine Wiedergeburt.
Die Motive des gesetzestreuen Stahlmannes, der die Liebe seiner Familie ebenso wie die Verursacher des Anschlages auf ihn sucht, lassen sich mit den monetären Interessen OmniCorps allerdings kaum vereinen. Daher wird der menschliche Anteil in RoboCop einfach drastisch reduziert.

Kritik

Die Technikkonzeption ist natürlich hervorragend – aber das ist bei einem Film, der sich RoboCop nennt, ja irgendwie auch zu erwarten. Wenn man zu Beginn sieht, wie Mechs und Blechsoldaten durch die engen Straßen donnern, hat das etwas intuitiv unangenehmes. So muss Dystopie funktionieren.
Doch irgendwie fragt man sich auch, wieso die Polizei Gerät zur Wahrung des Friedens herstellt, das aussieht, wie das Invasionswerkzeug einer bedrohlichen Alienrasse. Prävention durch Furcht scheint das Motto zu sein, aber so richtig nachvollziehbar ist diese Entscheidung trotzdem nicht. Schließlich sollte das Ziel sein, ein Gefühl von Sicherheit und nicht ein Gefühl ständiger Bedrohung hervorzurufen. Dass die Übertragung des eingangs gezeigten Auslandeinsatzes unter dem Motto „Operation Freedom“ läuft und natürlich in kürzester Zeit gewaltig eskaliert, ist etwas plump und vorhersehbar, trotzdem ist die Welt in sich stimmig und die Atmosphäre dicht.
Die Inszenierung wird ihr aber nur dann gerecht, wenn aus mittlerer bis großer Distanz das Szenario vorgeführt wird. Hier spürt man besonders, dass Regisseur José Padilha seine Wurzeln im eher nüchtern-dokumentarischen Fach hat. Sobald die Action losgeht, wird es sofort wackelig und unübersichtlich, vor allem aber uninteressant. Gerade die Feuergefechte werden mit frappanter Inspirationsarmut dargestellt. Der Ur-RoboCop konnte damals nicht nur mit entschieden mehr Ideen aufwarten, sondern bereicherte seine zynische Welt mit gekonnt ausgesuchten Gewaltspitzen. Die meisterhafte Gratwanderung zwischen Ernst und bitterer Satire hätte so natürlich auch kein zweites Mal geklappt und von daher ist es nicht allzu dramatisch, dass der modernisierte Robocop ein FSK 12 verpasst bekommen hat.
In vielen Szenen sieht man Potenzial hervorschimmern, sieht man, was aus dem Film hätte werden können, wenn man mehr Zeit und weniger Angst investiert hätte. Mehr Zeit für ein besseres Script, ein besseres Storyboard und ausgefeiltere Choreographieüberlgeungen. Weniger Angst vor einer zu hohen Altersfreigabe und verprellten Zuschauern. Das subversive Element, mit dem das Original groß rauskam, wird hier einfach ausgespart.

Die Debatte um die große Gretchenfrage – Patrouillen von Roboterwächtern ja oder nein? – birgt großes Potenzial und hätte dem Film mit einem Schlag eine höchst interessante Daseinsberechtigung verschafft. Eine Chance, die gnadenlos vertan wird. Stattdessen sind die wenigen Argumente, die das Drehbuch die beiden Parteien austauschen lässt, platt und unglaubwürdig. Die immer einen Deut zu stumpfen Dialoge sind etwas, das sich durch den ganzen Film zieht. Es schmälert nicht die Leistung des herausragenden Casts um Michael Keaton und Gary Oldman, nimmt den Schauspielern aber einiges an Wirkung, weil ihre Figuren sich ständig selbst diskreditieren. Selbst der mal wieder stark übertreibende Samuel L. Jackson als technophiler Fernsehprediger macht eine halbwegs gute Figur, wenn auch sein Charakter nichts Relevantes zur Geschichte beiträgt. Der Schwede Joel Kinnaman als Alex Murphy ist kein Peter Weller, gleicht ihm in vielen Einstellungen aber in erstaunlicher Weise und macht seine Sache auf ähnliche Weise gut.
Wie erwartet, wird dafür die Tragik des Mensch-Maschine-Dilemmas stärker betont. Ob das besser ist als im Original, ist wohl Geschmackssache. Der neue Alex Murphy ist meistens ganz er selbst, auch als Metallmann, Während sein 80er-Jahre-Pendant ja in erster Linie Maschine mit seltenen Persönlichkeits-Flashbacks gewesen ist. Die daraus entstehende Tragik, dass er seiner Familie nicht nur körperlich, sondern auch geistig fremd geworden ist, ist tendenziell eine größere als die des noch voll bei Sinnen seienden Polizisten in dieser Version. Bei der Modernisierung liegen die Dinge komplizierter, besser werden sie deswegen aber nicht zwangsläufig. Außerdem führt die Umgewichtung dazu, dass die eigentliche Krimi-Handlung kaum Raum einnimmt. Von zwei kurzen Ausflügen abgesehen, geht es in RoboCop nicht um die Bekämpfung von Kriminalität, sondern um RoboCop.

Dass man irgendwas entscheidendes ändern musste, war klar, denn Robocop ist ein Kultfilm, weil sein 80er-Jahre-Charme ihn die Essenz verleiht. Wenn das heutige Hollywood ein Remake dreht, lässt sich das nicht reproduzieren. Folglich muss das Robocop-Universum ernstzunehmender wirken, natürlich auf Kosten der unterkühlten Ironie des Originals.
Das mach den Film seriöser, aber auch austauschbarer. Ungeachtet solcher kleinerer Makel, muss man schlussendlich aber konstatieren, dass die Umgestaltung auf Auffrischung des blechernen Gesetzeshüters gelungen ist. José Padilhas Science-Fiction-Film ist nicht mehr die dystopische Copthriller-Version, sondern ein Drama in einem Setting, das der Gegenwart weitaus ähnlicher sieht als die ghettoisierten Unratberge, aus denen das ständig brennende Detroit der 80er-Jahre-Zukunft sich einst zusammensetzte.

Fazit

Nein, wie erwartet ist der RoboCop aus dem Jahre 2014 nicht besser als sein Ahne von 1987. Nichtsdestotrotz ist es ein gelungener Film geworden, der das vornimmt, wozu Remakes sich verpflichten: Er interpretiert den Ursprungsstoff neu, gibt der Materie eine völlig neue Richtung und schafft damit auf einem entliehenen Gerüst etwas eigenständiges. Und auch wenn der Film mitnichten fehlerfrei ist, kann man José Padilha für diese Leistung doch Respekt zollen.

The Book of Eli

Obwohl The Book of Eli das erste gemeinsame Filmprojekt der  Hughes-Brüder seit From Hell gewesen ist, war die Aufmerksamkeit nicht sonderlich groß. Die große Begeisterung für Endzeitwüste blieb gemeinsam mit Mad Max in den 80ern zurück. The Book of Eli schickte sich 2010 an, sie wieder zu entflammen.

I walk by faith, not by sight.

Story

Die Welt ist ein sandiger Scherbenhaufen. Jeder ist jedem der schlimmste Feind, Mitgefühl wich Kannibalismus und Wegelagerei. Eli wandert durch diesen Haufen und geht seiner Mission nach. Ein ganz bestimmtes Buch will er zu einem ganz bestimmten Ort bringen und niemand darf sich ihm entgegenstellen.
Dieses ganz bestimmte Buch will Carnegie in seinem Besitz wissen, der hundsgemeine Bürgermeister seiner neugegründeten Stadt. Da Eli sich seinem Rabaukentrupp nicht anschließen und ihm erst recht nicht die Lektüre überlassen möchte, fackelt er nicht lange und erklärt den Reisenden mach den Reisenden, den eine geheimnisvolle Kraft zu beschützen scheint, zu Freiwild.

Kritik

Um gleich auf den Punkt zu kommen, es fehlt an originellen Einfällen, die an sich hübsche Endzeitwelt mit Pepp füllen. Toll gefilmt ist das Ganze und dazu in einen atmosphärischen Hauch von Sepia getaucht, doch die zündenden Ideen bleiben einfach aus. Stattdessen trifft ein Reisender auf die typischen Gefahren der unzähligen postapokalyptischen Welten. Die einen wollen Deine Schuhe, die anderen den darin befindlichen Fuß in ihrem Magen, aber kaum jemand will dir was Gutes. Und wenn doch, ist er entweder ein hübsches Mädchen oder ein freundlicher Greis.
Das trägt ein wenig dazu bei, dass man sich an 80er-Oldies, als Endzeit noch en vogue war, erinnert fühlt. Trotzdem ist nicht alles Mus im Glas, denn ab und an gibt es dann doch ein paar stimmungsvolle Ausreißer.

Gary Oldman spielt seine diabolische Rolle, die ansonsten die Tiefe eines Groschens hat, standesgemäß engagiert. Wweswegen man aber auch sogleich darüber informiert ist, welche Funktion der Ehrenwerte hat wird und wen er verkörpern soll. Denzel Washington ist eine eindrucksvolle Erscheinung und wirkt mit seinem grauen Bart ziemlich verkleidet. Gut sieht es aus, wenn er seiner Vagabundentracht rabiat wie ein Pürierstab durch eine Übermacht an Prügelknaben wirbelt. Vor allem die Gefechtskamera mit ihren durchkomponierten Fahrten verdient Lob und wertet die Angelegenheit kurzfristig sehr auf. Auch der Rest des Filmes hat einen durchweg ansprechenden Look und Kameramann Don Burgess (Priest, Source Code, Spider-Man) kriegt ein paar wunderschöne Bilder auf Film gebannt. Doch die völlig überladene Musik verrät schon, was der Inhalt einlöst: The Book of Eli malt Moral und Geschichte mit dickem Filzstift und schnörkelhaften Initialen.

In dieser Tradition steht auch die Figurenzeichnung, denn alle außer Eli sind schrecklich matte Strichzeichnungen der Stereotypen-Schablone. Und Eli selbst ist ein Christ, dem sein Glaube Superkräfte verleiht, der nie schläft, viele fromme Sprüche auf Lager hat und dessen einzig hervorstechend Eigenschaft ist, dass er trotzdem so stoisch und gnadenlos ist, dass er auf den ersten Blick gar nicht zu seiner Figur beziehungsweise dem Neuen Testament passen will.
Da gut inszenierte Gewöhnlichkeit aber trotzdem nicht langweilig sein muss, sorgt The Book of Eli eben doch für ein bisschen für Unterhaltung, wenn auch nicht übermäßig viel.
Das Ende, man mag es gar nicht glauben, legt dafür ein paar Schippen drauf, basiert auf einer durchaus schnieken Grundidee und lässt es noch bedauernswerter erscheinen, dass der ganze Rest des Filmes keine weiteren guten Einfälle aufweist. Die Moral, die das Gesamtwerk transportiert ist allerdings in jedem Fall höchst fragwürdig.

Fazit

Schön gefilmte und halbwegs unterhaltsame One-Man-Show Denzel Washingtons, der sich durch hübsche Bilder und ein einfallsloses Drehbuch kämpft, um am Ende für eine höchst zweifelhafte Moral zu werben.

The Dark Knight Rises

Vier Jahre ist es her, dass The Dark Knight Erwartungen über den Haufen warf, Kinos mit Besuchern schwemmte und Heath Ledger posthum den Oscar für seine unerträglich intensive Verkörperung des Fröhlichen einbrachte. Jener zweite Teil und dessen tragische Produktionsgeschichte ließen die allgemeine Achtung vor dem Vorgänger Batman Begins über Gebühr steigen und den Zuschauer mit schier unerfüllbaren Forderungen an das Trilogie-Finale zurück.


Story

Das Böse ist besiegt. Vor acht Jahren legte der Der Dunkle Ritter nicht nur dem Joker, sondern auch Staatsanwalt Harvey Dent aka Two Face das Handwerk. Die Stadt war gerettet, doch der Preis, den Batman zu entrichten hatte, ist kein geringer gewesen. Die Öffentlichkeit verurteilt den Helden aufs Schärfste für seine Tat, Dent zu richten, von dessen wahrer Natur die Bürger Gothams nie erfahren durften. Batman ist ein Geächteter und seither nie wieder in Erscheinung getreten. Bruce Wayne, seines Lebenssinnes beraubt, verwahrlost und halb verkrüppelt, ist gleichfalls von der Bildfläche verschwunden und allenfalls noch für den Klatsch der Oberschicht gut. Zusammen mit Batman verkümmerten auch der Millionär und Wayne Enterprises.
Erst die forsche Diebin Selina Kyle kann ihn aus seiner Lethargie reißen. Doch Comic-Logik im Allgemeinen und DC-Kausalität im Speziellen haben es an sich, dass ein solcher Weckruf selten nur an Gutes gekoppelt ist.
Der agile Langfinger arbeitet für eine undurchsichtige Vereinigung und diese wiederum scheint in direktem Zusammenhang mit Bane zu stehen. Und dieser Bane entpuppt sich alsbald nicht nur als Batmans mächtigster Widersacher, sondern auch als die bisher ärgste Bedrohung für Gotham City.
Gespenster aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft umzirkeln den Verstoßenen und seine Stadt.

Kritik

Wie einem zweite Teil der Größe eines The Dark Knight das Wasser reichen?
Die schnörkellose Antwort: Gar nicht und stattdessen den Plan weiterverfolgen.
Erst mit The Dark Knight Rises wird ersichtlich, wie sehr Nolans Batman-Interpretation als Trilogie angelegt ist. Nach dem zwar ungewohnt düsteren, im Gesamten aber klassischen Superheldenstart aus dem Jahre 2005 kam mit Teil zwei der große Höhepunkt der Saga. Nach allen Regeln der Filmkunst wurde der etablierte Held mit dem einzigen ernstzunehmenden Feind seiner fest verankerten Moral konfrontiert und siegte um Haaresbreite.
Was folgt, ist die übersättigte Welt nach dem Hauptgang. Das Böse ist gebannt, ein Held wirkt plötzlich unbequem und irrational. Es offenbart sich das verstörende Bild einer Comic-Utopie. Was geschieht mit dem Helden und seinem Schützling, wenn das Dunkle vertrieben ist, wenn der Triumph im Rücken liegt? Gotham City suhlt sich in Dekadenz und hat eigentlich auch allen Grund dazu.

The Dark Knight Rises ist kein zweiter und erst recht kein wahrhaftiger Hauptteil. Es handelt sich um den Epilog einer dreiteiligen Erzählung – und als solcher funktioniert er bestens. Sicher, faktisch steht mehr auf dem Spiel als noch im zweiten Akt, trotzdem backt der Film kleinere Brötchen, weil er näher an den Figuren ist, verschwitzter, erbitterter und weit emotionaler daherkommt.
Bane ist hierfür möglicherweise nicht der optimale, durchaus aber ein tauglicher Antagonist. Seine Undurchsichtigkeit und die gewisse Nähe, die er zu Batman hat, machen ihn zu einem Charakter, der nicht ambivalenter, aber entschieden mysteriöser als der räudige Joker wirkt. Tom Hardy nimmt den Platz hinter der Maske mit der notwendigen Intensität ein und macht aus dem Ungeheuer einen martialischen Spiritualisten. Er weiß seine wuchtige Physis so einschüchternd einzusetzen, dass die verborgene Mimik nicht eine Sekunde vermisst wird. Seine Stimme scheint vor bitterböser Süffisanz immer kurz vor dem Überschäumen; ein geschickt platzierter Gegenpol zum bewährt trockenen Humor der Serie. Diesbezüglich eine warnende Randnotiz: Im Englischen ist Bane durch seinen Maulkorb (trotz Nachjustierung in der Postproduktion) ungemein schwer zu verstehen.
Schon immer wurde nicht bloß die Figur Batman, sondern auch dessen Leinwandabenteuer primär durch die Art seiner Schurken bestimmt: Mit dem Joker ging die Manie, mit Bane kommt der Ingrimm.

Auch der Rest des Casts weiß wieder mal zu überzeugen. Christian Bale spielt die gealterte Fledermaus mit Würde, Gary Oldman bleibt seiner liebenswerten Auslegung von James Gordon treu, Joseph Gordon-Levitt gibt den Feuereifer-Polizisten angenehm zurückhaltend und Michael Caine stellt wiederholt unter Beweis, dass er der heimliche Star der Reihe ist. Keinen Klagegrund gibt auch Frau Hathaway in ihrem Catwoman-Kostüm. Obwohl ihr Charakter etwas unterbeleuchtet bleibt, fügt er sich nahtlos ins geerdete Szenario ein. Dennoch ist fraglich, ob der Film diese Figur gebraucht hätte, denn zur tatsächlichen Geschichte trägt sie kaum Wesentliches bei. Bedenkt man, dass insbesondere in der zweiten Hälfte so manches Ereignis trotz der 164 Minuten Laufzeit etwas gehetzt wirkt, wäre die Einsparung der Katzendame vielleicht kein schlechter Schachzug gewesen.
Überhaupt wirkt das Werk dramaturgisch im direkten Vergleich mit seinem Vorgänger nicht mehr ganz so rund und geschliffen. Die Ereignisse gehen nicht immer elegant logisch auseinander hervor, sondern wirken an wenigen Stellen etwas unsauber aneinandergereiht. Zum einen fällt dies aber kaum ins Gewicht, zum anderen steht der leicht fahrige Aufbau der Krise des Protagonisten gar nicht schlecht zu Gesicht. Im Gegenzug ist der Streifen nicht mehr so schwer beladen wie der wirkmächtige Vorgänger und zieht die Daumenschrauben zwar weniger hurtig, dafür aber umso fester an. Außerdem wird den zwischenmenschlichen Beziehungen mehr Platz zugestanden. Von emotionaler Warte aus bewertet, ist dieser Batman-Film ganz sicher der stärkste.
Auch technisch gibt es erwartungsgemäß nichts zu beklagen. Hans Zimmer hat sich wund komponiert und Gotham ist trotz erhöhter Helligkeit immer noch Battys finstere Fledermaushöhle. Einzig die Faustkämpfe wirken wegen des steifen Anzugs nach wie vor ein bisschen schwerfällig, was gerade beim direkten Gekloppe mit Bane kaum zu verbergen ist.

Fazit

The Dark Knight Rises mag kein perfekter Film sein, ist aber ein verdammt noch mal würdiger Abschluss. Alte Bekannte, viel Gefühl, tiefe Einblicke und eimerweise Herzblut. Christopher Nolans Vision ist zu Ende erzählt und jede weitere Ergänzung wäre in dieser 3-Akte-Konzeption ganz einfach überflüssig.
Es bleibt abzuwarten, wie Warner Bros. das Franchise in Zukunft behandelt, wenn der Meister nicht mehr als Regisseur zur Verfügung steht.
Hiermit bietet 2012 jedenfalls das perfekte Comic-Kontrastprogramm zum keineswegs schlechteren, aber grundverschiedenen The Avengers.