Iron Sky – Wir kommen in Frieden!
Follow FIN/DE, 2012
Regie: Timo Vuorensola
Buch: Michael Kalesniko

Udo Kier
Julia Dietze
Götz Otto

Iron Sky – Wir kommen in Frieden!

Bewertung
3.0
Positiv: Anspielungen auf andere Filme sind nicht misslungen...
Negativ: ... der Rest schon. Aber wenigstens in 2D.
Leserwertung
7.5
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Es ist schon einige Jahre her, da hatte ein junger Filmemacher die Idee, die alte Verschwörungstheorie von den Nazis auf dem Mond und ihren Reichsflugscheiben, die mit überlegener Nazi-Technologie über die Erde schwirren, in einen Film zu packen, der so albern sein sollte, wie die Grundidee klingt. Erste Filmszenen wurden im Trailer-Stil auf das Internet losgelassen und huschten im Nu im die Welt – die flink anschwellende Fangemeinde wurde durch ein Crowdfunding-Projekt nie dagewesenen Ausmaßes mobilisiert. Mit Spendengeldern und Merchandise-Einnahmen nahm Regisseur Timo Vuorensola umgerechnet 7,5 Millionen Euro ein. So wurde aus einer launigen Drehbuchidee ein finnisch-deutsche Großproduktion. Fans aus aller Welt konnten sich am Entstehungsprozess beteiligen und ihre Ideen beisteuern. Ähnlich hoch wie das Etat waren am Ende auch die Erwartungen, die der finale Film durchgängig enttäuscht.

Story

Amerikanischer Wahlkampf im Jahre 2018. Die amtierende US-Präsidentin braucht dringend ein paar gute Argumente für ihre Wiederwahl. Da der Mond schon ein paar Jährchen vernachlässigt wurde, ruft sie ein Programm ins Leben, den guten alten Erdtrabanten mal wieder anzureisen. Ihr Mann hierfür ist James Washington – nicht, weil er ein guter Raumfahrer ist, sondern weil seine dunkle Hautfarbe medienwirksam dafür sorgen soll, dass man der Präsidenten ihre großmütige Toleranz abkauft.
Als Washington den Mond betritt, stößt er nach ein paar Metern auf eine gewaltige Basis in Hakenkreuzform: Die Nazis wohnen hier. 1945 türmten sie aus Neuschwabenland und errichteten auf dem Weltraumgestein ihre Kolonie. Fortan wird die Ideologie an die heranwachsenden Generationen weitergegeben und man rüstet sich, zur Erdheimat zurückzukehren und sie mit einer ganz eigenen Interpretation von Frieden zu beglücken.
Washingtons Smartphone scheint die perfekte Energiequelle zu sein, um die von langer Hand geplante Invasion zu starten. Nur mehr braucht man von diesen wundersamen Taschencomputern, viel mehr. Also wird ein kleiner Stoßtrupp Richtung Erde geschickt, um die Offensive einzuleiten. Mit von der Partie ist nicht nur der inzwischen gebleichte Washington, sondern auch Renate Richter, Liebchen des angehenden Führers, deren Überzeugung, dass die Nazis die großen Friedensbringer sein werden, aber zusehends bröckelt.

Kritik

Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Iron Sky ist beträchtlicher Murks, und das auf allen Ebenen. So herrlich debil die Prämisse ist, so desillusionierend fällt die Umsetzung aus. Bei unzähligen kreativen Köpfen, die jahrelang aus purer Leidenschaft heraus über diesem Projekt gebrütet haben, um abstruse Plottwists und pointierte Witze zu ersinnen, war vielleicht nicht die komödiantische Offenbarung, sicherlich aber eine spaßige Satire zu erwarten, die mit allerhand Aberwitz und schelmischer Provokation unterhält. Und doch ist Vuorensolas Herzensprojekt eigentlich nur als filmische Katastrophe zu bezeichnen.
Zwar gibt es Gags am laufenden Band, doch sind diese allesamt ausgelutscht, schal und rundweg uninspiriert. Über ein traniges Wiederverwerten uralter Klischees kommt Iron Sky humoristisch nie hinaus. Auch der einzig passable Gag, dass die Nazis Charlie Chaplins Der große Diktator vollkommen missverstehen, da sie nur Bruchstücke von ihm kennen, kann im Rahmen des Filmes kaum bestehen.

Gemeinsam mit dem Humor pendelt auch die Handlung zwischen albern und banal. Als sich die Nazischergen nach der noch halbwegs tragfähigen Einführung auf den Weg zur Erde machen, verkommt der Rest des Filmes zu einem Vehikel für Unnötigkeiten, bis die aufgeplusterte Schlacht am Ende deutlich macht, wohin das ganze Geld geflossen ist. Die langen 92 Minuten wirken die meiste Zeit, als dienten sie nur dafür, die konstruierten Slapstikeinlagen miteinander zu verbinden.
Gut sieht er aus, der Film über die Mondfaschisten, und kann sich an so mancher Stelle im Effektbereich mit deutlich kostspieligeren Großproduktionen messen – doch ist er nun mal weder interessant noch witzig. Und abseits der Optik bekleckert sich die formale Seite ebenfalls nicht mit Ruhm. Die Szenenübergänge sind teilweise katastrophal, das Schauspiel befindet sich trotz und wegen gewolltem Overacting stets an der Grenze zur Peinlichkeit und selbst die musikalischen Referenzen wollen nicht so recht zünden, weil sie einfach viel zu plump eingebunden wurden.
Beachtenswert ist, wie sehr die deutsche Synchro sich bemüht, das Filmerlebnis zusätzlich zu sabotieren. Iron Sky findet sich selbst am Komischsten, wenn die braunen Seleniten Deutsch sprechen und englischsprachige Erdbewohner darauf reagieren. In der deutschen Synchro geht die gesamte Ebene des Filmes natürlich flöten. Das kann man ihr schwerlich vorwerfen, schließlich muss der Film ja irgendwie ins Deutsche übersetzt werden, trotzdem wird Iron Sky damit auch der letzte Rest Daseinsberechtigung gemaust.
Das einzig Geglückte sind ein paar subtil eingebaute Referenzen an namenhafte Science Fiction-Klassiker, die dem Zuschauer nicht sofort aufs Auge gedrückt werden und deshalb bei Erkennen durchaus ein anerkennendes Nicken verursachen. Wenn die einzige Stärke eines Filmes das Zitieren fremder Stärken ist, spricht das aber nicht unbedingt für ihn.

Fazit

Dieses deutsch-finnische Spezialwerk erhebt den Anspruch auf Kultstatus und scheitert kolossal. Iron Sky vereint das Schlimmste aus defizitärem deutschen Gleichformkino und seelenloser US-Massenware. Einen Hauch von Kult umgab das Projekt während der Produktionsjahre – im tatsächlichen Ergebnis ist davon rein gar nichts zu finden. Der Film über die Mondnazis ist ein zotiges Nichts, das nicht nur stellenweise, sondern absolut hinter den Erwartungen zurückbleibt.
Umso ernüchternder, dass Pre- und Sequels bereits in Planung sind.

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Iron Sky - Wir kommen in Frieden!, 7.5 out of 10 based on 33 ratings

5 Kommentare

  1. El Tofu
    3. Juli 2012, 11:59

    Stimm dir da völlig zu. Man kann Kultfilme nicht produzieren, sowas geschieht einfach oder eben nicht. Mal ganz davon agesehen das die Gags entweder extrem albern oder redundant sind. Ich musste ein mal lachen und vielleicht drei mal schmunzeln. Das schwang dann aber immer mehr um in Hass auf alle im Kinosaal die sich nicht mehr halten konntne vor lachen…

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    • Martin
      4. Juli 2012, 10:51

      In der Tat herrschte während der Abendvorstellung im Saal auch gewaltiges Getöse unter den etwa 20 Zuschauern, die bei jedem Nazi im Bild in Gelächter ausbrachen.
      Die Herrschaften neben uns haben aber ähnlich enttäuscht dreingeschaut, wie unsereiner.

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  2. Andre
    6. Juli 2012, 14:25

    Schön das es noch weitere Leute gibt die das selbe Problem hatten. Ich war mit 4 Freunden im Kino denen ich eigentlich nicht so „flachen Humor“ zugetraut hätte. Hinterher habe ich meinen Unmut über den Film (recht Objektiv) geäußert. Rückmeldung war dann Unverständnis und Gepöbel wie man den Film den so Kritisieren könne… Sehr komisch… ^^

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  3. flo
    17. Juli 2012, 22:26

    Absolut meine Meinung. Ich habe den Film nicht einmal zu Ende geschafft… Sehr schade! Aber das kommt wohl zwangsläufig dabei raus, wenn man etwas unbedingt möchte, aber einem die Ideen zum „Ziel“ fehlen.

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  4. Phil Peters
    14. September 2013, 13:02

    Gute Kritik. War der Vorgänger Star Wreck noch eine überraschend gelungene Parodie auf Star Trek und Babylon, so ist Iron Sky einfach nur alberner Blödsinn. Ich sah mich nicht in der Lage, ihn zu Ende zu schauen.

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