Das verschwundene Zimmer
Follow USA, 2006
Idee: Christopher Leone
Regie: Craig R. Baxley, Michael W. Watkins

Peter Krause
Julianna Margulies
Peter Jacobson

Das verschwundene Zimmer

Bewertung
7.8
Positiv: Hohes Tempo, kaum Spannungsabfall, unverbrauchte Geschichte...
Negativ: ...zum Preis von einigen Logikbrüchen, eine schwächelnde Episode, unterirdisch spielender Dennis Christopher
Leserwertung
8.4
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Der Sci Fi Channel/SyFy ist berüchtigt für viele schlechte Filme und bekannt für viele gute Science-Fiction-Serien. Auch Hochkaräter wie Battlestar Galactica, Firefly, Babylon 5 und Farscape gehen auf das Konto des Senders. Weniger bekannt sind die produzierten Miniserien. Eine davon ist Das verschwundene Zimmer aus dem Jahre 2006, das bei Erscheinen einige  Nominierungen entete, unter anderem für den Emmy und den Writers Guild of America Award.

Timmy brought in a huge earthworm. I touched it.

Story

Detective Millers Frau ist über alle Berge und das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter droht ihm entzogen zu werden. Von seiner Ausweglosigkeit geplagt, stürzt er sich in Arbeit. Ein jugendlicher Kleinkrimineller, dem er früher geholfen hat, wieder auf die Beine zu kommen, stirbt vor seinen Augen – und hinterlässt ihm einen unscheinbaren Motelschlüssel, der sich in jedem beliebigen Schloss herumdrehen lässt. Dies getan, gelangt man durch die entsprechende Tür in ein mysteriöses Zimmer mit der Nummer 10, das abseits der Gesetze von Raum und Zeit zu existieren scheint. Von dort aus lässt sich jede vorstellbare Tür auf der ganzen Welt erreichen.
Gemeingefährliche Kriminelle eröffnen die Jagd auf den Detective und zu allem Überfluss verschwindet seine Tochter in dem Motelzimmer. Er wird der Entführung seines eigenen Kindes bezichtigt und Gut wie Böse sind daraufhin auf seinen Fersen.
Viele Parteien schlecken sich die Finger nach dem wertvollen Schlüssel und wie von selbst stößt der leiderprobte Vater auf weitere kuriose Artefakte. Von einem teleportierenden Fahrschein über eine eierkochende Armbanduhr bis hin zum todbringenden Kugelschreiber. Alle hängen sie irgendwie mit dem geheimnisvollen Raum zusammen, besitzen einzigartige Kräfte und haben fanatischen Sammler, die es um jeden Preis auf sie abgesehen haben.
Miller wird klar, dass er das Zimmer und die Objekte verstehen und beherrschen muss, um seine Tochter zurückzubekommen.

Kritk

Das verschwundene Zimmer Startet ziemlich temporeich, aber auch ein wenig unbeholfen. Generell sind die darstellerischen Fähigkeiten nicht die Stärke der Serie und auch die Dialoge verdienen ganz gewiss keine Preise. Eine Ausnahme – jedenfalls was den ersten Punkt angeht – bilden Protagonist Miller und seine hinreißende kleine Tochter, gespielt von Elle Fanning, die 2001 mit J.J. Abrams 80er-Jahre-Sci-Fi-Hommage Super 8 weltweite Berühmtheit erlangte. Und das zu Recht.
Bemerkenswert ist, wie man mit einfachsten Mitteln so viel Mystery zu erzeugen imstande ist. Von ein paar simplen, sorgsam eingenähten Effekten abgesehen, kommt Das verschwundene Zimmer ohne großen Budenzauber aus. Was für das Verständnis und Glaubwürdigkeit benötigt wird, das wird auch gezeigt, doch entwickeln sich die meisten Verstrickungen und auch der Hauptteil der Spannung aus den Gesprächen und Begegnungen heraus.
Dies darf man nicht missverstehen. Zwar wird viel gesprochen, trotzdem geht es für eine Miniserie ausgesprochen turbulent zu. Ständig passiert irgendetwas und alles ist immer in Bewegung. Über Langeweile und ereignislose Durststrecken wird man sich bei der Sci-Fi-Mystery-Serie unter Garantie nicht beschweren. Der Preis hierfür sind natürlich massenhaft Zufälle. Dass dies nicht zu sehr zulasten der Plausibilität geht, liegt an der simplen Eigenlogik der Serienwelt, die die meisten aufkommenden Fragen mit mystischem Objektdeterminismus beantwortet. Dass man es sich hier sehr einfach gemacht hat, ist kaum von der Hand zu weisen. Gerechtfertigt wird das Schlupfloch aber durch die angenehme Tatsache, dass die Erzählung herrlich straff vorgetragen wird. Das sorgt nicht nur dafür, dass der Zuschauer ständig mitgezurrt wird, sondern kaschiert zudem geschickt die eine oder andere Ungereimtheit. Auch der trockene Humor trägt seinen Teil hierzu bei. Fragen wie „Wie zum Geier passt der Schlüssel in jedes Schloss?“  oder „Was geschieht, wenn man eine Tür als Ankunftsort auswählt, die bereits geöffnet ist und in der jemand drinsteht?“ sollte man dennoch nicht zu laut stellen.
Die Serie tut einfach gut daran, ihre Geschichte in nur 6 Episoden zu erzählen. Anderswo hätte man sich 18 Folgen für denselben Plot genommen und wäre gescheitert.
Vor allem die tragische Spirale, dass mit jedem scheinbar durchdachten Schritt alles ein klein wenig schlimmer wird, funktioniert für eine ganze Weile mustergütig. Die an sich mittelmäßige, aber geschickt eingesetzte Musik tut ihr übriges. Überhaupt ist die Sache technisch sehr solide umgesetzt – auch wenn man weiß, dass der Sci Fi Channel eigentlich zu mehr in der Lage ist. Besonders die Kamera überrascht an einigen Stellen mit einer interessanten Eigenwilligkeit.
Das Wichtigste ist, dass Das verschwundene Zimmer es gelingt, spielend eine sehr spezielle Atmosphäre heraufzubeschwören, die von Folge von Folge aktualisiert wird. Dadurch stellt sich bereits in den ersten Minuten ein markantes Gefühl ein – ein Individualismus, den die meisten Serien einfach nicht erreichen.
Nach Folge drei könnte man zu glauben beginnen, dass die kleine Produktion davor stünde, sich in einen Leerlauf zu begeben. In der nachstehenden Episode geht es aber wieder steil nach oben, das Tempo überschlägt sich fast und es folgen noch ein paar bemerkenswert unterhaltsame Ideen, bis man mit einem Finale endet, das die Sache nicht toterklärt, aber hinlänglich befriedigend abschließt.
Als richtiger Schandfleck stellt sich leider Dennis Christopher heraus, dessen Charakter Martin Ruber sich früh als niederträchtiger Schuft im Forensiker-Fell herausstellt. Hier ist derart viel Overacting im Spiel, dass man den Kerl zwar automatisch unsympathisch findet, aber aufpassen muss, dieses Gefühl nicht im nächsten Schritt auf die restliche Serie mit zu übertragen, so schmerzhaft neben der Spur ist sein Schauspiel. Und auch der anfangs so gerissene passionierte Sammler Karl Kreutzfeld scheint im späteren Verlauf aus irgendeinem Grund eine gehörige Portion Intelligenz eingebüßt zu haben, wird zunehmend passiver und unwissender und verspielt damit einen Gutteil seines Charismas. Gerade bei einer charakterbetonten Serie wie dieser fallen solche Patzer überdurchschnittlich schnell auf und schwer ins Gewicht.

Fazit

Das verschwundene Zimmer ist eine angenehme Sci Fi Channel-Produktion mit eigenem Charme, hübschen Ideen, einer charakterbetonten Umsetzung und hohem Tempo. Aufgrund der sehr konzentrierten Erzählung lässt sich die Miniserie perfekt an einem Wochenende beenden und bleibt trotz kleinerer Schwächen gut im Gedächtnis.

Übrigens ist eine Fortsetzung in Comicform geplant, wurde trotz des versprochenen 2011er Termins aber bisher nicht eingehalten. Red Five Comics beteuern, dass sich das Projekt weiter in Entwicklung befinde.

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Das verschwundene Zimmer, 8.4 out of 10 based on 14 ratings

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