Alien Nation – Spacecop L.A. 1991
Follow USA, 1988
Regie: Graham Baker
Buch: Rockne S. O'Bannon

James Caan
Mandy Patinkin
Terence Stamp

Alien Nation – Spacecop L.A. 1991

Bewertung
6.0
Leserwertung
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Spacecop L.A. 1991 (so der Name im Original) ist ein Pilot zur Sci-Fi-Serie Alien Nation (So der Serienname auf Deutsch und im Original und so der Filmtitel in Deutschland), die bei uns jedoch nur zweimal in den 90ern ausgestrahlt wurde, nicht auf DVD zu erwerben ist und daher auch keine nennenswerte Bekanntheit genießt.
Die Serie selbst war für zwei Staffeln konzipiert, wurde nach der ersten aber eingestellt und stattdessen mit 5 Fernsehfilmen zu Ende erzählt.
Der Pilot selbst funktioniert jedoch auch ohne die nachfolgende Serie als abgeschlossene Geschichte mit kohärenten Charakteren.

At least I’m a detective, not some outer-shit space thing.

Story

Der Matthew ist ein Speziesist,
Ihr wisst vielleicht nicht, was das ist
Ein Speziesist, das ist ein Mann
Der Aliens gar nicht leiden kann

Es mag nicht sinnvoll sein, eine Inhaltsangabe so zu beginnen. Doch wie viele Science-Fiction-Kritiken fangen schon mit einer abgewandelten Strophe von Erich Kästner an? Nicht sehr viele, und das sicher mit gutem Grund.

Wir schreiben das Jahr 1991. Vor drei Jahren landete ein Raumschiff mit 250.000 außerirdischen Flüchtlingen in der Mojave-Wüste. Die Tenctonen – oder auch Slags, wie sie abwertend geschimpft werden – baten um Asyl und es wurde ihnen gewährt. In ihrer Anatomie den Menschen weitestgehend ähnlich, unterscheiden sie sich sehr in Bräuchen und Sichtweisen. Mit der Zeit wurden sie normale Mitglieder der Gesellschaft.
Viele haben natürlich ihre Vorbehalte. Detective Matthew Sikes ist einer von davon und fühlt sich in ihnen bestätigt, als sein langjähriger Partner und Freund während eines Einsatzes von einem Slag niedergeschossen wird. Um den Fall aufzuklären, stürzt sich der privat abgebrannte Cop in die Arbeit und sucht sich ausgerechnet einen Außerirdischen als neuen Partner. Trotz privater Abneigung spekuliert er darauf, ihn dafür nutzen zu können, Zugang zu den kriminellen Kreisen der Tenctonen zu kommen.
Mit der Zeit erweist sich aber nicht nur, dass sein neuer Gefährte mit dem einprägsamen Namen George Francisco ein gar nicht so übler Typ ist, sondern auch abseits seiner Herkunft eine große Bereicherung darstellt. Trotzdem scheinen die tiefen kulturellen Klüfte nie ganz überwindbar zu sein.

Kritik

The City of Los Angeles in 1991
They have landed

Manchmal tut man gut daran sich vorzustellen, dass alle Science-Fiction-Filme in einer alternativen Zeit spielen und nicht in unserer Zukunft. Dann ist es auch nicht weiter schlimm, dass vor einem viertel Jahrhundert keine Aliens zu uns kamen.
Wieso jemals irgendwer auf die schändliche Idee kam, blau schimmernde Buchstaben mit rosa Umrandung seien angemessen, um die Opening Credits in Szene zu setzen, wird zum Glück auf ewig ein Geheimnis der Achtziger bleiben.

Alien Nation beginnt mit einer lockeren und sympathischen Darstellung von Mensch und Welt. Spätestens beim lapidaren Umgangston des Cop-Teams, das versucht, über einen just im Moment stattfindenden Raubüberfall zu sprechen, ohne dass den Tätern dies auffällt, wird klar, dass man sich unzweifelhaft in einem Buddy-Movie befindet. Ein Buddy-Movie mit Aliens! Dass Buddy 1 am Anfang gehen muss und durch Nicht-Buddy 1 ersetzt wird, damit sich dieser im Laufe des Filmes zu Buddy 2 entwickeln kann, ist ja keine Seltenheit.
Ganz so ungeheuer klassisch geht dieses Exemplar dann doch nicht vor. Denn allzu ausgeprägt ist der Speziesismus (um den Richard Ryder-Neologismus weiterzuverwenden) des Protagonisten gar nicht, auch wenn es anfangs noch scheint, als würde der Film diese Richtung einschlagen. Eigentlich können sich die neuen Partner sogar relativ schnell gut riechen und der bärbeißige Cop, der am Anfang noch auf das Gegenteil pocht, ist weder sehr bärbeißig, noch sehr konsequent. Das passt aber durchaus zu seiner Figur des langsam ergrauenden, abgehalfterten Bullen, der ohne Freunde und abgekapselt von seiner Familie in einer diesigen Wohnung verbitternd trinkend auf den nächsten Tag lauert und sich insgeheim doch nur einen Freund wünscht. Die Chemie zwischen den beiden Protagonisten ist eine merkwürdige, da nie ganz klar ist, wer in welcher Szene nun die Hosen anhat, und wo genau das Drehbuch mit dem Gespann eigentlich hin möchte. Besonders hier wird deutlich, wie groß die Unterschiede zu Enemy Mine sind, obwohl die Idee auf dem Papier so ähnlich aussieht. Trotzdem geht das Konzept überwiegend gut auf. Verschiedene Interessen, verschiedene Schwachstellen, verschiedene Stärken – und doch ein gemeinsames Ziel, für das sie zusammenarbeiten müssen.
Wie so oft funktioniert das ganze Gezicke und einander Nahekommen letztlich viel besser  als die zweckdienliche Story im Hintergrund. Das wird ganz besonders dann klar, wenn sich das Finale aus der Ferne ankündigt und plötzlich sehr viel geschossen, geschlagen und uninspiriert verfolgt wird. Nicht bloß gerät die Story des Sci-Fi-Films dann zunehmend uninteressanter und inszenatorisch belangloser als der Anfang, sie wird außerdem auch gänzlich von Hinten aufgezäumt, denn die Gefahr schrumpft mit zunehmender Laufzeit und selbiges vollzieht mit der Bedrohlichkeit des Antagonisten, wodurch die vermeintliche Gefahr für alle sich zum Schluss auf eine private und weitestgehend bedeutungslose Schlägerei zusammenschrumpelt.

Ein recht spezieller Punkt des Filmes ist sein Humor, der manchmal auf klassische (durchaus auf klassisch gute) Weise mit den vielen kleinen Verschiedenheiten der im Großen gar nicht so Verschiedenen spielt und sympathisch Missverständnisse generiert, aber hier und da auch durch merkwürdig vulgäre Gebiete streift und nicht einmal leidlich lustigen Witzeleien über Genitalien und Fieberthermometer zu punkten versucht.

Wirklich Mühe gab man sich dafür mit der Erschaffung einer glaubwürdigen Alien-Spezies mit eigener Vergangenheit, denn gerade die nur beiläufig erwähnten und gezeigten Aspekte sind es, die Faszination ausstrahlen: Die merkwürdige Sozialstruktur der Außerirdischen und ihre geheimnisvolle Geschichte voller dunkler Flecken schaffen ein hochinteressantes Bild. Von einem anderen Volk zum Arbeiten herangezüchtet, durch Drogen zum Weitermachen und schließlich zum Sterben gezwungen worden und als Flüchtlinge ausgerechnet von uns aufgenommen. Eine Ausgangslage, aus der man noch viel hätte machen können. Vor allem in Hinblick auf deren Heimat und die versklavende Alien-Spezies, die hier nur kurz beim Namen genannt wird. Das ist natürlich nicht verwunderlich, wenn man sich vor Augen hält, dass es sich bei Alien Nation – Spacecop L.A. 1991 um einen Pilotfilm handelt, der seinen Job auch anständig macht: Man bekommt Lust auf die Serie.

Fazit

Ein grundsolides Buddy-Movie, das sich zum Glück nicht moralisierend mit dem Schlagen von interkulturellen Brücken aufhält und durchaus einige Sachen anders macht. Die Paarung von Alien-Cop und Menschen-Cop funktioniert gut, auch wenn die eigentliche Geschichte kaum eine Erwähnung wert ist. Hier merkt man, dass der Streifen eben doch ‚nur‘ ein Pilotfilm ist. Trotzdem wecken vor allem die angedeuteten Hintergründe der weitgereisten Immigranten.

Drehbuchautor war übrigens Rockne S. O’Bannon, der auch für die Serie und die TV-Filme schrieb und dem Sci-Fi-Sektor auch weiterhin Stories für Farsacpe (sowohl Serie als auch The Peacekeeper Wars), Seaquest, V – Die Besucher und jüngst erst für Defiance konzipierte und seine Karriere zuvor mit Geschichten für The Twilight Zone begann. Seine Regiearbeit für Angriff der Killerbienen ist jedoch weniger rühmlich geworden.

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