Primeval – Rückkehr der Urzeitmonster – Staffel 2

Die Britten von Impossible Pictures schicken ihre erste eigene Serie abseits der Wissensvermittlung in die zweite Runde.  Keine Selbstverständlichkeit, aber ITV und Pro 7, für die direkt produziert wurde, zeigten sich mit dem Quotenschnitt zufrieden.
Weiter geht’s also mit Bewährtem. Diesmal sogar mit einer Folge mehr als noch in Staffel 1.

– Wo laufen wir hin?
– Ich bin dir nur nachgerannt!

Story

Immer noch klaffen Zeitlöcher auf, immer noch hasten Eigenbrötler Cutter und sein Flickwerk-Team umher, um alles, was aus ihnen purzelt, wieder zurückzustopfen und immer noch wundert sich keiner, dass das Anomalien-Phänomen außerhalb Londons kein Thema zu sein scheint.
Zwar erhält die Einheit nun eine flotte Zentrale und auch ein Anomalien-Detektor wird entwickelt, eigentlich geht es aber so unkoordiniert und planlos zu wie eh und je.
Außerdem muss sich Cutter nach dem letzten Staffelfinale damit abfinden, dass er sich in einer veränderten Gegenwart befindet.
Chef Lester bekommen einen an Mr. Bean erinnernden Adjutanten zur Seite gestellt und unser Einsatzteam wird von einem vertrauten Gesicht um einen Pressesprecher respektive Vertuschungsgehilfen bereichert, während ein paar verdächtige Gestalten die täglichen Operationen der Dinojäger zu überwachen scheinen.
Selbstverständlich sorgt Wildfang Helen weiterhin für gruppeninternen Zündstoff und hat überall da ihre Griffel im Spiel, wo es konspirativ zugeht.

Kritik

Wie die Story, so der Rest: Eigentlich ist alles beim Alten geblieben. Dabei fällt der Anfang interessanter aus, als die gesamte erste Staffel es jemals war. Endlich wird die Dinosuppe um ein paar Zeitreiseparadoxien angereichert, endlich ist der Grundstein gelegt, die ganze Thematik angemessen interessant auszuschmücken. Leider bleibt es bei diesem Ansatz und der akzeptable Einstieg entpuppt sich für Staffel 2 als leeres Versprechen.
Außerdem wird in der Wiedereinstiegsfolge auch gleichzeitig der bisherige Zenit an Ärgerlichkeit erreicht. Die Figuren verhalten sich in einem so unfassbarem Maße irrational, dass man es dem Drehbuch beinahe übelnimmt, dass das Zeitriss-Getier nicht schon vor Beginn der ersten Staffel den Trupp überrumpelt und die moderne Welt unterjocht hat. Am Ende der Episode nimmt das himmelschreiend Dumme mit einer abstrusen Selbstverständlichkeit überhand, während die eh schon magere Eigenlogik der Serie sich zeitgleich selbst durch den Mixer jagt. Hier kann einem nur der Gedanke kommen, dass man nicht nur den Zuschauer, sondern auch sich selbst veräppeln wollte, ist Primeval doch bereits in Folge 1 eine Karikatur seiner selbst. Eigentlich will man dem flachen Unterhaltungskonzept so viel Selbstreflexivität gar nicht zutrauen, doch eine andere Möglichkeit kann es schlichtweg nicht geben. Ohne noch weiter ins Detail gehen zu wollen: Das muss man schon gesehen haben, um es zu glauben.

Ansonsten bleibt Primeval seiner Linie treu: Da schalten Raptoren systematisch Überwachungskameras durch Zubeißen aus, Zeitreisepazifist Cutter verpönt Schusswaffen, bevorzugt aber die Axt und neuerdings werden die Bestien auch gerne mit Karate bearbeitet.
Man schämt sich nicht, längst zum Klischee gewordene Standardsituationen mit indolenter Regelmäßigkeit heraufzubeschwören. Es ist kaum zählbar, wie oft ein Charakter auf der Flucht im letzten Augenblick unter einem langsam sinkenden Tor hindurch rutscht inmitten der lebensbedrohlichen Gefahr die Gruppe verlässt, um sich sorgenfrei am ungeschützten Getränkeautomaten zu bedienen.
Weitere Figuren werden meist eingeführt, um die begriffsstutzigen Protagonisten besser dastehen zu lassen. Wenn in Folge 5 beispielsweise ein kleines Mädchen seinem Hund ohne mit der Wimper zu zucken durch eine Anomalie nachläuft, das Ganze mit „cool“ quittiert und weiter der Töle sucht, ist das fraglos außerordentlich.
Solche Situationen sind bei Primeval Staffel 2 an der Tagesordnung. Werden dem Team aus der Ferne panische Warnungen zugerufen, bleibt es natürlich erst einmal stehen und unterhält sich darüber, wie schlecht doch die Akustik sei. Dass eine gewisse Caroline quasi permanent alleine in Abbys Wohnung rumlungern kann, obwohl sie gar keinen Schlüssel besitzen dürfte, wird ebenso hingenommen wie die spontane Heilung eines verstauchten Knöchels.
Ganz zu schweigen von den Logiklücken in der großen Serienphilosophie. Primeval scheint sich auf der verbreiteten Meinung, Unstimmigkeiten wären bei Zeitreisegeschichten generell unvermeidlich, auszuruhen. So ist es sicherlich nachvollziehbar, dass man aus Furcht vor deterministischen Konsequenzen den Viechern aus der Vergangenheit ihren Hals nicht umdrehen will. Dass man sich hingegen nicht scheut, sie bewusstlos in ihrer Zeit auf einem Felsen zu platzieren, mutet in dieser Beziehung  aber reichlich inkonsequent an. Auch die Problematik, dass die Ereignisse der Vergangenheit alleine dadurch geändert werden, dass ständig Geschöpfe für ein Weilchen ihren Platz in Raum und Zeit verlassen, bleibt unausgesprochen. Es wäre nicht weiter schlimm, wenn sich die Serie durch hanebüchene Erklärungsversuche aus der Affäre ziehen wollen würde. Dass sie sich um derartige Detailfragen aber gar nicht erst kümmert, zeugt hingegen von großer Ideenarmut. Oder der Annahme eines denkfaulen Publikums.
Überhaupt wird die „Wir töten nichts!“-Devise von Folge zu Folge neu ausgelegt und bei Bedarf einfach ignoriert. Da wird dann auch mal unnötigerweise zum Maschinengewehr gegriffen, wenn Impossible Pictures der Meinung ist, ein bisschen Action wäre guter Quotendünger.

Zwischendurch lockern private Scherereien den Heldenalltag auf, ohne jemals notwendig zu wirken. Besonders die Beziehung zwischen Abby und dem hippen Nerd Conner, der seine Verwandlung zum Haarmodel zwischenzeitlich abgeschlossen hat, wird von der Sci-Fi-Serie fortwährend ungeschickt in Szene gesetzt. Eins der vielen Beispiele in Primeval, die von gutem Willen zeugen, während die passenden Ideen zur Verwirklichung ausgeblieben sind.

Unterm Strich klingt das alles aber deutlich schlimmer, als es tatsächlich ist. Trotz und sicher auch wegen der unzähligen Fehltritte ist das Treiben durchaus nett anzusehen. Ein harmloses Intermezzo als Alternative zu schlechtem Wetter, das man sofort wieder vergessen hat, ebenso wenig aber ernstlich bereut.
Der größte Gewinn gegenüber Staffel 1 ist fraglos die Tatsache, dass langweilige Momente nun meistens vermieden werden. Das Tempo funktioniert etwas besser, die Schauspieler wirken in ihren Rollen heimischer und einen Deut interessanter ist die Angelegenheit auch geworden. Die musikalische Untermalung ist belanglos, leistet sich aber immerhin keine wirklich peinlichen Ausrutscher mehr und auch die Urzeitschlingel sehen einen Tick besser aus, obwohl wenn man sich manchmal immer noch in einer The Asylum-Produktion wähnt. Immer dann, wenn die animierten Kreaturen sich zu schnell bewegen, kränkelt auch die Qualität der Effekte. Auf der anderen Seite lassen sich diesbezüglich aber ebenso ein paar positive Ausschläge verzeichnen.
Leider verscheucht man auch hier Potential, indem man jeden banalen Gang um die Ecke, jeden Blick über die Schulter mit furchtbar viel Pathos in Szene setzt. Im Umkehrschluss wird so das gefährliche Zukunftsraubtier nicht interessanter als der Besuch einer Frittenbude.
Was die Serie aus dem kritischen Bereich holt, sind die mittelmäßigen, aber trotzdem charismatischen britischen Gesichter. Und weil die Faustregel mit dem blinden Huhn und seinem Körnerglück auch auf Serien anwendbar ist, existieren ebenfalls Episoden mit kleinen Lichtblicken. Die vorletzte Folge zum Beispiel weiß mit ein paar netten inszenatorischen Ideen zu gefallen, die verloren geglaubtes Interesse wieder ins Leben rufen können.
Die finale Episode ist dann in mancher Hinsicht besser als alle vorherigen Geschichten und in vielerlei Hinsicht noch alberner.

Fazit

Grundsätzlich hat sich wenig geändert. Einiges ist besser geworden, das meiste geblieben und in ein paar Punkten schafft es Staffel 2 sogar, den Vorgänger zu unterbieten.
Wer über dramaturgische Schwächen hinwegsehen und über alle anderen Schwächen lachen kann, findet hier aber vielleicht sein Guilty Pleasure.
Absichtlich funktionierender Witz und eine deutlich bodenständigere Selbstwahrnehmung, das ist mein Wunsch für Staffel 3. Dann klappt’s auch mit dem Durchschnitt.

Primeval – Rückkehr der Urzeitmonster – Staffel 1

Tim Haines wurde in den späten 90ern dafür bekannt, sein Wissen über Dinosaurier populärwissenschaftlich aufzuarbeiten und so in guter Infotainment-Tradition an den Mann zu bringen. Bereits während der Produktion seines Prestigeprojekts Dinosaurier – Im Reich der Giganten hatte er den Wunsch, die digital erschaffenen Kreaturen mit einer zeitgemäßen Thrillerhandlung zu verbinden. Mit Primeval gelang ihm die Umsetzung seines Traumes 8 Jahre später. Somit ist die obligatorische deutsche Beifügung „Rückkehr der Urzeitmonster“ zwar so unnötig wie fast sämtliche Titelergänzungen unserer eifriger Übersetzer, lässt sich aber immerhin mit etwas gutem Willen auch auf Haines‘ Filmographie beziehen.

Story

Hellen, Die Frau des Evolutionsbiologen Professor Nick Cutter, verschwand spurlos im Forest of Dean in England.
Als sich acht Jahre später seltsame Vorkommnisse um diesen Wald herum häufen, ist Cutter schnell zur Stelle. Was er entdeckt, ist eine Art Tor in die Vergangenheit – eine sogenannte Anomalie, die das Bindeglied zwischen Gegenwart und Erdmittelalter zu sein scheint. Und diese Anomalie spuckt Dinos aus, die prompt anfangen, das englische Eiland zu ihrem Jagdrevier zu erklären.
Zeitgleich mit Cutter stoßen noch weitere Personen auf das gefährliche Phönomen: Die kesse Abby, die im Zoo arbeitet, der nerdige Connor, der eigentlich Student von Professor Cutter ist, und Stephen, Galan und Cutters Assistent. Selbstverständlich lässt sich auch die verschollene Gemahlin alsbald wieder blicken.
Kurz darauf schaltet sich die Regierung ein und als klar wird, dass Anomalien in ganz England auftauchen, um biestige Reptilien durchzulassen und dann wieder zu verpuffen, wird das zusammengewürfelte Grüppchen, das sich im Forest of Dean zusammengefunden hat, einfach mal zum strenggeheimen Einsatzteam ernannt, das fortan die Anomalien und alle Probleme, die sich dank ihnen ergeben, in Schach halten darf.

Kritik

Der Inhaltsangabe merkt man schon an, dass Primeval nicht übermäßig ernstgenommen werden sollte. Nicht die Charaktere, nicht die Handlung, nicht einmal die Werbung. Denn egal, wie oft man liest, dass die Effekte mit ihrer wegweisenden Qualität die Dinos direkt ins eigene Wohnzimmer brächten, ist und bleibt diese Behauptung doch eine dreiste Lüge. Die Urzeitmonster sind stets unscharf dargestellt und bewegen sich längst nicht so geschmeidig, wie man es von zeitgemäßer Animationen gewohnt ist, weshalb sie auch immer wie der künstlich ins Bild gefügte Fremdkörper wirken, der sie sind. Die Krone setzen aber die Anomalien selbst auf, die aussehen, als hätte man eine Discokugel fotographiert, die im Begriff ist zu bersten. Wirklich katastrophal ist aber die Musikuntermalung, die ungeschlachter kaum sein könnte und bei so gut wie jedem Einsatz eine Gänsehaut der wirklich unangenehmen Art verursacht.
Etwas verwunderlich ist zudem, dass gerade ein Dinonarr wie Tim Haines in drei von sechs Folgen keine Echsen ins Feld schickt, die nachweislich existiert haben, sondern Fantasiewesen wie etwa einem überdimensionierten Tausendfüßler den Vortritt lässt.
Passend zu den trashigen Animationen sind auch die Charaktere gezeichnet, die fast ausnahmslos in den drei Konfigurationen „unvermutet smart“, „selten dämlich“ und „attraktiv“ agieren, wobei jede Figur in den meisten Episoden alle Stationen wenigstens kurz einmal besetzen darf.
Natürlich gibt es da auch noch den zwielichtigen Regierungsbeamten, der einer ominösen Deeskalationseinheit angehörig ist und als undurchsichtiger Vormund für das Protagonistenhäufchen dient.
Um es kurz zu machen: Überall finden sich kleinere wie größere Fehler. Sei es Hellen, die nicht gekämmt ist, weil sie bei Dinos lebt, wohl aber in einwandfreier Kleidung rumläuft. Oder die einfache Tatsache, dass man Zeitportale zwar etwas sonderbar, nicht aber als ausreichend bedeutsam genug empfindet, um tatsächliche Spezialisten für deren Betreuung anzuheuern. Stattdessen zieht man einen wackeligen Zaun um die Zeitfenster und betraut einen Haufen dahergelaufener Zivilisten mit dieser brisanten Aufgabe.

Spätestens dann aber, wenn der gerade zu Beginn haarsträubende Mysteryplot um das Geheimnis der Anomalien ins Rollen kommt, bemerkt man schnell, dass diese Science Fiction-Serie gar nicht mit klassischem Anspruch geschaut werden möchte.
Der seichte Trashcharme gibt eigentlich ab der ersten Folge bereits den Ton an. Zwar streift die Komik in und Wort und Situation nur selten das angepeilte Ziel, das Gesamtbild versprüht aber doch eine merkwürdige Heiterkeit, gegen die man sich irgendwann einfach nicht mehr sperren kann. Und wären die Plots der Einzelepisoden nicht so schrecklich generisch, würde jene eigene Stimmung beinahe genügen, der Serie zumindest auf dieser speziellen Rezeptionsebene eine Empfehlung auszusprechen.
Durch die trägen Geschichten schleicht sich außerdem allzu oft Langeweile ein, die von der lockeren Stimmung nie zur Gänze aufgewogen werden kann und einigen der 45-minütigen Folgen die Dauer eines ganzen Spielfilmes zu geben scheint.
Was jedoch in jeder Szene unverkennbar zum Vorschein tritt, ist der Spaß, den die ganze Crew beim Dreh gehabt haben muss. Permanent hat der Zuschauer das Gefühl, die Akteure verschmitzt grinsen zu sehen. Und auch dieses Gefühl ist bis zu einem gewissen Grade ansteckend.

Fazit

Primeval ist fernab von toll, hat aber unbestreitbar seine Momente. Die britische Herkunft steht der Serie definitiv gut zu Gesicht. Es handelt sich nun mal nicht um eine geleckte Produktion aus irgendeinem staubigen Hollywoodstudio. Auch unterschwellige Selbstironie muss man Primeval zugutehalten.
Doch all der europäische Charme kaschiert nicht die gigantischen Krater in Drehbuch und Figurenzeichnung. Und die muntere Atmosphäre macht aus den müden Einzelstories halt auch keine fesselnden Geschichten.
Erst gegen Ende kommt ein wenig des Potenzials zum Vorschein, das eine Serie mit Zeitreisethematik von Natur aus hat. Aber dann ist es auch schon vorbei und ein schnöder Cliffhanger ist das einzige, was einen dazu bringen soll, sich auch das halbe Dutzend Folgen von Staffel zwei zu Gemüte zu führen.