A Sound of Thunder
Follow USA, 2005
Regie: Peter Hyams
Buch: Gregory Poirier u.a.

Edward Burns
Catherine McCormack
Ben Kingsley

A Sound of Thunder

Bewertung
3.8
Positiv: Unterhält...
Negativ: ...trotz vollkommenem Mangel an Qualität
Leserwertung
3.2
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80 Millionen Dollar versickerten in A Sound of Thunder und doch wurde der Film zu einer der größten künstlerischen Niederlagen überhaupt. Schmähworte von Kritikern und Kinogängern, ein lachhaftes Einspiel und eine klammheimliche DVD-Premiere in Deutschland sind der Dank. Mit gutem Grund.

Today you stood shoulder to shoulder with Columbus discovering America.

Story

Die Firma Time Safari Inc. bietet gelangweilten Reichen die Möglichkeit, rückwärts durch die Zeit zu reisen und Dinosaurier zu erleben. „Rückwärts durch die Zeit zu reisen“ heißt Kreidezeit und „erleben“ heißt töten. Alles, um den Wunsch des Adels nach Exklusivität zu stillen. Weil man nicht einfach so wild in der Vergangenheit rumschießen sollte, werden nur Echsen erlegt, deren Ableben sowieso wenige Augenblicke später stattfinden würde, damit die feste Kausalität der Zeit möglichst unangetastet bleibt.
Aufgrund von technischem Versagens macht ein Safari-Teilnehmer einen falschen Schritt und die Vergangenheit ist hinüber. Monströse Zeitwellen rollen über die gegenwärtige Erde und bringen nach und nach beängstigende Veränderung. Die Städte sind mit aggressivem Gestrüpp überwuchert und in den Straßen regieren wütende Urzeitgeschöpfe.
Vom schlechten Gewissen getrieben, macht sich nun ein Team aus Wissenschaftlern auf den Weg, den Fehler irgendwie zu korrigieren.

Kritik

Was war da los? Regisseur Peter Hyams hat davor immerhin achtbare Sci-Fi-Filme wie Outland und 2010: Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen verwirklicht. Sicher, es befinden sich auch Sachen wie End of Days auf seinem Kerbholz, aber nichts vom Kaliber eines A Sound of Thunder. Gerade die erbärmlichen Effekte scheinen erst einmal unerklärbar. Die Zukunftsstraßen sehen aus wie eingelaufenes Plastik und die Dinos sind derart miserabel animiert, dass Michael Crichton unter Garantie im Grabe rotiert.

Nicht das prager Jahrhunderthochwasser, weswegen sich die Veröffentlichung des Trauerspiels um 3 Jahre verzögerte, war Schuld, sondern simpler Größenwahn. Die Erkenntnis, dass die fürs Drehbuch erdachten Szenen vom vorhandenen Budget niemals getragen werden könnten, führte nicht dazu, kleine Brötchen backen zu wollen, sondern verursachte Trotzreaktionen bei den Verantwortlichen. Man wollte sich das Herzensprojekt nicht von fehlenden Dollarbündeln kaputtmachen lassen. Stattdessen nahm man es lieber in Kauf, jede gewollt pompöse Dino- und Großstadtuntergangsszene auf Teufel komm raus umzusetzen und sie im Gegenzug einfach grauenhaft aussehen zu lassen. Bei vielen verschiedenen Special-Effects-Firmen ging man hausieren, um das günstigste Angebot rauszuschlagen. Für jeden Effekt gab es einen festgelegten Finanzrahmen, der nicht verlassen werden durfte. Und entsprechend sieht das Unglück von einer Science-Fiction-Geschichte dann auch aus.
Aber schlechte Effekte und Kalkulationsverweigerung allein reichen vielleicht für einen gesunden Flop, aber nicht, um einen Film derart scheitern zu lassen. Es hakt auch an allen anderen Stellen im Getriebe.

Es ist schwer zu sagen, was schlimmer ist. Die Hampelmänner, die man dank ihren zotigen und völlig unmotiviert vorgetragenen Sprüchen schon ab Minute zwei nie-, nie-, niemals in die heiligen Hallen der Identifikation einladen wird, die unfassbar minderwertigen Dialoge oder die doch Tatsache, dass man mit Plastikgewehren auf furchtbar schlechte Spezialeffekte feuert.
Irgendwer hatte die blendende Idee, dass man nur einen renommierten Kopf wie den von Ben Kingsley auf dem Kinoplakat bräuchte, um automatisiert Einnahmen zu generieren. Wenn man ihm allerdings eine traurige Perücke mit Sean Connery-Frisur über den markanten Schädel stülpt und ihn wie einen wütenden Kobold immer das Gleiche sagen lässt, bis er in der Filmmitte dann einfach von der Bildfläche verschwindet, sabotiert man die eigene Idee doch beträchtlich. Zu seinem Glück werden auch die restlichen Charaktere mit einer außerordentlichen Schlechtigkeit dargestellt werden, für die sich sogar ein Schultheater schämen würde. Andere Ideen, wie eine ‚furchtbar lustige‘, rotzfreche Künstliche Intelligenz, erleiden dasselbe Schicksal. Nicht zu Ende gedacht, nicht vernünftig eingesetzt und noch weniger vernünftig umgesetzt.

Aber vielleicht ist auch gar nichts davon schlimm. Vielleicht ist es okay, weil es ein paar Minuten lang einen Heidenspaß bereitet, A Sound of Thunder beim Scheitern zuzusehen.
An jeder Ecke bemüht sich der Film, eine glaubwürdige Illusion von Zukünftigkeit zu errichten, um damit kolossal auf die Nase zu fallen. Nicht nur die Effekte digitaler Natur, sogar die normalsten Sets sehen unglaublich ramschig aus.
Ganz zu schweigen davon, dass die gesamte Diegese Murks ist, weil kein Mensch diese offenkundig idiotische Geschäftsidee von Time Safari Inc. ernstlich in Frage stellt und auf die Idee kommt, dass man sich damit in Höchstgeschwindigkeit selbst ein Grab schaufelt. Okay, ein paar protestieren schon. Die stürmen dann auf Galas, lachen irre und spritzen mit Blut herum, das eigentlich viel zu hell ist, um Blut zu sein. Tatsächlich funktioniert die ganze Geschichte von vorne bis hinten nicht. Überhaupt nicht. Informationen laufen in die falsche Richtung, an jeder Ecke wartet geduldig eine Wissenschaftslüge und in einer normalen Geschichte wäre keine der hier dargestellten Figuren auch nur überlebensfähig.

Über all dem Dilettantismus thront ein beschämendes, höchst kurioses Faktum. Die ganze Zeitreisekiste haut nicht hin, weil niemand der an diesem Machwerk Beteiligten sich je Gedanken über das Thema des Filmes gemacht hat. So wie in A Sound of Thunder funktionieren Zeitsprünge nämlich einfach nicht. Auch wenn es noch nie einen gab und geben wird: Nein.
Wenn man von Punkt Z1 ausgehend nach Punkt A1 reist und dort etwas variiert, sodass die gesamte Linie von A1 – Z1 beeinflusst wird, um schließlich in ein daraus resultierendes Z2 zu münden, dann existiert Z1 entweder gar nicht oder aber Z1 und Z2 bestehen beide als alternative Zeitlinien.
Die Idee, stattdessen Zeitwellen einzuführen, die nach und nach die Welt, nicht aber die Menschen verändern, ist derart fern von ‚naheliegend‘ und ‚leicht abzukaufen‘, dass ihr ein Ehrenplatz in den Annalen der Filmgeschichte sicher ist. Da kann die Musik noch so theatralisch-dumm durch die lahmen Szenen tröten. Und selbst WENN man diesen Unfug versuchsweise akzeptiert, macht es keinen Sinn, dass moderne Natur von prähistorischer ausgewechselt wird, alle Kulturgegenstände aber ungeschoren erhalten bleiben. In A Sound of Thunder kann die Zeit denken, das ist die einzige, alles andere als glücklich machende Erklärung für dieses hohle Brimborium. Die ganze innere Logik dieser Idee ist völlig plemplem. Und WIESO schleudern diese ominösen Zeitwellen bei Eintreffen die Menschen meterweit weg, während alles andere unberührt bleibt? Welchen Sinn hat das? So geht das einfach nicht, werte Drehbuchschreiber. Liebe Leute, selbst unaufmerksamste Zuschauer kriegt spitz, dass hier absolut gar nichts in sich schlüssig ist.

Was bleibt, ist die wunderbare Chance, die Fantasie mal so richtig am Rad drehen zu lassen und einen ganzen Zoo mit fantastischen Kreaturen zu entwerfen und auf die Menschheit loszulassen. Schließlich ist das Eiland Erde plötzlich bevölkert mit unbekannten Biestern, die sich in 65 Millionen Jahren aus allem Möglichen entwickelt haben können. Und was ist das Beste, auf das die Herren von der Kreativabteilung kommen? Muskulöse Paviane.
Nicht mal einen simplen Sturz aus einem simplen Fenster kriegt der Film inszeniert. Nichts, absolut gar nichts ist so, wie es sein sollte. Jeder Schritt ein furioses Stolpern.
Und genau deswegen ist der Film zwar durch und durch schlecht, aber nicht langweilig. Jeder mit einem Kügelchen Sadismus in sich wird seine Freude an den mangelnden Qualitäten dieses Zeitreisewunders haben.

Fazit

Schauspieler im Leerlauf, das vielleicht lumpigste Drehbuch aller Zeiten und Effekte aus einer Zeit, in der die meisten Leser vermutlich noch nicht geboren waren. A Sound of Thunder zeigt mit sichtlichem Stolz, was beim Filmemachen alles schieflaufen kann. Das soll aber nicht heißen, der Film würde keinen Spaß machen. Er ist dreist, schlecht und müffelt, doch das Langweilen hält sich trotzdem in Grenzen. Und bei allem, was der Film so falsch macht, begeht er doch nicht den größten aller Fehler: Gar nicht zu unterhalten.

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7 Kommentare

  1. Hans Olo
    16. Oktober 2013, 20:40

    Moinsen. Ich hab den Blödsinn tatsächlich irgendwann einmal sehen „dürfen“. Hätte ich anno dazumal bereits gewusst, dass für den Scheibenkleister rund 80 Mio. Dollar draufgegangen sind, hätte ich mir das Trauerspiel vielleicht sogar bis zum Ende angesehen.

    Naja, Du hast hier ja schön die vielfältigen.. ähem, „Schwächen“ des Filmes erläutert.

    Aber eines ist seltsam an der Review: „(…) begeht er doch nicht den größten aller Fehler: Gar nicht nicht zu unterhalten.“
    Hab ich das richtig verstanden? Nicht nicht zu unterhalten, also doch zu unterhalten, wäre ein Fehler, allerdings einer, der von dem Film nicht begangen wird? Der Film macht also etwas richtig, indem er nicht unterhält? War die vielfache Verneinung so beabsichtigt? Oder bin ich doch blöder, als ich dachte, zumindest temporär?

    Naja, weiter so, endlich mal jemand, der Filme mit nem wachen Auge, oder zwei, betrachtet.

    Greetz, Johnny Klaue

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    • Martin
      16. Oktober 2013, 23:16

      He, he – ich gebe zu, die Formulierung ist nicht gerade die augenfreundlichste. Da steht, dass er folgenden Fehler nicht begeht: Nicht zu unterhalten. Sprich, er ist ein furchtbarer Film, der ein wenig trotz, hauptsächlich aber wegen seiner Furchtbarkeit unterhält. Und das ist besser als die vielen Filme, bei denen es ein Teil ihrer Furchtbarkeit ist, dass sie stinklangweilig sind.
      Irgendwas sagt mir, das ist jetzt nur leidlich besser zu verstehen. ‚A Sound of Thunder‘ ist Mist, aber nicht schnarchig. So.

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  2. Hans Olo
    17. Oktober 2013, 15:47

    Hm, dachte mir, dass das so gemeint sein soll. Ich will ja auch überhaupt nicht weiter klugscheißen, ich machs aber trotzdem: Da steht doch, er mache nicht den Fehler, nicht nicht (2x nicht) zu unterhalten. Und die doppelte Verneinung nach dem Doppelpunkt hebt sich gegenseitig auf, und das, ohne den Satz vor dem Doppelpunkt zu beeinflussen, da alles nach dem Doppelpunkt keine Konsequenz, sondern nur eine Definition dessen ist, was mit dem Wort „Fehler“ gemeint ist. Also macht er folglich nicht den Fehler, zu unterhalten. Möglicherweise ist dir einfach nur ein „nicht“ zu viel da rein gerutscht.

    Nicht, dass das alles besonders wichtig wäre, aber wo kämen wir denn hin, wenn man im Internet nichma gepflegt herumnerden kann ;~) Schöne Grüße.

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    • Martin
      18. Oktober 2013, 06:48

      Ich fürchte, da muss ich gegennerden – die Sache wird vielleicht transparanter, wenn man das zweite ’nicht‘ durch ein „nicht unterhaltsam“-Synonym ersetzt (ich wünschte, es gäbe ein vernünftiges Verneinungspartikel für „unterhaltsam“…wie un-unterhaltsam): „Eines ist er nicht: langweilig“. Die doppelte Verneinung ist in diesem Fall also durchaus gewollt. ; )

      Ich liebe übrigens nichts mehr als Grabenkämpfe bezüglich Formulierungsweisen. Und bin mir sicher, dass du in diesem Blog diesbezüglich ganze Einkaufstüten mit solchen füllen kannst. Ich selbst entdecke bei den sorgfältigst geschriebenen Rezensionen Monate später immer noch lausige, sinnverdrehende Flüchtigkeitsfehler, die mich vor mir selbst blamieren.

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  3. Hans Olo
    13. November 2013, 23:25

    Jetzt bin ich hier schon wieder drüber gestolpert, und hab mir das noch einmal durchgelesen, und so im Nachhnnein muss ich sagen: Ich glaube immer noch, dass ich Recht habe. xD
    Also, in deinem Kommentar vom 16. Oktober sagst du: „Da steht, dass er folgenden Fehler nicht begeht: Nicht zu unterhalten“. Aber im Reviewtext steht, dass er folgenden Fehler nicht begeht: NICHT nicht zu unterhalten, und das ist ein Unterschied zu dem, was du in besagtem Kommentar zur Erklärung geschrieben hast… xD

    Das mit den Flüchtigkeitsfehlern, die man erst später selber entdeckt, das kenne ich auch zu gut. Ich schreibe auch Reviews, allerdings für Metal-Alben. Dieses Gefühl, das beim Entdecken kurz auftaucht und einen veranlasst, den Kontext und die entsprechende Formulierung noch mal gründlich zu durchleuchten, das hätte einen eigenen Namen verdient.

    Greetz ^^

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    • Martin
      13. November 2013, 23:33

      Weißt du was? Du hast vollkommen Recht. Ich hab das überflüssige „nicht“ bei jedem erneuten Blick auch erneut ausgeblendet. Danke für deine Hartnäckigkeit.

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  4. Dennis1337
    7. Januar 2014, 10:36

    Kann man doch gucken

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