Japan-Filmfest Special: Empty

Bewertung
7.1
Positiv: Gutes Timing, passender Score, sympathische Figuren...
Negativ: ...funktioniert als Teenager-Drama nicht mehr so gut wie als Komödie
Leserwertung
9.0
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Japan-Filmfest Special 3

Nach dem sehr kräftezehrenden Minus by Minus und dem sehr schlimmen A Taste of Kiss folgte auf dem Japan-Filmfest Hamburg Shogo Kusanos zweiter Film Empty. Hauptdarsteller Naoya Shimizu und Inhaltsbeschreibung ließen bereits leise Zweifel aufkommen, die zum Glück aber nur in kleinem Rahmen bestätigt werden konnten.

Identity is always something vague.

Story

Den Teenager Koban Kato als ruhig und unauffällig zu bezeichnen, wäre himmelschreiende Untertreibung. Er besitzt die Fähigkeit, sich zu teleportieren, was aber beinahe egal ist, da er sowieso für alle unsichtbar zu sein scheint. Das ungewollte Talent bringt ihn immer wieder in unangenehme Situationen, die in erster Linie dadurch entstehen, dass er nach dem unkonventionellen Ortswechsel ganz ohne Kleidung dasteht.
Alles scheint sich zu ändern, als er zweimal in kurzer Zeit in der Nähe des aufgeweckten Mädchens Sheena auftaucht. Das ist zum einen ungewöhnlich, weil seine Teleportationen eigentlich nie in der Nähe von Menschen enden und zum anderen, weil sie Verständnis für seine Situation und Interesse an seiner Person zu zeigen scheint. Offenbar hat sie ihr ganz eigenes Päckchen zu tragen. Die impulsive Unbekannte und der zurückhaltende Kato freunden sich langsam an und alles scheint für eine kurze Zeitspanne besser zu werden.
Die Fähigkeit, sich  zu teleportieren, ist aber keine Hilfe gegen die einholende Vergangenheit.

Kritik

Es gibt Filme, die sind deutlich schlechter als ihre Geschichte und umgekehrt. Empty ist einer dieser Umgekehrt-Filme. Die laue Plotline „Außenseiter hat ohne Erklärung eine übernatürliche Kraft und findet seine erste und große Liebe“ ist der Stoff, aus dem Schlimmes entstehen kann, aber offenbar hatte Regisseur, Autor und Produzent Shogo Kusano eine andere Vorstellung von seinem Film.
Das macht der Anfang bereits mehr als deutlich, der als wundervoll überdrehter Prolog mehr als nur augenzwinkernd Werdegang und Ist-Situation des Schülers darstellt und den leichtfüßigen und ideenreichen Schnelldurchlauf mit zirkusartiger Musik unterlegt, die wie die Faust aufs Auge passt. So geht es erst einmal weiter. Mit einem beachtlichen Gespür für komödiantisches Timing, ohne das die zahlreichen Slapstick-Einlagen zweifelsohne misslungen wären, feuert Empty einen gelungenen Gag nach dem anderen los und gönnt seiner Hauptfigur nebenbei sogar noch Raum für Entwicklung.
Dabei wird ein ums andere Mal übers gesetzt Ziel hinausgeschossen. Daran etwa, dass Kato mit einem Eimer auf dem Kopf und splitterfasernackt zu Tuba-Tölpelmusik in einem Wandschrank steht, hat man sich nach einigen Sekunden sattgesehen, doch hält sich der Film mit derlei Überspannungen zum Glück zurück.
Das alles funktioniert beschwingt gut, so lange der Film die Teleportgabe dazu einsetzt, seinen Protagonisten in prekäre Situationen zu navigieren.
  
Wenn dann Sheena in sein Leben tritt und diesem endlich so etwas wie eine klare Linie gibt, verschwindet die hohe Gagdichte mit einem Schlag und der Film entwickelt sich zu einer Coming-of-Age-Geschichte, die an sich funktioniert, aber dabei viel zu unspektakulär bleibt.
Immer dann, wenn der Humor zeitweise zurückkehrt, um noch ein Gastspiel aufzuführen, wird Empty wieder so charmant wie am Anfang. Die kurzen Intermezzi, die einem ausufernden Kappa-Kult gewidmet sind, der sich irrtümlich um Überwachungskameraaufnahmen des teleportierten und missinterpretierten Kato bildete, gehören dazu. Durch so etwas wird das Geschehen immer mal wieder und auch an den richtigen Stellen aufgelockert, doch hat der Film nicht mehr die Ambitionen, sich zurück auf das komische Plateau seines Anfangs zu begeben. Hinzu kommt, dass sich die Geschichte gegen Ende ein wenig verrennt und unnötige Verlängerungen nimmt.

Fazit

Als überdrehte Komödie mit gutem Timing funktioniert der Film viel besser denn als humoristisch angehauchtes Coming-of-Age-Drama, das er ab der Mitte wird. Trotzdem ein sehenswerter Trip eines alles andere als durchschnittlichen Teenagers mit einer Reihe lohnenswerter Eskapaden und guten Einfällen, die für die matter werdende zweite Filmhälfte entschädigen.

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