Japan-Filmfest Special: My Departure
Follow J, 2012
Regie: Tetsu Maeda
Buch: Takashi Shinohara

Kiyoshi Maekawa
Yu Yamada
Wakako Sakai

Japan-Filmfest Special: My Departure

Bewertung
6.0
Positiv: Ruhige, aber starke Bilder, große Spielfreude...
Negativ: ...Sturzbäche von Kitsch, auf ständigen Zufällen ruhende Geschichte
Leserwertung
7.5
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Japan-Filmfest Special 5

Professor Tetsu Maeda (Sukiyaki, Dolphin Blue, School Days With a Pig) verdingt sich schon seit einer ganzen Weile als erfolgreicher und durchaus vielseitiger Regisseur, dessen Werke auch in unseren Breitengraden immer mehr Beachtung finden.
Sein neustes Werk wurde auf dem Japan Filmfest vorgestellt.

Story

Es ist soweit für Kousuke. Nach jahrzehntelanger Arbeit als Architekt wird er in den Ruhestand versetzt und bleibt mit einer Uhr als Dankeschön alleine in seinem Lebensabend zurück. Überfordert mit der Situation, die eigentlich Freizeit, in Wirklichkeit aber Leere und Einsamkeit bedeutet, gräbt er rastlos in Erinnerungen an sein Leben. Seine Tochter hat er seit 25 Jahren nicht mehr gesehen, seine Ehe ging in die Brüche und in früher Jugend traf er seine große Liebe, die er nie wieder sah. Als er auf längst verdrängte  Briefe von diesem Mädchen stößt, macht er sich auf die Reise, die Frau aufzuspüren, die aus dem Mädchen entstanden ist, obwohl er keinerlei Anhaltspunkte über ihren Verbleib hat.
Auf dem Weg erinnert er sich an die besonderen Umstände, unter denen sie sich damals als Brieffreunde kennenlernten, das erste Mal begegneten und schließlich wieder trennten.

What lies beyond the ocean?

Kritik

Einige Dinge sind international im modernen Leben. Geldsorgen, Einsamkeit im Alter, Identitätszweifel, Furcht vor der Nutzlosigkeit und die monströse Leere hinter dem Arbeitsleben.
Ist man anfangs noch in der Erwartung, die Reise des in die Jahre gekommenen Kousukes zu erleben, muss man feststellen, dass seinen Rückerinnerungen deutlich mehr Platz zugesprochen wird.
Mit entsättigten Farben erfährt der Zuschauer die eigentlich gar nicht so ungewöhnliche Geschichte der einander suchenden, findenden und verlierenden Kinder, die beide Malen wollen und es als Erwachsene doch nicht tun.
Die Rahmenhandlung besteht nicht nur aus dem zugfahrenden und umherirrenden Ruhestands-Flüchtling, sondern auch aus den Erlebnissen einer Frau, die ihren Vater vermisst, eines jungen Mannes, der ziellos mit seiner Geige durch den Tag reist und einer älteren Dame, die ihre Mutter pflegt. Man muss kein Genie sein, um sich schon früh zusammenzureimen, welche Rolle diese Figuren füreinander spielen. Grundsätzlich ist die Gewichtung zwischen der Handlung im Jetzt und der ausführlich erzählten Prolepse eine gelungene, da beide Seiten ihre eigenen, zu beantwortenden Fragen mit sich herumtragen. Zum Ende hin kommt diese Balance dem Film aber abhanden.

Grundsätzlich lässt sich ein souveräner Umgang mit den Mitteln der Technik und auch eine überragender  Darbietung der Schauspieler attestieren, deren brodelnde Spielfreude kaum zu übersehen ist. Nicht jedermanns Sache dürfte die schwelgerische Musik sein, die mit melancholischen Impressionen aufgeladen wird und damit für jede Menge Kitsch sorgt. Dieser hält sich meist in Grenzen und wird durch die souveräne Regie im Zaum gehalten, mit fortschreitender Handlung geht aber auch hier das Gleichgewicht verloren und die rührselige Grundstimmung gewinnt Überhand. Die Grazie der eingefangenen Bilder selbst lässt sich dafür zu keinem Augenblick bestreiten – auch wenn man an einigen Stellen meinen könnte, der schöne Schein bestünde nur um seiner selbst willen.
Der Handlung, so stilsicher sie auch erzählt wird, ist anzukreiden, dass sie sich aus zu vielen zufälligen Begegnungen heraus entwickelt, die dem ganze Ablauf eine Schicksalshaftigkeit verleihen.  Das Drehbuch ist in sich stimmig, aber nicht in sich logisch.
My Departure ist ein warmherziger, lebensfroher und in seinem Wesen positiver Film, der zeigen möchte, dass Hoffnung und Frieden keine Sache des Alters, sondern eine Sache der Einstellung sind. Lediglich die Geschichte des wandernden Musikers, der in jeder Szene die gleiche bedrückte Mine trägt, fügt sich nicht ganz reibungsfrei ins Konzept.

Fazit

Eine rührende Geschichte ist es, die My Departure mit sympathischen Figuren erzählt. Die gekonnte Machart tröstet darüber hinweg, dass die einzelnen Fragmente nur zusammenpassen, weil sie von sentimental-süßem Kleister gehalten werden.
Das Leben ist eine Zugfahrt.

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Japan-Filmfest Special: My Departure, 7.5 out of 10 based on 2 ratings

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